Museum Kunst der Verlorenen Generation

Privatsammlung Prof. Dr. Heinz Böhme


Das Privatmuseum in der Sigmund-Haffner-Gasse, im Herzen Salzburgs, zeigt eine außergewöhnliche Sammlung von Künstlern der Verlorenen Generation.

Die Sammlung besteht aus ungefähr dreihundert Werken, hauptsächlich Ölgemälden.

Die eleganten Ausstellungsräume geben Einblick in das erweiterte Wohnzimmer des Sammlers. Ein behagliches Ambiente lädt zum Verweilen ein. Gemütliche Sitzecken, Tische und Stühle geben die Möglichkeit, die umfangreiche vorhandene Literatur zu studieren.

Ungewöhnlich ist, dass der Sammler, Prof. Dr. Heinz Böhme meist selbst im Museum anzutreffen ist. Auf anschauliche Weise gibt er gerne eine persönliche Einführung zum Thema „Verlorene Generation“. Er spricht darüber, wie es zu dieser Sammlung gekommen ist, und auch über seine Beweggründe, die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Oft erzählt er Details zur Entstehungsgeschichte der Bilder. Vor allem aber interessiert ihn die Lebensgeschichte der Künstler. Prof. Dr. Heinz Böhme möchte der Kunst die Zeit zurückgeben, die ihr damals gestohlen wurde.

Wer ist nun diese Verlorene Generation? Wer gehört dazu?

Der Kunsthistoriker Rainer Zimmermann prägt den Begriff „Verschollene“ oder „Verlorene“ Generation 1980. Er zieht die Parallele zum Begriff „lost generation“, den Hannah Arendt und Gertrude Stein für die amerikanische Schriftstellergeneration der 1920er Jahre gewählt haben. Zimmermann bezieht sich auf Künstler, die zwischen 1880 und 1915 geboren sind. Künstler, die im frühen 20. Jahrhundert bereits einen gewissen Ruhm und Anerkennung erreichen. Sie kommen aus allen Gebieten der Weimarer Republik, sowie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Sie sind Künstler, die vom nationalsozialistischen Regime wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer politischen Einstellung und aus vielen verschiedenen anderen Gründen nicht geduldet, als entartet angeprangert und verfemt werden. Ihre Werke werden zerstört, ins Ausland verkauft oder, mit etwas Glück, im Verborgenen aufbewahrt. Ihre Namen und auch ihre Arbeiten sind größtenteils unbekannt.

Diese Sammlung erweckt sie wieder zum Leben.

Die Biographien der Künstler zeigen alle einen schwierigen Weg mit vielen Stationen. Ihr gemeinsames Ziel ist die tatsächliche oder innere Emigration, um zu überleben.

Anhand der Biografien erkennt man die enge Vernetzung ihrer Leben, eine lange Reise, die sie immer wieder zusammenführt, aber auch wieder trennt. Anfangs treffen sie sich bei berühmten Lehrern und Kunstschulen in Berlin, München, Dresden, Hamburg oder Düsseldorf. Sie schließen sich zu verschiedenen Künstlervereinigungen zusammen.

Bei Hanna Bekker vom Rath, in ihrem „Blauen Haus“ in Hofheim am Taunus, finden viele Maler Unterschlupf. Dazu gehören Alexej von Jawlensky, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Ida Kerkovius, Theo Garvé, Ilse und Ludwig Meidner, Willy Baumeister und andere. Alle diese Maler waren mit einem Mal- und Ausstellungverbot belegt.

Auch in der Emigration schaffen sie sich selbst Sammel- und Mittelpunkte zum geistigen Austausch, zur Bewältigung des gemeinsamen Schicksals. Der Hafenort Sanary-sur-Mer in Südfrankreich ist für viele der damaligen geistigen und künstlerischen Avantgarde ein Zuhause. Für viele bleibt Amerika oder Brasilien der einzige Ausweg.

Nach dem Exil gelingt es nur wenigen Künstlern an frühere Erfolge anzuknüpfen.