Malerin an der Staffelei
Öl auf Leinwand
68 x 56 cm
Zugeschrieben

Hanna Bekker vom Rath

1893 Frankfurt am Main – 1983 Bad Nauheim

Malen – Sammeln ­– Ausstellen

„Mein Ziel: Überbrückung der durch das Dritte Reich entstandenen Kluft. Heranführung der Jugend an die Kunst der letzten vierzig Jahre und Einführung in das Schaffen der Gegenwart auf dem Gebiet der Malerei, Plastik, Graphik und Werkkunst.“ Dies schreibt die Künstlerin in die Einladungskarte zur Eröffnung des Frankfurter Kunstkabinetts Hanna Bekker vom Rath 1947. Diese Zeilen spiegeln ihr gesamtes Leben und ihre Gesinnung wieder.

Sehr früh entdeckt Johanna vom Rath ihre Liebe zur Kunst. Sie nimmt Malunterricht bei Ottilie W. Roederstein in Hofheim, bei Adolf Hölzel noch während der Kriegsjahre, und bei seiner Meisterschülerin Ida Kerkovius in Stuttgart.

1920 heiratet sie Paul Bekker, einen Dirigenten und Musikschriftsteller. Durch ihn kommt sie in Kontakt mit der Künstler- Avantgarde, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Strawinsky.Sie erwirbt ein Landhaus in Hofheim am Taunus, das zukünftig noch vielen Künstlern als Unterschlupf, Zufluchtsort, Atelier beziehungsweise Ausstellungsraum dienen sollte. Das sogenannte Blaue Haus wird nach dem 2.Weltkrieg zum kulturellen Mittelpunkt.

Ab 1925 leitet ihr Mann das Staatstheater in Kassel, sie knüpft Freundschaft mit den Künstlern Oskar Kokoschka, Ludwig Meidner, Werner Wolffheim, Emil Bizer.

1929 gründet Hanna Bekker die Gesellschaft der Freunde der Kunst Alexej von Jawlenskys in Wiesbaden, hauptsächlich zu seiner finanziellen Unterstützung. Eine tiefe Freundschaft verbindet die beiden bis zu seinem Tod 1941.

1930 wird ihre Ehe geschieden. Aufgrund seines „gefährlichen kritischen Verstandes“ und wegen der politischen Stimmung wird Paul Bekker’s Vertrag am Preussischen  Staatstheater Wiesbaden nicht verlängert.1933 emigriert er in die Vereinigten Staaten.

1930 stellt Hanna Bekker ihre Werke in der Galerie Ludwig Schames, Frankfurt, 1932 bei Gurlitt, Berlin aus.1930 lebt sie ein Jahr mit ihren drei Kindern in der Nähe von Athen, um das Ende des kommenden Krieges abzuwarten. 1934 kann kein deutsches Geld mehr ins Ausland transferiert werden, weshalb sie nach Hofheim am Taunus zurückkehrt.

Sie beginnt Kunst zu sammeln, kauft vor allem die Werke ihrer Freunde, die vom Naziregime immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. In Berlin beginnt sie heimlich Ausstellungen „entarteter“ Künstler zu organisieren. Viele ihrer Freunde sind mit einem Mal- und Ausstellungsverbot belegt. Bekannte Maler, wie Theo Garvé, Karl Schmidt-Rottluff, Ludwig und Else Meidner, Ernst Wilhelm Nay, sie alle halten sich eine gewisse Zeit in Hofheim auf. Hanna Bekkers eigene Kunst tritt immer mehr in den Hintergrund.

1947 gründet sie das Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker. Als „Botschafterin der Kunst“ unternimmt sie viele Ausstellungsreisen nach Brasilien, Uruguay, Argentinien, Kuba, Peru, Südafrika, Indien Nordamerika, Mexiko. Ihr Hauptanliegen ist es, die deutsche Kunst, dieser verlorenen Generation den Menschen in anderen Ländern näher zu bringen.

Sie erhält Auszeichnungen des Landes Hessen, der Stadt Frankfurt, sowie 1964 das Bundesverdienstkreuz. Bis zu ihrem Tod 1983 in Bad Nauheim organisiert sie unermüdlich Ausstellungen. Der Großteil ihrer Kunstsammlung geht an das Museum Wiesbaden, das Stadtmuseum Hofheim am Taunus besitzt ihre eigenen Werke.

Lit.: Stadtmuseum Hofheim und Autoren, Die Malerin Hanna Bekker (1893 – 1983),1993, Hofheim am Taunus.                                                                                                         Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath GmbH, Hanna Bekker, 1984, Frankfurt am Main.Giersch-Museum, Frankfurt 2013/2014.