{"id":1002,"date":"2025-11-13T09:02:09","date_gmt":"2025-11-13T09:02:09","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/bernstein-martha\/"},"modified":"2026-01-16T16:09:54","modified_gmt":"2026-01-16T16:09:54","slug":"bernstein-martha","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/bernstein-martha\/","title":{"rendered":"Bernstein, Martha"},"content":{"rendered":"<p>Die Sch\u00f6nheit der Farbe in der Kunst und im t\u00e4glichen Leben \u2013 so betitelte Martha Bernstein 1921 ihr Buch \u00fcber die Beziehung zwischen Farbe, Linie, Fl\u00e4che und Raum. Doch publizierte sie es nicht unter ihrem vollst\u00e4ndigen Namen, sondern verwendete das geschlechtsneutrale K\u00fcrzel \u201eM. Bernstein\u201c. Der Grund: Frauen als Autorinnen und K\u00fcnstlerinnen wurden zu dieser Zeit kaum ernst genommen, ihre B\u00fccher verkauften sich schlecht. Martha Bernstein wuchs in einer wohlhabenden j\u00fcdischen Familie in ihrem Geburtsort auf. Ihre Eltern, die Pianistin Sophie Levy (1856\u20131923) und der Physiologie-Professor Julius Bernstein (1839\u20131917), f\u00f6rderten ihre k\u00fcnstlerische Begabung. Ihre beiden Br\u00fcder, Felix (1878\u20131956) und Rudolf (1880\u20131971), emigrierten wie sie selbst w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus.<\/p>\n<p>Mit 16 Jahren begann Bernstein ihr Kunststudium bei Ludwig Schmid-Reutte (1862\u20131909), der zusammen mit Friedrich Fehr (1862\u20131927) eine Spezialschule f\u00fcr k\u00fcnstlerische Anatomie in M\u00fcnchen leitete. Im Gegensatz zur staatlichen Akademie stand diese Privatschule auch Frauen offen, war allerdings deutlich teurer und daher nur f\u00fcr \u201eh\u00f6here T\u00f6chter\u201c eine Option. 1909 setzte Bernstein ihr Studium bei dem schw\u00e4bischen Landschaftsmaler Christian Landenberger (1862\u20131927) in Die\u00dfen am Ammersee fort, bevor sie in die pulsierende Kunstmetropole Paris ging. Um 1900 wirkte die Stadt mit ihren modernen Ausbildungsm\u00f6glichkeiten und dem Versprechen kreativer Freiheit wie ein Magnet auch auf junge K\u00fcnstlerinnen. Bis 1912 studierte sie an der privaten Malschule von Henri Matisse (1869\u20131954), reiste jedoch h\u00e4ufig nach Berlin und wurde freies Mitglied der Berliner Secession, an deren j\u00e4hrlichen Ausstellungen sie teilnahm. Inspiriert vom liberalen Geist des K\u00fcnstlerviertels Montparnasse, vielleicht sogar im Atelier von Matisse, entstand 1911 der abgebildete Frauenakt im Atelier. Darin kombinierte sie einen plastisch modellierten Frauenk\u00f6rper mit einem abstrakten, skizzenhaften Hintergrund. In Paris wurde sie mit K\u00e4the Kollwitz (1867\u20131945), Sabine Lepsius oder Paula Modersohn-Becker (1876\u20131907) zu den \u201eMalweibern\u201c gez\u00e4hlt, einer urspr\u00fcnglich abwertend so benannten Gruppe deutscher K\u00fcnstlerinnen in der franz\u00f6sischen Hauptstadt.<\/p>\n<p>Nach ihrer R\u00fcckkehr nach Halle hielt Bernstein ab 1913 an der St\u00e4dtischen Frauenschule zu Halle Vortr\u00e4ge \u00fcber die Grundlagen der angewandten Kunst. Im Jahr 1923 heiratete sie den Kapellmeister Max Christian Neuhaus (1874\u20131935), doch die Scheidung folgte bereits 1927. Neuhaus war sp\u00e4ter Musikreferent des V\u00f6lkischen Beobachters, dem Parteiorgan der NSDAP. Ab 1931 lebte Bernstein in Die\u00dfen am Ammersee, wo sie in den Tuschezeichnungen der Serie <em>Modernes Malerinnenleben<\/em> die Situation der oftmals bel\u00e4chelten K\u00fcnstlerinnen karikierte. Ihr neues Umfeld hielt sie bereits 1921 in ihrem Werk <em>Badestrand<\/em> fest. Ihr famili\u00e4rer Hintergrund machte sie unter dem Nationalsozialismus zur Verfolgten. 1941 gelang ihr die Flucht nach Baden in der Schweiz, wo ihr Bruder Rudolf sie aufnahm. Nach Kriegsende kehrte sie nach Bayern zur\u00fcck, doch an ihre fr\u00fchere Karriere konnte sie nicht mehr ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\"><strong>HIER<\/strong><\/a><\/span> erh\u00e4ltlich.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Bernstein, Martha - Museum der verlorenen Generation","description":"Die Sch\u00f6nheit der Farbe in der Kunst und im t\u00e4glichen Leben \u2013 so betitelte Martha Bernstein 1921 ihr Buch \u00fcber die Beziehung zwischen Farbe, Linie, Fl\u00e4che und R"}},"categories":[96],"class_list":["post-1002","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/1002","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1002"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1002"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}