{"id":1015,"date":"2025-11-13T09:06:43","date_gmt":"2025-11-13T09:06:43","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/bromberger-dora\/"},"modified":"2026-01-16T16:16:58","modified_gmt":"2026-01-16T16:16:58","slug":"bromberger-dora","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/bromberger-dora\/","title":{"rendered":"Bromberger, Dora"},"content":{"rendered":"<p>Mit Dora Bromberger begegnet uns eine K\u00fcnstlerin, die sich nicht vor den Nationalsozialist:innen sch\u00fctzen konnte. Als Tochter des j\u00fcdischen Komponisten und Pianisten David Bromberger (1853\u20131930) wuchs sie mit ihren Geschwistern Henriette (1882\u20131942) und Siegfried (1879 \u2013 unbekannt) in einem liberalen b\u00fcrgerlichen Elternhaus auf. Die drei Kinder wurden am 26. M\u00e4rz 1888 im evangelisch-lutherischen Bremer Dom getauft. Die Motivation dazu l\u00e4sst sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen, doch die Konvertierung zum Christentum war in einzelnen F\u00e4llen mit rechtlicher Gleichstellung und gesellschaftlichem Druck zur Anpassung verbunden. Eine k\u00fcnstlerische Laufbahn strebte Bromberger bereits in jungen Jahren an. So besuchte sie mehrere Malschulen, darunter das progressive Institut des sp\u00e4teren Abstrakten Expressionisten Hans Hofmann (1880\u20131966) in M\u00fcnchen. Danach setzte sie ihr Studium in Paris fort, der bl\u00fchenden Kunstmetropole ihrer Zeit, wo sie von avantgardistischen Str\u00f6mungen inspiriert wurde. Nach der R\u00fcckkehr in ihre Heimatstadt 1923 etablierte sich Bromberger rasch als K\u00fcnstlerin: Neben Ausstellungen in der Kunsthalle und dem Graphischen Kabinett war ihr Werk auch au\u00dferhalb von Bremen zu sehen, etwa 1927 in Berlin und 1928 auf der Ausstellung Deutsche Kunst der Gegenwart in N\u00fcrnberg. Sie malte bevorzugt Landschaften und Stillleben im expressionistischen Stil, vor allem mit Aquarell- oder \u00d6lfarben, aber auch im ruhigeren Stil, wie ihr Werk Landschaft mit H\u00e4usern zeigt. Als Mitglied der Gemeinschaft Deutscher und \u00d6sterreichischer K\u00fcnstlerinnenvereine aller Kunstgattungen (GEDOK) ab 1928 organisierte sie mit ihrer Schwester Henriette, einer renommierten Pianistin, die \u201eLichten Sonntage\u201c, gesellschaftlich-k\u00fcnstlerische Salons in ihrem Elternhaus.<\/p>\n<p>Doch mit der \u201eMachtergreifung\u201c \u00e4nderte sich das Leben der Familie Bromberger. Berufliche Ausgrenzung und die \u201eRassengesetze\u201c der Nationalsozialist:innen von 1935 f\u00fchrten zur Isolation der beiden Schwestern. Sie verlie\u00dfen nur selten das Haus und nahmen schweren Herzens Abschied von ihrem Bruder, der 1939 nach Kuba emigrierte. Aus gespendetem Porzellan und Stoffresten schuf Bromberger indessen weiterhin k\u00fcnstlerische Arbeiten.<\/p>\n<p>Obwohl Dora und Henriette Bromberger seit \u00fcber 40 Jahren getauft waren und Grabst\u00e4tten am nichtj\u00fcdischen Riensberger Friedhof besa\u00dfen, waren sie ab 1941 Repressionen ausgesetzt. Als eine der Schwestern im Oktober 1941 den Evakuierungsbescheid erhielt, entschieden sie sich, gemeinsam die Reise ins Ungewisse anzutreten. Die Reichsbeh\u00f6rde verkaufte das gemeinsame Haus der Schwestern, in welchem sie einen Gro\u00dfteil ihres Lebens gewohnt hatten. Ein Transport brachte die Frauen in den fr\u00fchen Morgenstunden vom Bremer Lloyd-Bahnhof in ein Todeslager bei Minsk. Zuvor konnte eine Freundin der K\u00fcnstlerin ihnen unbemerkt Lebensmittel und eine Wolldecke mitgeben und Abschied nehmen. Dora und Henriette kamen nach einem mehrt\u00e4gigen Zugtransport im Ghetto von Minsk an und erfuhren die menschenunw\u00fcrdigen Umst\u00e4nde der Behausungen sowie die lebensgef\u00e4hrliche K\u00e4lte im Winter 1941\/42. Beide wurden als Zwangsarbeiterinnen im nahegelegenen Wehrmachtslazarett zu Hilfst\u00e4tigkeiten wie Kartoffelsch\u00e4len eingesetzt und gelangten zeitweise an Lebensmittel. Das Lazarett wurde im Juni 1942 aufgel\u00f6st, und Dora Bromberger wurde im Vernichtungslager Maly Trostinec ermordet.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\"><strong>HIER<\/strong><\/a> <\/span>erh\u00e4ltlich.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Bromberger, Dora - Museum der verlorenen Generation","description":"Mit Dora Bromberger begegnet uns eine K\u00fcnstlerin, die sich nicht vor den Nationalsozialist:innen sch\u00fctzen konnte. Als Tochter des j\u00fcdischen Komponisten und Pian"}},"categories":[96],"class_list":["post-1015","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/1015","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}