{"id":1058,"date":"2025-11-13T09:15:53","date_gmt":"2025-11-13T09:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/fischer-johannes\/"},"modified":"2026-01-23T13:17:55","modified_gmt":"2026-01-23T13:17:55","slug":"fischer-johannes","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/fischer-johannes\/","title":{"rendered":"Fischer, Johannes"},"content":{"rendered":"<p>Johannes Fischer geh\u00f6rt zu den wenigen in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts in \u00d6sterreich ans\u00e4ssigen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern der Sammlung. \u00dcber sein Leben ist heute nur wenig bekannt. Er begann ein Studium der Naturwissenschaften und Philosophie an der Universit\u00e4t Wien, brach es aber ab, um sich der Kunst zu widmen. Er besuchte die Wiener Malschule von David Kohn (1861\u20131922), der sich besonders f\u00fcr sozial benachteiligte Nachwuchsk\u00fcnstler:innen einsetzte, und entwickelte weitere k\u00fcnstlerische F\u00e4higkeiten autodidaktisch.<\/p>\n<p>1914 stellte Fischer erstmals im Kunstsalon Pisko aus und feierte damit sein erfolgreiches Deb\u00fct in der Kunstszene Wiens. In dieser Zeit freundete er sich mit dem Expressionisten Egon Schiele (1890\u20131918) an, von dem er ab 1915 auch Portr\u00e4tfotografien anfertigte. Auf seinen Studienreisen in den 1910er Jahren kam Fischer in der Schweiz mit dem beliebten, aber umstrittenen alkoholischen Getr\u00e4nk Absinth in Ber\u00fchrung. Einige Jahre sp\u00e4ter setzte er sich in seinem Werk Absinthtrinker von 1923 mit den Schattenseiten des Alkoholkonsums auseinander; im selben Jahr wurde in \u00d6sterreich ein Absinthverbot erlassen.<\/p>\n<p>Ebenfalls 1923 war Fischer erstmals als Gast auf Ausstellungen des Hagenbunds vertreten, von 1924 bis 1925 war er ordentliches Mitglied. Der Hagenbund, in dem auch ein anderer K\u00fcnstler der Sammlung, Theodor Kern, aktiv war, entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einer der bedeutendsten avantgardistischen Kunstorganisationen \u00d6sterreichs. Nach dem \u201eAnschluss\u201c 1938 wurde die Kunst der Mitglieder jedoch von den Nationalsozialisten als \u201eentartet\u201c und \u201everjudet\u201c diffamiert und die Vereinigung aufgel\u00f6st. Zu diesem Zeitpunkt war Fischer seit einem Jahr Mitglied der Wiener Secession. 1937 erreichte er den H\u00f6hepunkt seiner Karriere, als er mit dem \u00d6sterreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde. Doch zeitgleich wurden in Deutschland drei seiner Werke aus Museen beschlagnahmt und zerst\u00f6rt. Ob der Absinthtrinker ebenfalls beschlagnahmt wurde, ist nicht bekannt, doch das Motiv d\u00fcrfte aufgrund seiner sozialkritischen Botschaft sicher als Bedrohung f\u00fcr die gesellschaftliche Ordnung gesehen worden und damit auf Ablehnung der Nationalsozialist:innen gesto\u00dfen sein.<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend der Zeit des Austrofaschismus wurde moderne Kunst auch in \u00d6sterreich zunehmend eingeschr\u00e4nkt. Doch mit dem \u201eAnschluss\u201c an das \u201eDritte Reich\u201c 1938 versch\u00e4rfte sich die Lage weiter, da nun die nationalsozialistische Kulturpolitik g\u00e4nzlich \u00fcbernommen wurde: K\u00fcnstler:innenvereinigungen wurden gleichgeschaltet und der \u00f6ffentliche Kunstbetrieb unter staatliche Kontrolle gestellt. So wurde Fischer 1939 mit anderen Mitgliedern der Secession in das konservative Wiener K\u00fcnstlerhaus eingegliedert, eine Vereinigung, die st\u00e4rker mit der NS-Kunstpolitik konform ging und zunehmend f\u00fcr Propagandazwecke genutzt wurde. Dass Fischer trotz seiner als \u201eentartet\u201c geltenden Werke dort aufgenommen wurde, zeigt die Widerspr\u00fcchlichkeit des neuen Regimes. Von 1941 bis 1945 arbeitete er als Aushilfsaufseher im Kunsthistorischen Museum in Wien und bei der Feuerschutzpolizei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Fischer unter finanziell schwierigen Umst\u00e4nden und konnte nur noch eingeschr\u00e4nkt k\u00fcnstlerisch t\u00e4tig sein. Sein weiteres Leben und Werk blieben weitgehend im Dunkeln.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\">hier\u00a0<\/a><\/span>erh\u00e4ltlich.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Fischer, Johannes - Museum der verlorenen Generation","description":"Johannes Fischer geh\u00f6rt zu den wenigen in der ersten H\u00e4lfte des 20. 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