{"id":1091,"date":"2025-11-13T09:24:27","date_gmt":"2025-11-13T09:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/haefner-mode-ilse\/"},"modified":"2026-01-23T14:10:41","modified_gmt":"2026-01-23T14:10:41","slug":"haefner-mode-ilse","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/haefner-mode-ilse\/","title":{"rendered":"H\u00e4fner - Mode, Ilse"},"content":{"rendered":"<p>Als eine von wenigen \u00fcberlebenden j\u00fcdischen K\u00fcnstlerinnen dokumentierte Ilse H\u00e4fner-Mode das Alltagsleben im Arbeitslager. Die \u201eerlebten Bitternisse\u201c verarbeitete sie durch ihr k\u00fcnstlerisches Schaffen nach dem Krieg. Als Meistersch\u00fclerin von Erich Wolfsfeld (1884\u20131956), Professor f\u00fcr Malerei und Radierkunst an der Hochschule f\u00fcr bildende Kunst in Berlin-Charlottenburg, lernte sie dort ihren sp\u00e4teren Ehemann Herbert H\u00e4fner kennen. Das Paar heiratete 1928 im Standesamt Berlin-Wilmersdorf und entschied sich daf\u00fcr, Berlin zu seiner neuen Heimat zu machen. Kurz darauf wurde ihr gemeinsamer Sohn Thomas geboren, der sp\u00e4ter ebenfalls K\u00fcnstler wurde. Selbstbewusst signierte die Malerin ihre Werke auch nach ihrer Eheschlie\u00dfung mit \u201eIlse Mode\u201c.<\/p>\n<p>Ilse H\u00e4fner-Mode machte sich bereits w\u00e4hrend ihrer Akademiezeit durch Ausstellungen in Berliner Kunstkreisen einen Namen: Ab 1929, als Mitglied des Vereins der Berliner K\u00fcnstlerinnen, nahm sie regelm\u00e4\u00dfig an dessen Ausstellungen teil, bis sie schlie\u00dflich aus den Reihen der K\u00fcnstlerinnen ausgeschlossen wurde und die M\u00f6glichkeit auszustellen verlor. Aufgrund ihrer j\u00fcdischen Herkunft konnte H\u00e4fner-Mode nach der \u201eMachtergreifung\u201c 1933 nur privat ihrer k\u00fcnstlerischen Arbeit nachgehen. Als Ehepartner einer J\u00fcdin wurde auch ihr Mann 1937 vom Pr\u00e4sidenten der Reichskammer der bildenden K\u00fcnste aus s\u00e4mtlichen Berufsorganisationen ausgeschlossen. Als der Sohn im Schulunterricht Opfer antisemitischer Beleidigungen wurde, entschieden sich die Eltern dazu, den Neunj\u00e4hrigen nach Britisch-Ceylon (heute Sri Lanka) zu Freunden der Familie zu schicken.<\/p>\n<p>Das Versprechen, ihm nachzufolgen, konnte H\u00e4fner-Mode nicht einhalten, da die Ausreisedokumente so kurz vor Beginn des Krieges eintrafen, dass die Grenzen schon geschlossen waren. Die letzten Kriegsjahre verbrachte sie unauff\u00e4llig in einer kleinen Wohnung mit Garten, die ihrem Schwager im Dorf Leopoldsh\u00f6he bei Detmold geh\u00f6rte. Dort konnte sie sich nur im Schutz der Dunkelheit Lebensmittel von einem nahegelegenen Bauernhof besorgen und malte ausschlie\u00dflich hinter verschlossenen T\u00fcren. Ihr Mann wurde als \u201ej\u00fcdisch Versippter\u201c aus der Wehrmacht entlassen und baute sich bei seiner Mutter in B\u00f6singfeld eine kleine T\u00f6pferei auf.<\/p>\n<p>Am 19. September 1944 wurde H\u00e4fner-Mode von der Gestapo verhaftet und in das Lager Elben deportiert. In einer ehemaligen Ziegelei nahe Kassel internieren die Nationalsozialist:innen Frauen f\u00fcr die Zwangsarbeit im Stollen. Der Alltag war nun bestimmt von k\u00f6rperlicher Ausbeutung im Wechsel mit k\u00fcnstlerischer Arbeit. H\u00e4fner-Mode fiel den Aufsehern durch ihre Zeichnungen im Sand auf und erhielt die Erlaubnis zu malen. So entstanden schlichte Tintenzeichnungen, die vom Lagerleben erz\u00e4hlten. W\u00e4hrend ihrer achtmonatigen Internierung erlebte H\u00e4fner-Mode die Willk\u00fcr und Korruption der Lagerleitung. So wurde Essen bewusst vorenthalten oder bestechliche Wachleute entschieden dar\u00fcber, ob Insassen Besuch erhalten durften.<\/p>\n<p>Im April 1945, kurz nach der Befreiung des Lagers durch US-amerikanische Truppen, kam es zu der ungew\u00f6hnlichen Hochzeit der Ex-Inhaftierten Erna Elges und Walter Grimmers, eines ehemaligen Lageraufsehers. Hiervon wurde H\u00e4fner-Mode Zeugin, und auch sie selbst war w\u00e4hrend ihrer Haft eine Beziehung mit einem franz\u00f6sischen Wachmann eingegangen. Nach der Befreiung wurde sie von Freunden in der Schweiz aufgenommen und lie\u00df sich einvernehmlich von ihrem Mann scheiden.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\">hier\u00a0<\/a><\/span>erh\u00e4ltlich.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"H\u00e4fner - Mode, Ilse - Museum der verlorenen Generation","description":"Als eine von wenigen \u00fcberlebenden j\u00fcdischen K\u00fcnstlerinnen dokumentierte Ilse H\u00e4fner-Mode das Alltagsleben im Arbeitslager. 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