{"id":1098,"date":"2025-11-13T09:24:27","date_gmt":"2025-11-13T09:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/hartogh-rudolf-franz\/"},"modified":"2026-01-23T14:26:27","modified_gmt":"2026-01-23T14:26:27","slug":"hartogh-rudolf-franz","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/hartogh-rudolf-franz\/","title":{"rendered":"Hartogh, Rudolf Franz"},"content":{"rendered":"<p>Rudolf Franz Hartogh z\u00e4hlt zu den wenigen Kunstschaffenden der Sammlung, die die Deportation in ein Konzentrationslager \u00fcberlebt haben. Als j\u00fcngstes von drei Geschwistern wurde er in eine wohlhabende evangelische, aus Amsterdam stammende Familie geboren. Im Kindesalter erkrankte er an Meningitis und verlor mit sechs Jahren das Geh\u00f6r. Durch seine au\u00dferordentliche Lernf\u00e4higkeit eignete er sich das Lippenlesen an. Nach dem Schulabschluss erhielt er f\u00fcr eineinhalb Jahre privaten Zeichenunterricht bei Hermann Bruck (1873\u20131951) in Hamburg. Ab 1906 bildete er sich an der renommierten Berliner Lewin Funcke-Schule in Malerei und Plastik weiter. Dort wurde er dank der F\u00fcrsprache von Max Liebermann (1847\u20131935) f\u00fcr fast vier Jahre Sch\u00fcler von Lovis Corinth (1858\u20131925).<\/p>\n<p>Im Oktober 1910 wechselte Hartogh an die Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste in Weimar. Im darauffolgenden Sommer kam er zum ersten Mal nach Fischerhude, einem kleinen Dorf nahe Worpswede, dem Ort der ber\u00fchmten, Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen K\u00fcnstlerkolonie. Dort im Teufelsmoor bei Bremen lie\u00dfen sich K\u00fcnstler:innen durch die einzigartige Landschaft mit besonderem Licht und melancholischer Atmosph\u00e4re inspirieren. Ab 1919 studierte er zun\u00e4chst Malerei am Bauhaus in Weimar, bevor er dort 1923 eine Schreinerlehre begann. Nachdem er sich 1930 als freischaffender K\u00fcnstler in Bremen niedergelassen hatte, heiratete er die Journalistin Eva Pfitzner (1893\u20131974). Gemeinsam kehrten sie bis Kriegsbeginn fast jeden Sommer nach Fischerhude zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der weitere Lebensweg des K\u00fcnstlers ist weniger gut \u00fcberliefert: Im Jahr 1937 kam Hartogh in eine ausweglose Situation, denn er konnte keine vollst\u00e4ndige \u201earische Abstammung\u201c nachweisen. Als sich ein holl\u00e4ndischer Neffe bei der SS bewarb, wurde entdeckt, dass die Gro\u00dfeltern Hartoghs j\u00fcdischer Herkunft waren. Ihm wurde nahegelegt, den Bremer K\u00fcnstlerbund zu verlassen. Der Austritt bedeutete, dass er keinen Zugang zu Malutensilien hatte und Ausstellungs- und Verkaufsm\u00f6glichkeiten verlor. Trotzdem erhielt er durch die Bremer Gestapo weiterhin kleinere unentgeltliche Auftr\u00e4ge, etwa zur Gestaltung von Gl\u00fcckwunsch- oder Einladungskarten.<\/p>\n<p>Der geh\u00f6rlose K\u00fcnstler wurde im April 1943 vom \u201eSippenamt\u201c als j\u00fcdisch deklariert. 1944 wurde er verhaftet und in das KZ-Arbeits- und Au\u00dfenlager Farge bei Bremen gebracht. Nachdem er dort zeitweise schwere Zements\u00e4cke tragen musste, erkrankte er an Rheuma. Schwerkrank wurde er schlie\u00dflich nach Theresienstadt deportiert, wo er in der \u201eGhetto-Bibliothek\u201c besch\u00e4ftigt war und diese sp\u00e4ter leitete. Da sich Eva einer Scheidung widersetzte, wurde sie als Zwangsarbeiterin ebenfalls dort interniert. Als zwei Jahre sp\u00e4ter die US-Amerikaner das Lager befreiten, befand sich der K\u00fcnstler gemeinsam mit seiner Ehefrau unter den Geretteten.<\/p>\n<p>Die gesundheitlichen Sch\u00e4den waren bis in die sp\u00e4te Nachkriegszeit sp\u00fcrbar, dennoch nahm er seine k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit wieder auf. Das Paar bereiste England, Frankreich, die Niederlande und weitere L\u00e4nder, bevor es sich schlie\u00dflich in Fischerhude niederlie\u00df \u2013 einem Ort, den Hartogh noch immer mit tiefem Gl\u00fcck verband.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\">hier\u00a0<\/a><\/span>erh\u00e4ltlich.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Hartogh, Rudolf Franz - Museum der verlorenen Generation","description":"Rudolf Franz Hartogh z\u00e4hlt zu den wenigen Kunstschaffenden der Sammlung, die die Deportation in ein Konzentrationslager \u00fcberlebt haben. 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