{"id":1107,"date":"2025-11-13T09:28:16","date_gmt":"2025-11-13T09:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/heinisch-rudolf-wilhelm\/"},"modified":"2026-01-23T14:34:29","modified_gmt":"2026-01-23T14:34:29","slug":"heinisch-rudolf-wilhelm","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/heinisch-rudolf-wilhelm\/","title":{"rendered":"Heinisch, Rudolf Wilhelm"},"content":{"rendered":"<p>Rudolf Wilhelm Heinisch wurde in Leipzig geboren; 1902 zog seine Familie nach Frankfurt am Main um. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Lithografen bei der Druckerei Kornsand &amp; Co. Mithilfe eines Stipendiums der Stadt studierte er von 1913 bis 1916 an der Kunstgewerbeschule Frankfurt bei Franz Karl Delavilla (1884\u20131967).<\/p>\n<p>Im Ersten Weltkrieg wurde Heinisch an der franz\u00f6sischen Front schwer verwundet \u2013 eine Verletzung der linken Hand f\u00fchrte zu seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst. Die Schrecken des Krieges waren Thema seiner expressionistischen Druckgrafiken. Ab 1919 arbeitete er als freischaffender Maler, Grafiker und B\u00fchnenbildner und bezog nach mehreren Studienreisen ein Atelier im Karmeliterkloster Frankfurt. Das nicht mehr kirchlich genutzte Anwesen war insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg ein kreatives Zentrum f\u00fcr Frankfurter K\u00fcnstler. Bis 1934 war Heinisch Mitglied im Frankfurter K\u00fcnstlerbund und erhielt positive Rezensionen f\u00fcr seine Ausstellungen.<\/p>\n<p>1921 lernte er den Komponisten Paul Hindemith (1895\u20131963) kennen, und es entstand eine enge Freundschaft. Heinisch war 1924 Hindemiths Trauzeuge; dieser wiederum stand 1934 bei Heinischs Hochzeit mit Erika Ditt (1910\u20132005) an seiner Seite. In den folgenden Jahren malte Heinisch mehrere Bildnisse des Freundes, darunter 1952 das abgebildete Portr\u00e4t von Paul Hindemith (1895\u20131963) mit Bratsche I. Aufgrund knapper Mittel nutzte er daf\u00fcr eine Holzfaserplatte statt Leinwand. Eine weitere Version des Gem\u00e4ldes befindet sich heute in einem Vortragssaal des Musikverlags Schott Music in Mainz.<\/p>\n<p>Mit der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialist:innen wurde Heinischs k\u00fcnstlerische Karriere abrupt unterbrochen. Nach Kriegsende schrieb er in einem Brief an die amerikanische Milit\u00e4rregierung: \u201eIch [\u2026] bevorzugte bei meinen Bildern haupts\u00e4chlich proletarische und soziale Themen und kam dadurch auf die schwarze Liste der NSDAP.\u201c Seine Werke wurden in der Wanderausstellung \u201eEntartete Kunst\u201c in der Sektion \u201eK\u00fcnstlerisch gut, jedoch verdorbene Gesinnung, verjudet\u201c gezeigt. Auch sein fr\u00fcheres Portr\u00e4t von Paul Hindemith aus dem Jahr 1931 wurde aus dem St\u00e4delmuseum entfernt, in der Femeausstellung gezeigt und danach vernichtet. Auch Hindemith geriet ins Visier der NS-Zensur: Ab 1934 wurden seine Kompositionen in Deutschland verboten. Als sein Name 1938 in der Ausstellung \u201eEntartete Musik\u201c auftauchte, emigrierte er mit seiner j\u00fcdischen Frau zun\u00e4chst in die Schweiz und sp\u00e4ter in die USA.<\/p>\n<p>F\u00fcr Heinisch wurde die Lage zunehmend prek\u00e4r. Ohne k\u00fcnstlerische Perspektive zog er nach Berlin, wo er dank der Unterst\u00fctzung von Karl Friedrich Brust als Pressezeichner beim Ullstein Verlag arbeiten konnte. In einer Zeit, in der das Regime den Einfluss der Kirche zunehmend schm\u00e4lern wollte, trat Heinisch der katholischen Kirche bei und setzte damit, wie viele Intellektuelle und K\u00fcnstler, ein Zeichen moralischer Opposition. Er schloss sich dem Kreis um den Widerstandsk\u00e4mpfer Theodor Haubach (1896\u20131945) an, der sp\u00e4ter von den Nationalsozialist:innen hingerichtet wurde.<\/p>\n<p>Heinischs Sohn Philipp (*1945) arbeitete sp\u00e4ter als Strafverteidiger, schlug dann aber selbst eine Laufbahn als K\u00fcnstler ein und \u00fcberlie\u00df dem Museum mehrere Kunstwerke seines Vaters als Schenkungen.<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/produkt\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\">hier\u00a0<\/a><\/span>erh\u00e4ltlich.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Heinisch, Rudolf Wilhelm - Museum der verlorenen Generation","description":"Rudolf Wilhelm Heinisch wurde in Leipzig geboren; 1902 zog seine Familie nach Frankfurt am Main um. 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