{"id":1131,"date":"2025-11-13T09:32:48","date_gmt":"2025-11-13T09:32:48","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/kirszenbaum-jechezkiel-david\/"},"modified":"2026-01-23T15:42:58","modified_gmt":"2026-01-23T15:42:58","slug":"kirszenbaum-jechezkiel-david","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/kirszenbaum-jechezkiel-david\/","title":{"rendered":"Kirszenbaum, Jechezkiel David"},"content":{"rendered":"<p>Das im franz\u00f6sischen Arbeitslager entstandene Gem\u00e4lde Die Internierten von St.-Sauveur im Schnee sowie die Briefe an seine Frau aus der Haft gew\u00e4hrten einen eindrucksvollen Blick in das Leben des polnischen K\u00fcnstlers Jechezkiel David Kirszenbaum und seine Erfahrungen zwischen Verfolgung und Lagerhaft. Als Sohn des Rabbiners im Ort Stasz\u00f3w wuchs er im dortigen \u201eSchtetl\u201c auf. Das Judentum pr\u00e4gte seine k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und seinen Erlebnissen w\u00e4hrend des Holocausts; von Kindheit an hielt er das Leben der j\u00fcdischen Menschen in der Diaspora in Bildern und Zeichnungen fest.<\/p>\n<p>Schon in der Zeit des Ersten Weltkrieges machte er einschneidende Erfahrungen, als er am Jom-Kippur-Tag 1914 Zeuge eines Pogroms in seiner Heimatstadt wurde. Nach der Unabh\u00e4ngigkeit Polens 1918 drohte ihm bei Ausbruch des Polnisch-Sowjetischen Krieges im Folgejahr die Einberufung zur polnischen Armee. Die Eltern verkauften ihren Besitz, um ihm die Flucht nach Deutschland zu finanzieren. Wie rund eine halbe Million Polen fand auch Kirszenbaum im Ruhrgebiet Arbeit im Bergbau. Im Jahr 1923 konnte er seine k\u00fcnstlerische Ausbildung am Bauhaus in Weimar beginnen. Zwei Jahre sp\u00e4ter zog er als freier K\u00fcnstler und Karikaturist nach Berlin und signierte seine Werke mit dem Pseudonym \u201eDuwdiwani\u201c (hebr\u00e4isch f\u00fcr \u201eKirschbaum\u201c). Seine Arbeiten spiegelten ein breites Spektrum von aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen der Weimarer Republik wider und reichten von allgemeiner Gesellschaftskritik bis hin zur Satire auf rechtskonservative und die NSDAP. 1930 heiratete er die J\u00fcdin Helma Helene Joachim (1904\u20131944).<\/p>\n<p>Als Mitglied der kommunistischen ASSO (Assoziation revolution\u00e4rer bildender K\u00fcnstler) sah er sich 1933 gezwungen, Deutschland zu verlassen. Da es nicht gelang, Ausreisepapiere nach Amsterdam zu organisieren, emigrierte das Paar nach Paris. Dort erfuhren sie noch ein St\u00fcck k\u00fcnstlerische Freiheit; so konnte Kirszenbaum 1935 eine Einzelausstellung best\u00fccken. In Deutschland wurden hingegen seine Werke zwei Jahre darauf als \u201eentartet\u201c beschlagnahmt und zerst\u00f6rt, darunter eine Druckgrafik mit dem Titel Betende Juden aus dem St\u00e4dtischen Kunst- und Gewerbemuseum in Dortmund.<\/p>\n<p>Noch vor der offiziellen Etablierung des Vichy-Regimes in Frankreich, unter dem wie in Deutschland j\u00fcdische Personen verfolgt wurden, wurde das Paar verhaftet und getrennt voneinander deportiert. Kirszenbaum kam zun\u00e4chst nach Meslay-du-Maine, wo die H\u00e4ftlinge kn\u00f6cheltief im Schlamm standen, w\u00e4hrend sie ihr eigenes provisorisches Lager errichteten. Wom\u00f6glich nach der Lagerauf\u00f6sung wurde er im Fr\u00fchjahr 1940 weiter in das Arbeitslager Camp St.-Sauveur bei Bellac gebracht. Von dort sandte er Postkarten an seine Frau, die er im Camp de Gurs in S\u00fcdfrankreich vermutete. W\u00e4hrend seiner Inhaftierung entstand 1941 die abgebildete winterliche Sicht auf Lagerh\u00e4ftlinge mit dem Titel Die Internierten von St.-Sauveur im Schnee.<\/p>\n<p>Ein Jahr darauf gelang Kirszenbaum die Flucht aus dem Lager, und er konnte sich bis Kriegsende versteckt halten. Seine Frau sah er nicht wieder: Nach kurzzeitiger Entlassung wurde sie 1943 von den \u201eBefehlshabern der Sicherheitspolizei\u201c verhaftet und \u00fcber das Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert, wo sie 1944 ermordet wurde.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Kirszenbaum, Jechezkiel David - Museum der verlorenen Generation","description":"Das im franz\u00f6sischen Arbeitslager entstandene Gem\u00e4lde Die Internierten von St.-Sauveur im Schnee sowie die Briefe an seine Frau aus der Haft gew\u00e4hrten einen ein"}},"categories":[96],"class_list":["post-1131","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/1131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}