{"id":1157,"date":"2025-11-13T09:36:16","date_gmt":"2025-11-13T09:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/lohse-carl\/"},"modified":"2026-01-14T15:16:16","modified_gmt":"2026-01-14T15:16:16","slug":"lohse-carl","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/lohse-carl\/","title":{"rendered":"Lohse, Carl"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im Alter von 14 Jahren wurde Carl Lohses k\u00fcnstlerisches Talent bemerkt, als der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852\u20131914), auf ihn aufmerksam wurde und ihn f\u00f6rderte. Nach dem Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule Hamburg studierte er bis 1912 an der Malerschule von Arthur Siebelist (1870\u20131945) und anschlie\u00dfend ein Jahr an der Gro\u00dfherzoglich S\u00e4chsischen Hochschule f\u00fcr bildende Kunst in Weimar. Dort lernte er Otto Pankok (1893\u20131966) kennen, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. Gemeinsam arbeiteten sie 1913 und 1914 in D\u00f6tlingen im Landkreis Oldenburg und unternahmen eine Studienreise nach Holland. Hier entstanden erste Selbstportr\u00e4ts. Von wann genau das Selbstportr\u00e4t aus der Sammlung B\u00f6hme stammt, ist unklar, allerdings zieht sich das Motiv wie ein roter Faden durch das Werk des K\u00fcnstlers und findet sich in allen Schaffensphasen wieder. 1915 wurde Lohse zum Kriegsdienst an der franz\u00f6sischen Front eingezogen. Er \u00fcberlebte als Einziger seiner Kompanie und geriet in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1919 zur\u00fcckkehrte. \u00dcber einen befreundeten Fabrikanten gelangte Lohse nach Bischofswerda bei Dresden, wo er als Gast der Familie Scheumann eine seiner fruchtbarsten Schaffensphasen erlebte. Zwischen 1919 und 1921 entstanden dort zahlreiche Werke, die auf die politischen Umw\u00e4lzungen jener Zeit reagierten. Obwohl er in Kontakt mit der Dresdner Sezession stand und sich 1920 an einer Ausstellung in der Galerie Arnold beteiligte, wurde er selbst nicht Mitglied und schloss sich auch sonst keiner K\u00fcnstler:innengruppe an. Im selben Jahr zeigte die Galerie Emil Richter seine erste Einzelausstellung. Zwar waren die Kritiken enthusiastisch, der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus, keines der Bilder wurde verkauft.<\/p>\n<p>Von Existenz\u00e4ngsten geplagt, kehrte Lohse nach Hamburg zur\u00fcck und stellte das Malen fast vollst\u00e4ndig ein. In dieser schwierigen Zeit verlie\u00df er die evangelische Kirche und trat stattdessen den Zeugen Jehovas bei. Er finanzierte sich mit Gelegenheitsjobs und begann erst Ende der 1920er-Jahre wieder zu malen, als er gemeinsam mit seiner Frau nach Bischofswerda zu den Schwiegereltern zog. Um 1930 nahm er vereinzelt an Ausstellungen teil, wie etwa 1931 in der Galerie Kunstausstellung K\u00fchl in Dresden. Mit der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten wendete sich das Blatt erneut gegen ihn. Als Zeuge Jehovas war er der Verfolgung ausgesetzt und musste gleich 1933 eine Hausdurchsuchung \u00fcber sich ergehen lassen; B\u00fccher wurden beschlagnahmt und er stand unter polizeilicher Beobachtung. Um dieser zu entgehen, reiste er bis 1937 h\u00e4ufiger an die Ostsee oder besuchte seine Mutter in Hamburg. 1939 lehnte er die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer ab \u2013 erneut folgte ein k\u00fcnstlerischer R\u00fcckzug. 1943 wurden all seine fr\u00fchen Werke bei Bombardierungen Hamburgs zerst\u00f6rt. Kurz vor Kriegsende wurde er zum Volkssturm eingezogen, kehrte aber nach wenigen Wochen zur\u00fcck. Erst Jahre sp\u00e4ter versuchte Lohse erneut, als K\u00fcnstler Fu\u00df zu fassen, scheiterte jedoch. Im Zuge der \u201eFormalismusdebatte\u201c wurde in der DDR subjektive und abstrakte Kunst verunglimpft, gew\u00fcnscht war der Sozialistische Realismus. Lohse hatte wegen seines Malstils mit Anfeindungen zu k\u00e4mpfen und musste Durchsuchungen erdulden. Er litt au\u00dferdem darunter, lange Zeit nicht in seine Geburtsstadt in Westdeutschland reisen zu d\u00fcrfen. Erst nach seinem Tod wurde sein eigenst\u00e4ndiger k\u00fcnstlerischer Weg sowohl in der DDR als auch in der BRD \u00f6ffentlich gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>LITERATURAUSWAHL:<\/p>\n<p>-Carl Lohse. Seelenbilder. Portr\u00e4ts und Landschaften 1910\u20131940, hg. von Ulrike Kremeier (Ausst.-Kat. Brandenburgisches Landesmuseum f\u00fcr moderne Kunst Cottbus), Cottbus 2022<\/p>\n<p>-Diether Schmidt: Die Dresdner K\u00fcnstlerszene 1913\u20131933 (Ausst.-Kat. Galerie Remmert und Barth D\u00fcsseldorf), D\u00fcsseldorf 1987<\/p>\n<p>-Carl Lohse, hg. von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden 1980<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Lohse, Carl - Museum der verlorenen Generation","description":"Bereits im Alter von 14 Jahren wurde Carl Lohses k\u00fcnstlerisches Talent bemerkt, als der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852\u20131914), auf ihn"}},"categories":[96],"class_list":["post-1157","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/1157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}