{"id":1163,"date":"2025-11-13T09:36:16","date_gmt":"2025-11-13T09:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/maillet-leo\/"},"modified":"2026-01-15T13:18:05","modified_gmt":"2026-01-15T13:18:05","slug":"maillet-leo","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/maillet-leo\/","title":{"rendered":"Maillet, Leo"},"content":{"rendered":"<p>Leo Maillet, geboren als Leopold Mayer in Frankfurt am Main, begann seine Karriere in der Mode und Kunst und erlebte im Laufe seines Lebens extreme Herausforderungen. Er wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren. Ab 1918 begann er eine Ausbildung als Bankkaufmann und arbeitete im v\u00e4terlichen Hutmodengesch\u00e4ft f\u00fcr Damen. In den fr\u00fchen 1920er Jahren arbeitete er f\u00fcr eine Modefirma und besuchte die Frankfurter Kunstschule, bekannt als St\u00e4delschule, um Modezeichner zu werden. Ab 1925 wurde er in die Grafikklasse bei Franz Karl Delavilla aufgenommen und erlernte moderne Druckgrafiktechniken bei Meister Verchau.<\/p>\n<p>Im Jahr 1930 trat Maillet in die Meisterklasse von Max Beckmann ein und erhielt ein eigenes Atelier im St\u00e4delinstitut. Er feierte seinen ersten gro\u00dfen Erfolg, als sein \u00d6lgem\u00e4lde \u201eUferstra\u00dfe am Main\u201c 1931 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt gewann. Leider wurde dasselbe Bild sp\u00e4ter in der Aktion \u201eEntartete Kunst\u201c beschlagnahmt und zerst\u00f6rt. Der Tod seines Vaters 1932 f\u00fchrte zu einem Abbruch seines Studiums.<\/p>\n<p>Im Mai 1933, nur wenige Monate nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialist:innen, wurden seine Werke bei der B\u00fccherverbrennung auf dem R\u00f6merberg zerst\u00f6rt. Er entschloss sich, Deutschland zu verlassen. Begleitet von seiner Verlobten Margarete H\u00f6\u00df reiste er nach Luxemburg, Belgien, die Niederlande und Frankreich, erhielt jedoch in keinem dieser L\u00e4nder eine Arbeitserlaubnis. 1935 kehrte er zwischenzeitlich nach Deutschland zur\u00fcck, um seine Familie zur Emigration zu bewegen, doch diese war nicht \u00fcberzeugt und blieb. Tragischerweise wurde Maillets Mutter 1941 nach Riga deportiert.<\/p>\n<p>1935 emigrierte er endg\u00fcltig, wurde jedoch von Luxemburg ausgewiesen und ging nach Paris. Dort arbeitete er als Drucker und Radierer in der Werkstatt von Roger Lacouri\u00e8re. 1936 erhielt Maillet im Deutschen Reich ein Berufsverbot durch die Reichskulturkammer und verlor seine deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft. 1938 heiratete er Margarete. Zu Beginn des Krieges 1939 meldete er sich freiwillig f\u00fcr die Arbeitskompanie in St-Nazaire, um der Internierung in Paris zu entgehen. 1940 wurde Margarete in das Lager Gurs gebracht, aus dem sie jedoch Maillet befreien konnte.<\/p>\n<p>Auf der Flucht durchquerten beide ein halbes Jahr S\u00fcdfrankreich und lie\u00dfen sich schlie\u00dflich in St. R\u00e9my nieder. Im Herbst 1942 wurde ihre sichere Zuflucht beendet, und Maillet wurde nach Aix-en-Provence in das Internierungslager Les Milles transportiert, das zwei Wochen sp\u00e4ter aufgel\u00f6st wurde. Bei der Deportation in Richtung Auschwitz hatte Maillet das Gl\u00fcck, dass er als Kleinster der Gruppe zuletzt in den Zug einstieg. W\u00e4hrend einer Nacht \u00f6ffnete sich beim Schlie\u00dfen der T\u00fcren eine versteckte Luke in der Decke des Zuges. Maillet sprang auf die Schienen und verlor beim Aufprall seine oberen Z\u00e4hne sowie seine Sehkraft auf dem linken Auge.<\/p>\n<p>\u00dcber mehrere Stationen, stets auf der Flucht vor der Polizei, gelangte er in die Cevennen, wo er f\u00fcr ein Jahr als Hirte arbeitete. Er und seine Frau, die sich unverhofft wiederfanden, erhielten durch die franz\u00f6sische Widerstandsgruppe \u201eCIMADE\u201c einen franz\u00f6sischen Pass auf den Namen \u201eL\u00e9o Maillet\u201c. 1944 gelang ihm mithilfe der Widerstandsgruppe die Flucht in die Schweiz nach Montreux, wo er in einem Auffanglager lebte.<\/p>\n<p>Nach 1945 erhielten Maillet und seine Frau ein Stipendium der j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingshilfe und bildeten sich an der Baseler Gewerbeschule weiter. Es begann ein neues Leben in der Schweiz, jedoch wurde die Ehe mit Margarete H\u00f6\u00df in Basel geschieden. 1950 war Maillet gemeinsam mit Adolf H\u00fcrlimann Herausgeber der Kunstzeitschrift \u201emati\u00e8re\u201c in Z\u00fcrich. 1956 heiratete er seine zweite Frau Regina Lippl, mit der er die beiden S\u00f6hne Daniel 1956 und Nikolaus 1957 bekam. Ab 1964 lie\u00df er sich in Verscio im Tessin nieder und baute dort ein Haus mit Atelier. 1968 erhielt er das Schweizer B\u00fcrgerrecht.<\/p>\n<p>Leo Maillet schuf zahlreiche Selbstbildnisse, die in verschiedenen Stilen, Lebenslagen und Selbstbetrachtungen verwurzelt waren. Er zeichnete damit eine k\u00fcnstlerisch-biografische Chronik, in der er seine unterschiedlichen Lebenssituationen festhielt. Besonders zwischen 1940 und 1945 hielt Maillet in seinen Kunstwerken eindrucksvoll seine pers\u00f6nlichen Themen fest.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Maillet, Leo - Museum der verlorenen Generation","description":"Leo Maillet, geboren als Leopold Mayer in Frankfurt am Main, begann seine Karriere in der Mode und Kunst und erlebte im Laufe seines Lebens extreme Herausforder"}},"categories":[96],"class_list":["post-1163","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/1163","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}