{"id":1206,"date":"2025-11-13T09:50:25","date_gmt":"2025-11-13T09:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/schalek-malva\/"},"modified":"2026-10-02T14:24:40","modified_gmt":"2026-10-02T12:24:40","slug":"schalek-malva","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/schalek-malva\/","title":{"rendered":"Schalek, Malva"},"content":{"rendered":"<p>Die j\u00fcdische Malerin Malva Schalek (Malv\u00edna Schalkov\u00e1) wurde am 18. Februar 1882 in eine liberale Prager Familie hineingeboren. Neben ihrem Bruder Robert (1877\u20131957) und ihrer 1881 geborenen Schwester Julia Eckstein war sie das j\u00fcngste Kind der Familie. Ihr Vater war Gustav Schalek, ein Prager Buchh\u00e4ndler, und ihre Mutter Baldnina, geborene Simonov\u00e1, eine \u00e4u\u00dferst gebildete und mehrsprachige Frau. Schalek studierte an der Frauenakademie in M\u00fcnchen bei Moritz Heymann und Walter Thor. Bereits nach einem Jahr erhielt sie Privatunterricht in Wien. Um ihre k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeiten weiterzuentwickeln, lernte sie bei der Portr\u00e4tmalerin Marie Rosenthal-Hatschek. Der Journalist und Kritiker Max Milrath z\u00e4hlte Schalek 1919 an \u201evorderste Reihe mit den \u00f6sterreichischen Portr\u00e4tistinnen\u201c. Auch ihre Familie unterst\u00fctzte ihre k\u00fcnstlerischen Bestrebungen und war stolz auf ihre Arbeit. Besonders eng war sie mit ihrer Tante Emma Richter und ihrem Onkel Carl verbunden, bei denen sie zeitweise wohnte. Ein weiterer Onkel, der Bankier Joseph Simon, finanzierte ihr 1916 eine eigene Atelierwohnung in Wien. Eine enge Beziehung hatte Schalek dadurch auch zur Welt des Theaters, denn das Wohnatelier befand sich im Dachgescho\u00df des \u201eTheater an der Wien\u201c. \u00dcber das wohlhabende Klientel ihres Onkels erhielt Schalek zahlreiche Auftr\u00e4ge. Unter anderem portr\u00e4tierte sie die langj\u00e4hrige vermeintliche Geliebte Kaiser Franz Joseph I., die Hofschauspielerin Katharina Schratt. Nach dem \u201eAnschluss\u201c \u00d6sterreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 floh Schalek aus Wien. Ihre inzwischen verwitwete Tante Emma und deren Sohn Oswald begleiteten sie. Oswald war als Rechtsanwalt f\u00fcr die Sozialistische Partei \u00d6sterreichs (SP\u00d6) t\u00e4tig. Die Partei war bereits 1934 verboten worden, sodass er aufgrund seiner politischen T\u00e4tigkeit verfolgt und letztlich im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde. Schalek und ihre Tante flohen hingegen in die Tschechoslowakei und lie\u00dfen sich zun\u00e4chst in Leitmeritz (Litom\u011b\u0159ice) nieder. Dort lebte ihr Bruder Robert. 1939 wurde die K\u00fcnstlerin offiziell als \u201ereichsdeutsche\u201c Staatsangeh\u00f6rige j\u00fcdischen Glaubens registriert. Von der Deutsche Gesandtschaft in Prag registriert, erhielt sie vom zust\u00e4ndigen Landesamt eine Aufenthaltserlaubnis, die bis Mai 1940 g\u00fcltig war. In einem polizeilichen Untersuchungsbericht vom 26. Juli 1939 wurde sie als \u201epolitisch indifferent\u201c und mit einwandfreiem Leumund vermerkt. Zudem hielt der Bericht fest, dass sie von der finanziellen Unterst\u00fctzung ihres Bruders lebte und keiner Erwerbst\u00e4tigkeit nachging. Schalek gab an, nach England auswandern zu wollen. Am 9. August 1939, nur wenige Wochen vor Kriegsbeginn, wurde ihre polizeiliche Erfassungskarte mit dem Vermerk \u201eEvid. karta na GESTAPO\u201c (\u201eErfassungskarte f\u00fcr die Gestapo\u201c) versehen. Trotz ihrer einflussreichen famili\u00e4ren Beziehungen und der bestehenden Aufenthaltserlaubnis wurde Schalek in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort hielt sie den Alltag heimlich in Zeichnungen und Gem\u00e4lden fest. Ihre Kunstwerke hatte sie bei ihrer Flucht in ihrem Wiener Atelier zur\u00fccklassen m\u00fcssen. Sp\u00e4ter wurden sie von ihrer Haush\u00e4lterin Grete Kohn-Knoll verwahrt. Zahlreiche Werke gingen in der Folge jedoch verloren. Am 18. Mai 1944 wurde Schalek mit einem Transport von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich im September 1944 ermordet. Als m\u00f6glicher Grund f\u00fcr ihre Deportation wurde ihre Weigerung genannt, ein Portr\u00e4t eines mit den Nationalsozialisten kollaborierenden Arztes im sogenannten \u201eVorzeigelager\u201c Theresienstadt anzufertigen. 2019 wurde in der N\u00e4he ihres ehemaligen Ateliers ein Gemeindebau nach der K\u00fcnstlerin benannt. Zahlreiche ihrer Werke, darunter Zeichnungen aus dem Ghettoalltag, wurden nach dem Krieg dem Ghetto Fighters\u2019 House Museum in Israel \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten\u201c. Dieser ist <span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\">here<\/a> <\/span>erh\u00e4ltlich.<\/strong><\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Schalek, Malva - Museum der verlorenen Generation","description":"Die j\u00fcdische Malerin Malva Schalek (Malv\u00edna Schalkov\u00e1) wurde am 18. Februar 1882 in eine liberale Prager Familie hineingeboren. Neben ihrem Bruder Robert (1877\u2013"}},"categories":[96],"class_list":["post-1206","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/1206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}