{"id":987,"date":"2025-11-13T09:02:09","date_gmt":"2025-11-13T09:02:09","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/abramowicz-leon-2\/"},"modified":"2026-01-16T15:47:27","modified_gmt":"2026-01-16T15:47:27","slug":"abramowicz-leon-2","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/abramowicz-leon-2\/","title":{"rendered":"Abramowicz, Leon"},"content":{"rendered":"<p>Der K\u00fcnstler Leon (Leo) Abramowicz hat nur wenige seiner Werke signiert, eines davon fand den Weg in die Sammlung B\u00f6hme. \u201eIch bin kein Blumenmaler\u201c, sagte der K\u00fcnstler von sich selbst, hinterlie\u00df jedoch eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Bouquets wie in seinem Stillleben mit Rosen und \u00c4pfeln aus dem Jahr 1922. Abramowicz wurde in Czernowitz, das bis 1918 zu \u00d6sterreich-Ungarn geh\u00f6rte, in eine wohlhabende j\u00fcdische Familie geboren. Nach einer kurzen Ausbildungsphase in Wien zog es ihn nach M\u00fcnchen, wo er von 1912 bis 1914 an der renommierten K\u00f6niglich Bayerischen Akademie der Bildenden K\u00fcnste studierte. Die Zeit danach war gekennzeichnet von Reisen in die Schweiz und nach Frankreich, w\u00e4hrend derer er nach seinem pers\u00f6nlichen Stil suchte. Im Ersten Weltkrieg erging 1915 der Stellungsbefehl an Abramowicz. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zur\u00fcck, wo er von 1933 bis 1935 als Meistersch\u00fcler von Karl Sterrer (1885\u20131972) studierte und sich schnell einen Namen als Portr\u00e4tmaler in der kunstaffinen \u00f6sterreichischen Hauptstadt machte. Dank seiner Herkunft und seines Talents erreichte Abramowicz einen gewissen Wohlstand und Bekanntheitsgrad.<\/p>\n<p>Schlagartig ver\u00e4nderte sich das Leben des mittlerweile verheirateten K\u00fcnstlers, als \u00d6sterreich im M\u00e4rz 1938 an das faschistische Deutschland angliedert wurde. Wie lange j\u00fcdische Menschen in der Stadt verblieben, obwohl sich das Schicksal der deutschen Juden abzeichnete, ist kennzeichnend f\u00fcr die Unsicherheit und die tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen durch die gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen. Auch der K\u00fcnstler und seine Frau Marianne (geb. Prenosyl, 1907 \u2013 unbekannt) waren im Visier der Gestapo. Ihre Wohnung im Ersten Bezirk wurde am 24. Mai 1938 gepl\u00fcndert; dabei wurden nicht nur M\u00f6bel, Bilder aus der Kunstsammlung von Marianne sowie Leons Werke geraubt, sondern auch wichtige Dokumente und pers\u00f6nliche Unterlagen zerst\u00f6rt. Wenige Tage zuvor fl\u00fcchtete Abramowicz mit dem Ziel Paraguay in die Schweiz, w\u00e4hrend Marianne noch bis J\u00e4nner 1939 in der mittlerweile leeren Wohnung ausharren musste.<\/p>\n<p>Nach Kriegsausbruch 1939 bezogen die Eheleute eine kleine Dachkammer in Fontaine in Frankreich \u2013 ein d\u00fcrftiger Zufluchtsort, der als Fl\u00fcchtlingsunterkunft diente. Zwar konnten sie als \u201eOpfer des nationalsozialistischen \u00d6sterreich\u201c eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, doch blieben ihnen nur 48 Stunden Zeit, um eine Wohnung vorzuweisen. Mehr als eine karge Kammer lie\u00df sich in so kurzer Zeit nicht finden. Neben ihrer prek\u00e4ren Wohnsituation lebten sie in st\u00e4ndiger Angst vor Verrat und \u00dcbergriffen. Das Paar verkaufte Schmuck und Gem\u00e4lde und entschloss sich schlie\u00dflich erneut zur Flucht. \u00dcber Jahre waren sie auf der verzweifelten Suche nach Unterkunft, Nahrung und Kleidung, bis Marianne im Juli 1943 gefasst und in das Internierungslager Gurs an der spanisch-franz\u00f6sischen Grenze deportiert wurde. Leon hingegen wurde im August bei einer Razzia inhaftiert und nach Toulouse in ein offenes Feldlager gebracht. \u00dcber einen Kontakt zum j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingskomitee gelang beiden die Flucht. Sie \u00fcberlebten im Untergrund bis zur Befreiung Frankreichs durch die Alliierten.<\/p>\n<p>Ab 1950 lebte der K\u00fcnstler in Wien, zur\u00fcckgezogen und gepr\u00e4gt von den Erfahrungen der Flucht, Pl\u00fcnderung und des Antisemitismus. W\u00e4hrend \u00fcber Mariannes Leben in der Nachkriegszeit heute wenig bekannt ist, bleibt im Leben Leons das Malen zentral. Neben seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit schrieb er sich 1956\/57 als Gasth\u00f6rer an der Wiener Kunstakademie ein. So f\u00fchrte er zur\u00fcck in ein kreatives Umfeld und zur k\u00fcnstlerischen Weiterentwicklung.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Abramowicz, Leon - Museum der verlorenen Generation","description":"Der K\u00fcnstler Leon (Leo) Abramowicz hat nur wenige seiner Werke signiert, eines davon fand den Weg in die Sammlung B\u00f6hme. \u201eIch bin kein Blumenmaler\u201c, sagte der K"}},"categories":[96],"class_list":["post-987","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}