{"id":998,"date":"2025-11-13T09:02:09","date_gmt":"2025-11-13T09:02:09","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/bekker-vom-rath-hanna\/"},"modified":"2026-01-16T15:58:16","modified_gmt":"2026-01-16T15:58:16","slug":"bekker-vom-rath-hanna","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/bekker-vom-rath-hanna\/","title":{"rendered":"Bekker vom Rath, Hanna"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<em>Mein Ziel: \u00dcberbr\u00fcckung der durch das Dritte Reich entstandenen Kluft. Heranf\u00fchrung der Jugend an die Kunst der letzten vierzig Jahre und Einf\u00fchrung in das Schaffen der Gegenwart auf dem Gebiet der Malerei, Plastik, Graphik und Werkkunst.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Dies schrieb die K\u00fcnstlerin in die Einladungskarte zur Er\u00f6ffnung des Frankfurter Kunstkabinetts Hanna Bekker vom Rath im Jahr 1947. Diese Zeilen spiegeln ihr gesamtes Leben und ihre Gesinnung wider.<\/p>\n<p>Bereits in jungen Jahren erhielt Johanna (Hanna) Bekker vom Rath zwischen 1905 und 1911 Zeichen- und Malunterricht bei Marie Paquet-Steinhausen in deren Atelier am St\u00e4del in Frankfurt am Main. Ab 1913 war Bekker vom Rath Sch\u00fclerin von Ottilie W. Roederstein in Hofheim sowie von 1915 bis 1917 von Ida Kerkovius und Adolf H\u00f6lzel in Stuttgart. Im Jahr 1920 heiratete sie den Musikschriftsteller Paul Bekker. Aus dieser Ehe gingen die T\u00f6chter Barbara, Maximiliane und der Sohn Kilian hervor.<\/p>\n<p>Ab 1921 erwarb sie ein Haus in Hofheim am Taunus, das durch seinen Farbanstrich als das Blaue Haus bekannt wurde und sp\u00e4ter zu einem Refugium f\u00fcr verfolgte K\u00fcnstler:innen und Intellektuelle avancierte. Bekker vom Rath reiste regelm\u00e4\u00dfig nach Berlin und interessierte sich f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Avantgarde.<\/p>\n<p>Sie schloss unter anderem Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff sowie mit Alexej von Jawlensky und lernte Ludwig Meidner, Paul Klee und Oskar Kokoschka kennen. Ab 1926 zog Bekker vom Rath vor\u00fcbergehend nach Kassel, wo Paul Bekker Intendant des Staatstheaters wurde und sie selbst einen K\u00fcnstlerkreis bildete.<\/p>\n<p>1928 kehrte sie nach Hofheim zur\u00fcck und trennte sich von ihrem Mann. Sie baute ein Atelier an ihr Hofheimer Haus an, das in den 1930er-Jahren f\u00fcr viele verfolgte K\u00fcnstler:innen zur vor\u00fcbergehenden Arbeitsst\u00e4tte wurde. Im Jahr 1929 gr\u00fcndete Bekker vom Rath zur Unterst\u00fctzung Jawlenskys die \u201eVereinigung der Freunde der Kunst Alexej von Jawlenskys\u201c, die ihm ein geregeltes Einkommen sicherte. Die \u00fcberlieferten Aktzeichnungen aus seiner Hand (1934) verdeutlichten die enge Beziehung der beiden. Regelm\u00e4\u00dfige Berlin-Aufenthalte und Reisen nach Paris folgten. Im Jahr 1930 beteiligte sich Bekker vom Rath an Ausstellungen im Kunstsalon Schames in Frankfurt am Main und sp\u00e4ter in der Galerie von Fritz Gurlitt in Berlin.<\/p>\n<p>Nach der Macht\u00fcbernahme 1933 blieb Bekker vom Rath in ihrem Blauen Haus in Hofheim. Ab 1934 begann sie, als private Kunsth\u00e4ndlerin Werke von als \u201eentartet\u201c verfemten K\u00fcnstler:innen zu vermitteln und wurde zu einer M\u00e4zenin und Sammlerin.<\/p>\n<p>In den Jahren zwischen 1940 und 1943 lud sie in ihrer Berliner Atelierwohnung zu geheimen Ausstellungen \u201eentarteter\u201c K\u00fcnstler:innen, zu Vortr\u00e4gen und Hauskonzerten all diejenigen ein, die sich nicht der nationalsozialistischen Ideologie anschlie\u00dfen wollten. Dazu geh\u00f6rten neben ihrem Freundeskreis auch Pers\u00f6nlichkeiten wie Erich Heckel, Hans Purrmann und Oskar Moll.<\/p>\n<p>Ihr Sohn Kilian fiel 1943 im Krieg. Nach Kriegsende er\u00f6ffnete sie 1947 das Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, das den im nationalsozialistischen Regime verfolgten K\u00fcnstler:innen ein Forum bot. Diese Absicht beschrieb sie auch in ihrer Er\u00f6ffnungsrede: \u201eMein Ziel: \u00dcberbr\u00fcckung der durch das Dritte Reich entstandenen Kluft. Heranf\u00fchrung der Jugend an die Kunst der letzten vierzig Jahre und Einf\u00fchrung in das Schaffen der Gegenwart.\u201c Ab 1952 folgten internationale Ausstellungsreisen nach Brasilien, Argentinien, Uruguay, Kuba sowie S\u00fcdafrika, Indien und Nordamerika. Im Jahr 1963 erhielt sie die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main und 1964 das Bundesverdienstkreuz.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Bekker vom Rath, Hanna - Museum der verlorenen Generation","description":"\u201e Mein Ziel: \u00dcberbr\u00fcckung der durch das Dritte Reich entstandenen Kluft. 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