{"id":999,"date":"2025-11-13T09:02:09","date_gmt":"2025-11-13T09:02:09","guid":{"rendered":"https:\/\/verlorene-generation.com\/kuenstler\/berend-corinth-charlotte\/"},"modified":"2026-01-16T16:09:03","modified_gmt":"2026-01-16T16:09:03","slug":"berend-corinth-charlotte","status":"publish","type":"kuenstler","link":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/kuenstler\/berend-corinth-charlotte\/","title":{"rendered":"Berend-Corinth, Charlotte"},"content":{"rendered":"<p>Charlotte Berend war nicht nur eine vielseitige K\u00fcnstlerin, sondern auch eine Unterst\u00fctzerin ihres erfolgreichen Ehemannes, des Impressionisten Lovis Corinth (1858\u20131925). Geboren als Tochter eines j\u00fcdischen Kaufmanns, schien sie aus heutiger Sicht gute Voraussetzungen f\u00fcr eine Karriere als K\u00fcnstlerin zu haben \u2013 doch um 1900 hatten Frauen es deutlich schwerer als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Da sie noch nicht zum regul\u00e4ren Kunststudium an Hochschulen zugelassen wurden, mussten sie sich mit privaten oder kunstgewerblichen Ausbildungsst\u00e4tten begn\u00fcgen, deren Prestige nicht an das einer anerkannten staatlichen Akademie heranreichte. So erging es auch Charlotte Berend: Mit der Erlaubnis ihres Vaters bewarb sie sich 1898 an der K\u00f6niglichen Kunstschule zu Berlin, an der seit 1874 auch Frauen im Zeichenseminar zugelassen waren. Nach bestandener Aufnahmepr\u00fcfung wurde sie als eine von nur zwei Frauen aufgenommen. Sp\u00e4ter durfte sie an der weiterf\u00fchrenden Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin die Aktzeichenkurse der \u201eHerrenklassen\u201c besuchen \u2013 damals eine Seltenheit f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p>Ihre privilegierte Situation ver\u00e4nderte sich jedoch grundlegend, als ihr Vater sein gesamtes Verm\u00f6gen verlor und sich das Leben nahm. Finanzielle Not zwang Charlotte, an die g\u00fcnstigere, neu er\u00f6ffnete private \u201eMalschule f\u00fcr Weiber\u201c von Lovis Corinth zu wechseln, was ihre Karrierechancen zun\u00e4chst einschr\u00e4nkte. Als Sch\u00fclerin Corinths wurde sie bald sein Modell und schlie\u00dflich seine Geliebte. Als die beiden 1904 heirateten, nahm Charlotte als \u201emoderne\u201c Frau einen Doppelnamen an. Noch im selben Jahr kam ihr Sohn Thomas (1904\u20131988) zur Welt, 1909 folgte ihre Tochter Wilhelmine (1909\u20132001). Zwischen h\u00e4uslichen Pflichten und ihrer Rolle als Mutter sowie als Ehefrau eines erfolgreichen K\u00fcnstlers fand sie wenig Zeit, selbst k\u00fcnstlerisch zu arbeiten, blieb aber dennoch ambitioniert. Im Jahr 1906 wurde sie in die Berliner Secession aufgenommen, als eine von nur vier Frauen in diesem Jahr. Zudem stand sie ihrem Mann immer wieder Modell \u2013 rund neunzigmal in zwanzig Jahren. Als Lovis Corinth 1911 einen Schlaganfall erlitt, pflegte sie ihn bis zu seiner Genesung.<\/p>\n<p>1919 richtete sich die Familie ein Sommerdomizil in Urfeld am Walchensee in Bayern ein, doch Corinth verbot seiner Frau, dort zu malen, da die Landschaftsimpressionen allein von ihm auf Leinwand festgehalten werden sollten. Trotzdem fertigte sie heimlich Skizzen an und stieg 1924 \u2013 wie 1911 bereits ihr Mann \u2013 zum Vorstandsmitglied der Berliner Secession auf. Als Lovis 1925 verstarb, ver\u00f6ffentlichte sie 1926 seine Autobiografie und organisierte eine Ged\u00e4chtnisausstellung in der Berliner Nationalgalerie. Gleichzeitig begann sie mit der Erstellung seines Werkverzeichnisses. Daneben er\u00f6ffnete sie 1927 ihre eigene Malschule in Berlin und stellte ihre Kunst in Deutschland, Italien sowie den USA aus. W\u00e4hrend dieser Zeit lebte sie \u00fcberwiegend in Italien, bis Benito Mussolinis (1883\u20131945) antij\u00fcdische Rassengesetze sie zur Flucht zwangen. \u00dcber die Schweiz emigrierte sie 1939 nach New York, wo ihr Sohn bereits seit 1931 lebte. Trotz der politischen Umbr\u00fcche blieb sie auch nach der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten in Deutschland aktiv: 1934 beteiligte sie sich noch an der Ausstellung \u201eDie Deutsche Frau\u201c in M\u00fcnster, doch nur wenige Jahre sp\u00e4ter wurde eines ihrer Werke als \u201eentartet\u201c aus der St\u00e4dtischen Galerie in N\u00fcrnberg entfernt. In den USA baute sie sich ein neues Leben auf und er\u00f6ffnete 1943 ihre zweite Malschule in New York, die sie bis 1955 f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog \u201eWir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten \u201c. Dieser ist\u00a0<span style=\"color: #33cccc;\"><a style=\"color: #33cccc;\" href=\"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/product\/wir-werden-euch-nicht-vergessen-die-verlorene-generation-ihre-kunst-ihre-geschichten\/\"><strong>HIER<\/strong><\/a> <\/span>erh\u00e4ltlich.<\/p>","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"slim_seo":{"title":"Berend-Corinth, Charlotte - Museum der verlorenen Generation","description":"Charlotte Berend war nicht nur eine vielseitige K\u00fcnstlerin, sondern auch eine Unterst\u00fctzerin ihres erfolgreichen Ehemannes, des Impressionisten Lovis Corinth (1"}},"categories":[96],"class_list":["post-999","kuenstler","type-kuenstler","status-publish","hentry","category-kuenstler"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler\/999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/kuenstler"}],"about":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kuenstler"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/verlorene-generation.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}