
Künstler

Stehender weiblicher Akt
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o.D.
Brill, Carla
1906
Frankfurt am Main (DEU)
-
1994
Frankfurt am Main (DEU)
Carla Brill Frankfurt am Main (DEU) 1906 ‒ 1994 Frankfurt am Main (DEU) Carla Brill ist eine der wenigen Künstlerinnen der Sammlung Böhme, die trotz ihrer regimekritischen Lehrer Max Beckmann (1884–1950) und Karl Hofer (1878–1995) nicht direkt vom nationalsozialistischen Regime bedroht war. 1924 begann die 18-jährige Frankfurterin ihre Ausbildung an der Kunstgewerbeschule ihrer Heimatstadt. Nach der Vorklasse besuchte sie die Klasse für Freie Malerei bei dem konservativen Johann Vinzenz Cissarz (1873–1942), in der sie auch den späteren Beckmann-Schüler Georg Heck kennenlernte. 1927 wurde Brill in Beckmanns Meisterklasse aufgenommen, verließ diese jedoch nach nur einem Jahr. Über ihre Zeit dort war wenig bekannt, doch das von Beckmanns reduzierter Formensprache inspirierte Selbstbildnis vor der Staffelei könnte in dieser Phase ihres Studiums entstanden sein. Die Freundschaften, die sie mit ihren Kommilitonen schloss, begleiteten Brill weit über diese Zeit hinaus. 1928 wechselte sie an die Vereinigten Staats schulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin, um ihr Malereistudium bei Karl Hofer (1878–1995), Emil Orlik (1870–1932) und Hans Meid (1883–1957) fortzusetzen. Ab 1932 wandte sie sich der Bildhauerei zu und lernte ein Jahr lang bei Edwin Scharff (1887–1955) und Wilhelm Gerstel (1879–1963). Während viele ihrer ehemaligen Mitstudierenden unter der nationalsozialistischen Kunstpolitik litten, blieb Brill unbehelligt, da sie sich den Vorgaben des Regimes weitgehend anpasste. 1933 wurde Beckmanns Meisterklasse in Frankfurt aufgelöst, und zahlreiche Künstler:innen wurden aus dem öffentlichen Kunstbetrieb ausgeschlossen, auf verschiedene Weise drangsaliert oder ins Exil gezwungen. Brill hingegen konnte weiterhin als Bildhauerin arbeiten. Als 1938 bei einem Brand ihr Atelier in der Berliner Grolmanstraße mitsamt ihren Arbeiten und Besitztümern zerstört wurde, beantragte sie als Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste finanzielle Unterstützung beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Neben der Regulierung und Förderung regimekonformer Kunst durch die Vergabe öffentlicher Aufträge half die Reichskunstkammer ihren Mitgliedern auch in wirtschaftlichen und sozialen Belangen. So wurde Brill als Entschädigung für ihre Verluste eine Summe von 150 Reichsmark aus der Spende „Künstlerdank“ bewilligt, die von Joseph Goebbels (1897–1945) genau für diesen Zweck eingerichtet wurde. 1939 erhielt sie den Studienpreis der Kunstakademie Kassel, 1941 nahm sie an der Herbstausstellung der Preußischen Akademie der Künste teil. 1942 wurde ihr durch den Einsatz von Wilhelm Gerstel der renommierte Rompreis zugesprochen, der ihr im Folgejahr einen Studienaufenthalt in der italienischen Hauptstadt ermöglichte. 1944 wurde ihr Atelier in Berlin bei der Bombardierung der Stadt zerstört und fast ihr gesamtes bisheriges Werk ging verloren. Ernüchtert versuchte die Künstlerin nach Ende des Zweiten Weltkrieges einen Neuanfang: Sie zog ins oberschwäbische Biberach an der Riß und arbeitete dort als freischaffende Künstlerin. Ab 1949 war sie in Bonn in einem Architekturbüro tätig, bevor sie 1952 nach Frankfurt zurückkehrte. Dort lebte sie gemeinsam mit ihrer Schwester und arbeitete als Garderobiere am Frankfurter Theater; ihre künstlerische Tätigkeit hatte sie eingestellt. Erst in den 1970er-Jahren überzeugte ihr Freundeskreis sie, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Es entstand ein umfangreiches Alterswerk aus Malerei, Zeichnungen und Skulpturen. LITERATURAUSWAHL: -Hans-Jürgen Fittkau, Aus der Meisterklasse Beckmanns. Karl Tratt, Friedrich Wilhelm Meyer und ihre Kommilitonen (Ausst.-Kat. 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse), Frankfurt am Main 2000 -Ingrid von der Dollen, Malerinnen im 20. Jahrhundert. Bildkunst der „verschollenen Generation“, München 2000 -Inge Eichler, Frauen an der Staffelei – ein vernach[1]lässigtes Kapitel der Frankfurter Kunstgeschichte (Ausst.-Kat. Frankfurter Sparkasse), Frankfurt am Main 1994
Werke

Selbstbildnis vor der Staffelei
Öl auf Karton
39,8 × 29 cm

Stehender weiblicher Akt
Gouache auf Papier/Karton
70,3 × 40,8 cm