
Künstler

Damenporträt
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o.D.
Cahn, Ruth
1875
Frankfurt am Main (DEU)
-
1966
Frankfurt am Main (DEU)
Ruth Cahn Frankfurt am Main (DEU) 1875 ‒ 1966 Frankfurt am Main (DEU) Die Künstlerin Ruth Cahn hatte gute Gründe, ins südamerikanische Exil zu gehen: Zum einen wurden durch die politische Kontrolle des Kunstbetriebs vor allem jüdische Künstler:innen erwerbslos. Zum anderen wirkte sich das traditionelle Rollenbild auf die ohnehin begrenzten Arbeitsmöglichkeiten von Frauen aus und bot kaum Platz für Selbstverwirklichung. Von diesen existenziellen Einschränkungen war auch die in Paris und Barcelona ausgebildete Künstlerin betroffen, die erst an ihrem Lebensende in ihre Geburtsstadt Frankfurt am Main zurückkehrte. Geboren als Amalie Leontine Cahn, gehörte sie einer alteingesessenen jüdischen Unternehmerfamilie an. Am Beginn ihrer künstlerischen Karriere zog es die junge Malerin zur Ausbildung nach München, wo sie 1906 Mitglied der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins wurde. Da Frauen zu dieser Zeit nicht regulär an staatlichen Kunstakademien zugelassen wurden, war der Verein ein Magnet für weibliche Interessentinnen. Neben weitgehend männlichen Kollegen stellte Cahn 1920 im Frankfurter Künstlerbund aus. In den 1920er-Jahren lebte ihr Bruder Robert Cahn (1878–1948) bereits in Frankreich. Die Künstlerin, die sich inzwischen den Namen „Ruth Cahn“ gegeben hatte, folgte ihm dorthin. Sie setzte ihre Ausbildung bei Kees van Dongen (1877–1968) und Othon Friesz (1879–1949) fort, die zu diesem Zeitpunkt als „Fauves“ Bekanntheit erlangten. Die Merkmale des Fauvismus (frz. fauve = wild) waren der Einsatz leuchtender Farben und die Reduzierung der Form. Von dieser neuartigen Malerei ließ sich auch Cahn inspirieren. Zu ihrem Umfeld gehörten einflussreiche Persönlichkeiten wie wohl auch Pablo Picasso (1881–1973) und Henri Matisse (1869–1954). Aufbauend auf den positiven Kritiken in der Frankfurter Zeitung vom 27. April 1922 erlebte sie einen Karriereschwung. Zu diesem Zeitpunkt lebte und arbeitete die Künstlerin wieder in Frankfurt, wo sie mit ihrem Bruder Arthur Isaak Cahn (1883–1952) einen Haushalt teilte. Sie war Mitglied im Frankfurter Künstlerbund und ab 1932 der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen. Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 beendete Cahns künstlerischen Werdegang; am Höhepunkt ihres Schaffens floh sie 1935 ins Exil. Gemeinsam mit ihrem älteren Bruder ging sie nach Chile, vermutlich weil beide Geschwister Spanisch sprachen und die wirtschaftlichen Bedingungen dort für den Unternehmer Arthur vorteilhaft waren. Erst nach seinem Tod kehrte Cahn, die mit Beginn ihres Exils der Kunst abgeschworen hatte, nach Europa und schließlich nach Frankfurt zurück. Als eines ihrer wenigen erhaltenen Bilder gilt ein undatiertes Damenporträt, welches vermutlich vor der Emigration entstanden ist, da es noch mit einer Frankfurter Adresse beschriftet ist. LITERATURAUSWAHL: -Corinne Elsesser, Die Malerin Ruth Cahn, in: Weltespresso, 28.11.2022, https://t1p.de/ruth_cahn (1.4.2025) -Zurück ins Licht. Vier Künstlerinnen – Ihre Werke. Ihre Wege, hg. von Sabrina Atlan und Miriam Wenzel (Ausst.-Kat. Jüdisches Museum Frankfurt am Main), Bielefeld 2022
Werke

Damenporträt
Öl auf Leinwand
70 × 49,5 cm