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2023 0586A

Künstler

2023 0586A

Italienische Theaterloge

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o.D.

Dressler, August Wilhelm

1886

Ober Leutensdorf (CZE)

-

1970

Berlin (DEU)

August Wilhelm Dressler

Ober Leutensdorf (CZE) 1886 – 1970 Berlin (DEU)

Bei August Wilhelm Dressler handelt es sich um einen Künstler voller Widersprüche: Einerseits war er während der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, andererseits verlor er seine Anstellung und seine Werke wurden als „entartet“ beschlagnahmt. Geboren als uneheliches Kind von Anna Maria Dressler (1866–1947) im böhmischen Ober-Leutensdorf im heutigen Tschechien, wählte er früh einen künstlerischen Berufsweg. Bereits mit 14 Jahren begann er in Chemnitz eine Ausbildung zum Lithografen, die er 1904 erfolgreich abschloss. Zwei Jahre später zog es ihn an die Königliche Akademie für Bildende Künste in Dresden, wo er auch Otto Dix (1891–1969) kennenlernte, mit dem er sich anfreundete und später über zahlreiche Briefe in Kontakt blieb. Im Jahr 1908 wurde Dressler von der Akademie verwiesen, nachdem er mit seinem Lehrer Richard Müller (1874–1954) aneinandergeraten war. Er setzte sein Studium daraufhin an der Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig fort.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Dressler ein Jahr als Künstler in Leipzig, bevor er 1920 nach Berlin zog. In der Metropole voller künstlerischer Impulse lebte er zunächst bei Otto Dix. Wie dieser widmete er sich sozialkritischen Themen, jedoch in einer gemäßigteren Bildsprache. Noch im selben Jahr trat er der Berliner Secession und der Novembergruppe bei, zwei Künstlervereinigungen, die sich von der akademischen Kunsttradition abwandten und moderne Strömungen förderten. 1925 heiratete Dressler die Bildhauerin Käthe Knorr (1920–1970), ihre gemeinsame Tochter, Charlotte, kam 1925 zur Welt.

Nur wenige Jahre später erreichte Dressler den Höhepunkt seiner Karriere: 1927 wurde er von der Preußischen Akademie der Künste mit dem renommierten Rompreis ausgezeichnet, der ihm 1930 einen einjährigen Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom ermöglichte. Dort ließ er sich von der italienischen Kunstszene inspirieren und malte das Werk Italienische Theaterloge. Wie auch in seinen anderen Arbeiten zeigte er sich darin als aufmerksamer Beobachter, der die Kostüme und Accessoires der Dargestellten bis ins Detail ausarbeitete.

Nach seiner Rückkehr aus Italien blieb Dressler zunächst von den nationalsozialistischen Kunstregularien verschont. Von 1934 bis 1938 lehrte er an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin. Als bedeutender Vertreter der Neuen Sachlichkeit geriet er jedoch ins Visier des Regimes: 1937 wurden einige seiner Werke, vor allem gesellschaftskritische Druckgrafiken, als „entartet“ eingestuft und aus Museen in Leipzig, Stettin und Berlin entfernt. Das Gemälde Die Verlobten wurde sogar auf der Wanderausstellung Entartete Kunst gezeigt. Dressler verlor seine staatliche Anstellung und arbeitete im Atelier seiner Frau Käthe Knorr-Dressler in der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin. Viele seiner Werke wurden während des Zweiten Weltkrieges zerstört. Später versuchte er, einige davon anhand von Fotografien oder aus dem Gedächtnis nachzumalen und auf ihr ursprüngliches Entstehungsjahr rückzudatieren.

In der Nachkriegszeit nahm Dressler wieder an Ausstellungen teil und widmete sich erneut Motiven aus der Welt des Theaters und der Oper. Doch die Geldsorgen, die ihn seit Beginn seiner Karriere begleiteten, blieben bis zu seinem Lebensende bestehen.

 

LITERATURAUSWAHL:

-August Wilhelm Dressler. Die Poesie des Alltags, hg. von Silke Zielke-Hengstenberg (Ausst.-Kat. Haus Opherdicke Unna), Dortmund 2017

-Neue Sachlichkeit in Dresden, hg. von Birgit Dalbajewa (Ausst.-Kat. Kunsthalle im Lipsiusbau Dresden), Dresden 2011

 

Werke

Häuser im Wald

Öl auf Leinwand

60 × 30 cm

Stillleben mit Zitronenpresse

Öl auf Leinwand

40,5 × 50 cm

Italienische Theaterloge

Öl auf Leinwand

83,7 × 68,6 cm

Stillleben mit Fächer

Tempera auf Leinwand

53 × 68 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

Museum Kunst der Verlorenen Generation

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