
Künstler

Personen auf der Sonnenterrasse
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o.D.
Farkas, István
1887
Budapest (HUN)
-
1944
Auschwitz-Birkenau (POL)
István Farkas Budapest (HUN)1887 – 1944 Auschwitz-Birkenau (POL) Die Stadt Paris hatte für den ungarischen Künstler István Farkas große Anziehungskraft. In eine assimilierte jüdische Familie geboren, war Budapest zunächst ein hervorragendes Sprungbrett für den angehenden Künstler. In der – neben Wien – zweiten Hauptstadt Österreich-Ungarns gab es um 1910 avantgardistische Tendenzen, die die Stadt für junge Künstler der Moderne attraktiv machten. Schon als Kind erhielt Farkas Zeichenunterricht bei László Mednyánszky (1852–1919), dessen Werk international bekannt war. Farkas unternahm Reisen nach Italien und studierte in Paris an der Académie de la Palette bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Er verkaufte einen Teil seiner Gemälde und reiste zurück nach Ungarn, wo er als Soldat an der russischen, der serbischen und der italienischen Front diente. Nach Kriegsende konnte er sich in Budapest wieder der Kunst widmen. Er stellte seine Bilder 1921 in der ungarischen Nationalausstellung aus, und einige Werke waren in den Jahren 1932 und 1935 in der Budapester Galerie Tamas zu sehen. Die französische Hauptstadt vergaß Farkas nicht; das Werk „Personen auf der Sonnenterrasse“ erinnerte an seine Zeit dort. Die Entscheidung, erneut nach Paris zu gehen, dürfte ihm daher nicht schwergefallen sein: Bald lernte er dort Ida Kohner (1895–1945) kennen, eine ungarische Künstlerin und Tochter von Adolf Kohner (1866–1937), ein leitendes Mitglied des Verbands Jüdischer Gemeinden Ungarns. Sie heirateten, und 1929 wurde ihr gemeinsamer Sohn Pál Farkas in Paris geboren, der später ebenfalls Maler wurde. Als Farkas' Vater, der Verleger Joszef Wolfner, 1932 starb, verließ der Künstler mit seiner Familie Paris erneut, um das Geschäft in Budapest zu übernehmen. Der Verlag Singer und Wolfner legte besonderen Wert auf die künstlerische Ausgestaltung der Publikationen, wodurch Farkas seine Liebe zur Kunst und zur Literatur miteinander verbinden konnte. Im April 1944 wurden die nationalsozialistischen Behörden auf den Verlag aufmerksam und denunzierten Farkas als „Pro-Linken“. Zusammen mit zahlreichen ungarischen Journalist:innen wurde er verhaftet, während die Nationalsozialist:innen den Verlag übernahmen. Zunächst wurde Farkas in ein Gefängnis bei Budapest gebracht und von dort im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er vermutlich am Tag der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurde. Farkas’ Einsatz im Ersten Weltkrieg war vermutlich ein Grund, warum seine Familie im August 1944 unter den Schutz von Miklós Horthy (1868–1957) gestellt wurde, der zu dieser Zeit als sogenannter Reichsverweser und damit de facto Staatsoberhaupt amtierte. Ida Farkas konnte vorerst einer Deportation entgehen, befand sich als Jüdin jedoch weiterhin in akuter Lebensgefahr. Mit gefälschten Dokumenten konnten Ida und ihr Sohn in einem Kinderheim untertauchen. Nach dem erfolgreichen Putsch der kollaborierenden Pfeilkreuzler verließ Ida unter ungeklärten Umständen den sicheren Ort. Im Januar 1945 wurde sie von Pfeilkreuzmilizen aufgegriffen und ermordet. Pál überlebte und begann im Juli 1948 ein Kunststudium in Budapest. LITERATURAUSWAHL: -Pal Farkas, Arolsen Archives, https://t1p.de/_Farkas (22.4.2025) -Nadine Nieszawer, Artists juifs de l’école de Paris 1905–1939, Paris 2015
Werke

Personen auf der Sonnenterrasse
Öl auf Pappe
29,7 × 40 cm

Wochenmarkt
Öl auf Leinwand
27,8 × 36 cm