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2023 0600A

Künstler

2023 0600A

Absinthtrinker

|

1923

Fischer, Johannes

1888

Feldsberg (CZE)

-

1955

Wien (AUT)

Johannes Fischer

Feldsberg (CZE) 1888  – 1955 Wien (AUT)

Johannes Fischer gehört zu den wenigen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich ansässigen Künstlerinnen und Künstlern der Sammlung. Über sein Leben ist heute nur wenig bekannt. Er begann ein Studium der Naturwissenschaften und Philosophie an der Universität Wien, brach es aber ab, um sich der Kunst zu widmen. Er besuchte die Wiener Malschule von David Kohn (1861–1922), der sich besonders für sozial benachteiligte Nachwuchskünstler:innen einsetzte, und entwickelte weitere künstlerische Fähigkeiten autodidaktisch.

1914 stellte Fischer erstmals im Kunstsalon Pisko aus und feierte damit sein erfolgreiches Debüt in der Kunstszene Wiens. In dieser Zeit freundete er sich mit dem Expressionisten Egon Schiele (1890–1918) an, von dem er ab 1915 auch Porträtfotografien anfertigte. Auf seinen Studienreisen in den 1910er Jahren kam Fischer in der Schweiz mit dem beliebten, aber umstrittenen alkoholischen Getränk Absinth in Berührung. Einige Jahre später setzte er sich in seinem Werk Absinthtrinker von 1923 mit den Schattenseiten des Alkoholkonsums auseinander; im selben Jahr wurde in Österreich ein Absinthverbot erlassen.

Ebenfalls 1923 war Fischer erstmals als Gast auf Ausstellungen des Hagenbunds vertreten, von 1924 bis 1925 war er ordentliches Mitglied. Der Hagenbund, in dem auch ein anderer Künstler der Sammlung, Theodor Kern, aktiv war, entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einer der bedeutendsten avantgardistischen Kunstorganisationen Österreichs. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde die Kunst der Mitglieder jedoch von den Nationalsozialisten als „entartet“ und „verjudet“ diffamiert und die Vereinigung aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt war Fischer seit einem Jahr Mitglied der Wiener Secession. 1937 erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere, als er mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde. Doch zeitgleich wurden in Deutschland drei seiner Werke aus Museen beschlagnahmt und zerstört. Ob der Absinthtrinker ebenfalls beschlagnahmt wurde, ist nicht bekannt, doch das Motiv dürfte aufgrund seiner sozialkritischen Botschaft sicher als Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung gesehen worden und damit auf Ablehnung der Nationalsozialist:innen gestoßen sein.

Bereits während der Zeit des Austrofaschismus wurde moderne Kunst auch in Österreich zunehmend eingeschränkt. Doch mit dem „Anschluss“ an das „Dritte Reich“ 1938 verschärfte sich die Lage weiter, da nun die nationalsozialistische Kulturpolitik gänzlich übernommen wurde: Künstler:innenvereinigungen wurden gleichgeschaltet und der öffentliche Kunstbetrieb unter staatliche Kontrolle gestellt. So wurde Fischer 1939 mit anderen Mitgliedern der Secession in das konservative Wiener Künstlerhaus eingegliedert, eine Vereinigung, die stärker mit der NS-Kunstpolitik konform ging und zunehmend für Propagandazwecke genutzt wurde. Dass Fischer trotz seiner als „entartet“ geltenden Werke dort aufgenommen wurde, zeigt die Widersprüchlichkeit des neuen Regimes. Von 1941 bis 1945 arbeitete er als Aushilfsaufseher im Kunsthistorischen Museum in Wien und bei der Feuerschutzpolizei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Fischer unter finanziell schwierigen Umständen und konnte nur noch eingeschränkt künstlerisch tätig sein. Sein weiteres Leben und Werk blieben weitgehend im Dunkeln.

 

LITERATURAUSWAHL:

-Expressiv. Neusachlich. Verboten. Hagenbund und seine Künstler, hg. vom Wien Museum und dem Verein der Freunde und der wissenschaftlichen Erforschung des Hagenbundes, Wien 2016

-Hagenbund. Ein europäisches Netzwerk der Moderne, hg. von Agnes Husslein-Arco, Matthias Boeckl und Harald Krejci (Ausst.-Kat. Belvedere Wien), München 2014

-Cornelia Reiter, Stephan Koja und Hella Márkus, Kunst des 20. Jahrhunderts. Bestandskatalog der Öster[1]reichischen Galerie des 20. Jahrhunderts, Bd. 1: A–F, hg. von der Österreichischen Galerie Belvedere Wien, Wien/München 1993, S. 225

Werke

Absinthtrinker

Öl auf Holzfaserplatte

61 × 49 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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