
Künstler

Spiegelkabinett
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1928
Heinisch, Rudolf Wilhelm
1896
Leipzig (DEU)
-
1956
Berlin (DEU)
Rudolf Wilhelm Heinisch Leipzig (DEU) 1896 – Berlin (DEU) 1956 Rudolf Wilhelm Heinisch wurde in Leipzig geboren; 1902 zog seine Familie nach Frankfurt am Main um. Dort absolvierte er eine Ausbildung zum Lithografen bei der Druckerei Kornsand & Co. Mithilfe eines Stipendiums der Stadt studierte er von 1913 bis 1916 an der Kunstgewerbeschule Frankfurt bei Franz Karl Delavilla (1884–1967). Im Ersten Weltkrieg wurde Heinisch an der französischen Front schwer verwundet – eine Verletzung der linken Hand führte zu seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst. Die Schrecken des Krieges waren Thema seiner expressionistischen Druckgrafiken. Ab 1919 arbeitete er als freischaffender Maler, Grafiker und Bühnenbildner und bezog nach mehreren Studienreisen ein Atelier im Karmeliterkloster Frankfurt. Das nicht mehr kirchlich genutzte Anwesen war insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg ein kreatives Zentrum für Frankfurter Künstler. Bis 1934 war Heinisch Mitglied im Frankfurter Künstlerbund und erhielt positive Rezensionen für seine Ausstellungen. 1921 lernte er den Komponisten Paul Hindemith (1895–1963) kennen, und es entstand eine enge Freundschaft. Heinisch war 1924 Hindemiths Trauzeuge; dieser wiederum stand 1934 bei Heinischs Hochzeit mit Erika Ditt (1910–2005) an seiner Seite. In den folgenden Jahren malte Heinisch mehrere Bildnisse des Freundes, darunter 1952 das abgebildete Porträt von Paul Hindemith (1895–1963) mit Bratsche I. Aufgrund knapper Mittel nutzte er dafür eine Holzfaserplatte statt Leinwand. Eine weitere Version des Gemäldes befindet sich heute in einem Vortragssaal des Musikverlags Schott Music in Mainz. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialist:innen wurde Heinischs künstlerische Karriere abrupt unterbrochen. Nach Kriegsende schrieb er in einem Brief an die amerikanische Militärregierung: „Ich […] bevorzugte bei meinen Bildern hauptsächlich proletarische und soziale Themen und kam dadurch auf die schwarze Liste der NSDAP.“ Seine Werke wurden in der Wanderausstellung „Entartete Kunst“ in der Sektion „Künstlerisch gut, jedoch verdorbene Gesinnung, verjudet“ gezeigt. Auch sein früheres Porträt von Paul Hindemith aus dem Jahr 1931 wurde aus dem Städelmuseum entfernt, in der Femeausstellung gezeigt und danach vernichtet. Auch Hindemith geriet ins Visier der NS-Zensur: Ab 1934 wurden seine Kompositionen in Deutschland verboten. Als sein Name 1938 in der Ausstellung „Entartete Musik“ auftauchte, emigrierte er mit seiner jüdischen Frau zunächst in die Schweiz und später in die USA. Für Heinisch wurde die Lage zunehmend prekär. Ohne künstlerische Perspektive zog er nach Berlin, wo er dank der Unterstützung von Karl Friedrich Brust als Pressezeichner beim Ullstein Verlag arbeiten konnte. In einer Zeit, in der das Regime den Einfluss der Kirche zunehmend schmälern wollte, trat Heinisch der katholischen Kirche bei und setzte damit, wie viele Intellektuelle und Künstler, ein Zeichen moralischer Opposition. Er schloss sich dem Kreis um den Widerstandskämpfer Theodor Haubach (1896–1945) an, der später von den Nationalsozialist:innen hingerichtet wurde. Heinischs Sohn Philipp (*1945) arbeitete später als Strafverteidiger, schlug dann aber selbst eine Laufbahn als Künstler ein und überließ dem Museum mehrere Kunstwerke seines Vaters als Schenkungen. LITERATURAUSWAHL: -Rudolf W. Heinisch. Ausstellung im Rathaus Gauting. 26. Juni 1987 bis 12. Juli 1987, Gauting 1987 -Rudolf W. Heinisch, Brief an die amerikanische Militärregierung, August 1985, Korrespondenz aus dem Nachlass des Künstlers (20.1.2025) -Rainer Zimmermann, Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation, München 1994, S. 384–385
Werke

Porträt Paul Hindemith (1895-1963) mit Bratsche I
Öl auf Hartfaserplatte
99,5 cm × 118,7 cm

Sitzende Frau am Fenster
Gouache auf Papier
77 × 50 cm

Bildnis Erika Heinisch (1910–2005)
Öl auf Leinwand
83 × 58 cm

Spiegelkabinett
Öl auf Leinwand
110,5 × 62,5 cm

6 Sprünge Lithographien von R. Heinisch 1930
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Sprung 1
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Sprung 2
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Sprung 3
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Sprung 4
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Sprung 5
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Sprung 6
Lithografie auf Papier
48 × 32 cm

Limburger Dom
Aquarell auf Papier
39,3 × 27,5 cm

Heilig Michael
Aquarell auf Papier
20 × 16,8 cm