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2017 0202A

Künstler

2017 0202A

Anbahnung

|

1949

Knothe, Paul

1897

Walddorf (DEU)

-

1988

Westerwald (DEU)

Paul Knothe

Walddorf (DEU) 1897 – Westerwald (DEU) 1988

Auch wenn Paul Knothe sich nicht aktiv politisch engagierte, brachte er seine kritische Haltung in der Kunst zum Ausdruck. Geboren in Walddorf östlich von Dresden, begann er 1911 eine Lehre als Dekorationsmaler, die er 1914 abschloss. Nach dem Kriegsdienst von 1916 bis 1918 ging er nach Dresden zurück und arbeitete im Atelier Stenzel für Raumgestaltung. Einige Jahre später zog es ihn ans Bauhaus in Dessau, das damals etwas völlig Neues war: Eine Schule, an der Kunst, Handwerk und Technik als funktionale und ästhetische Einheit behandelt wurden. Formal reduzierte, geometrische Entwürfe, die auf die industrielle Produktion ausgerichtet waren, standen im Vordergrund. In der bildenden Kunst dominierte die Abstraktion. Später wurde das Bauhaus geschlossen, weil die Nationalsozialist:innen es als „Keimzelle des Bolschewismus“ betrachteten und politische Repressionen ausübten. Knothe setzte sich dort intensiv mit der Kunst des Bauhausmeisters Paul Klee (1879–1940) auseinander. Dessen Formensprache sowie die Gestaltungslehre eines weiteren Bauhausmeisters, Wassily Kandinsky (1866–1944), hinterließen deutliche Spuren in Knothes Schaffen.

Knothe verwendete als Signatur neben seinem eigenen Namen auch die Pseudonyme „Paul KA“ und „Paul Kaan“. Als Künstler des Expressionismus, Kubismus und Futurismus wurde sein Schaffen ab 1933 als „entartet“ gebrandmarkt. Sein gesamtes Vermögen wurde enteignet, ein Großteil seiner Werke zerstört – nahezu sein gesamtes Frühwerk ging verloren. 1934 zog Knothe nach Köln, vier Jahre später nach Düsseldorf, wo er, soweit ihm dies möglich war, als freischaffender Künstler arbeitete.

Während des Zweiten Weltkriegs wagte er es als einer der wenigen, den Kriegsdienst zu verweigern, und ließ sich zum technischen Zeichner umschulen. Erst nach Kriegsende konnte er sich wieder vollkommen der Malerei widmen. In seinem Werk Triumph des Willens verarbeitete Knothe die Ereignisse des Jahres 1945 und den Suizid Adolf Hitlers (1889–1945) am 30. April in Berlin. Im Hintergrund des Bildes zeichnete sich die zerstörte Reichshauptstadt als Sinnbild für das untergegangene NS-Regime ab. Der Titel war eine direkte Anspielung auf Leni Riefenstahls (1902–2003) gleichnamigen Propagandafilm von 1935, der den NSDAP-Parteitag von 1934 mit zahlreichen Auszügen aus Reden verschiedener NS-Funktionäre verherrlichend in Szene setzte. Knothe kehrte die Ästhetik des Films in seinem Bild auf sarkastische Weise ins Gegenteil: Statt einer jubelnden Menge zeigte er Soldaten, die den Arm nicht zum „Hitlergruß“ erhoben, sondern den tödlichen Kopfschuss des Diktators nachahmten. Bemerkenswert war dabei, dass es sich um eines der wenigen nicht abstrakten Werke des Künstlers handelt. Knothe setzte hier auf eine direkte, gegenständliche Darstellung und formulierte damit einen unmissverständlichen Kommentar zum Ende des „Dritten Reichs“.

Trotz seiner Hingabe an die Malerei blieb Knothe ein künstlerischer Einzelgänger. Er lehnte es oft ab, mit Galerien zusammenzuarbeiten – ein Grund, warum sein Werk bis heute nur wenig bekannt ist.

 

LITERATURAUSWAHL:

-Paul Knothe, Aquarelle 1948–1968, hg. von Cordula Meier (Ausst.-Kat. Galerie Schönewald und Beuse Krefeld), Krefeld 1992

Werke

Monsieur V. M.

Aquarell auf Bütten

49,5 × 28,5 cm

Verschlungene Formen

Tempera auf Malkarton

42 × 50 cm

Fliehend/Auf der Flucht

Aquarell und Kreide auf Papier

62 × 85 cm

Puppenspieler und Tänzerin

Öl auf Leinwand

80,1 × 70 cm

Das Dach der Welt

Öl auf Leinwand

102 × 80 cm

Anbahnung

Öl auf Leinwand

70 × 50 cm

Am Fluss

Aquarell auf Papier

57,5 × 39,5 cm

Triumph des Willens

Öl auf Hartfaserplatte

30 × 25 cm

Komposition mit tanzenden Figuren

Öl auf Leinwand

72,4 × 104

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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