
Künstler

Anbahnung
|
1949
Knothe, Paul
1897
Walddorf (DEU)
-
1988
Westerwald (DEU)
Paul Knothe Walddorf (DEU) 1897 – Westerwald (DEU) 1988 Auch wenn Paul Knothe sich nicht aktiv politisch engagierte, brachte er seine kritische Haltung in der Kunst zum Ausdruck. Geboren in Walddorf östlich von Dresden, begann er 1911 eine Lehre als Dekorationsmaler, die er 1914 abschloss. Nach dem Kriegsdienst von 1916 bis 1918 ging er nach Dresden zurück und arbeitete im Atelier Stenzel für Raumgestaltung. Einige Jahre später zog es ihn ans Bauhaus in Dessau, das damals etwas völlig Neues war: Eine Schule, an der Kunst, Handwerk und Technik als funktionale und ästhetische Einheit behandelt wurden. Formal reduzierte, geometrische Entwürfe, die auf die industrielle Produktion ausgerichtet waren, standen im Vordergrund. In der bildenden Kunst dominierte die Abstraktion. Später wurde das Bauhaus geschlossen, weil die Nationalsozialist:innen es als „Keimzelle des Bolschewismus“ betrachteten und politische Repressionen ausübten. Knothe setzte sich dort intensiv mit der Kunst des Bauhausmeisters Paul Klee (1879–1940) auseinander. Dessen Formensprache sowie die Gestaltungslehre eines weiteren Bauhausmeisters, Wassily Kandinsky (1866–1944), hinterließen deutliche Spuren in Knothes Schaffen. Knothe verwendete als Signatur neben seinem eigenen Namen auch die Pseudonyme „Paul KA“ und „Paul Kaan“. Als Künstler des Expressionismus, Kubismus und Futurismus wurde sein Schaffen ab 1933 als „entartet“ gebrandmarkt. Sein gesamtes Vermögen wurde enteignet, ein Großteil seiner Werke zerstört – nahezu sein gesamtes Frühwerk ging verloren. 1934 zog Knothe nach Köln, vier Jahre später nach Düsseldorf, wo er, soweit ihm dies möglich war, als freischaffender Künstler arbeitete. Während des Zweiten Weltkriegs wagte er es als einer der wenigen, den Kriegsdienst zu verweigern, und ließ sich zum technischen Zeichner umschulen. Erst nach Kriegsende konnte er sich wieder vollkommen der Malerei widmen. In seinem Werk Triumph des Willens verarbeitete Knothe die Ereignisse des Jahres 1945 und den Suizid Adolf Hitlers (1889–1945) am 30. April in Berlin. Im Hintergrund des Bildes zeichnete sich die zerstörte Reichshauptstadt als Sinnbild für das untergegangene NS-Regime ab. Der Titel war eine direkte Anspielung auf Leni Riefenstahls (1902–2003) gleichnamigen Propagandafilm von 1935, der den NSDAP-Parteitag von 1934 mit zahlreichen Auszügen aus Reden verschiedener NS-Funktionäre verherrlichend in Szene setzte. Knothe kehrte die Ästhetik des Films in seinem Bild auf sarkastische Weise ins Gegenteil: Statt einer jubelnden Menge zeigte er Soldaten, die den Arm nicht zum „Hitlergruß“ erhoben, sondern den tödlichen Kopfschuss des Diktators nachahmten. Bemerkenswert war dabei, dass es sich um eines der wenigen nicht abstrakten Werke des Künstlers handelt. Knothe setzte hier auf eine direkte, gegenständliche Darstellung und formulierte damit einen unmissverständlichen Kommentar zum Ende des „Dritten Reichs“. Trotz seiner Hingabe an die Malerei blieb Knothe ein künstlerischer Einzelgänger. Er lehnte es oft ab, mit Galerien zusammenzuarbeiten – ein Grund, warum sein Werk bis heute nur wenig bekannt ist. LITERATURAUSWAHL: -Paul Knothe, Aquarelle 1948–1968, hg. von Cordula Meier (Ausst.-Kat. Galerie Schönewald und Beuse Krefeld), Krefeld 1992
Werke

Monsieur V. M.
Aquarell auf Bütten
49,5 × 28,5 cm

Verschlungene Formen
Tempera auf Malkarton
42 × 50 cm

Fliehend/Auf der Flucht
Aquarell und Kreide auf Papier
62 × 85 cm

Puppenspieler und Tänzerin
Öl auf Leinwand
80,1 × 70 cm

Das Dach der Welt
Öl auf Leinwand
102 × 80 cm

Anbahnung
Öl auf Leinwand
70 × 50 cm

Am Fluss
Aquarell auf Papier
57,5 × 39,5 cm

Triumph des Willens
Öl auf Hartfaserplatte
30 × 25 cm

Komposition mit tanzenden Figuren
Öl auf Leinwand
72,4 × 104