
Künstler

Meine Eltern II
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1957
Kulvianski, Issai
1892
Janowa (LTU)
-
1970
London (GBR)
Issai Kulvianski Janowa (LTU) 1892 – London (GBR)1970 Issai Kulvianski wurde 1892 in eine wohlhabende jüdische Familie in Janowa (heute Litauen) geboren. Bereits mit sechs Jahren begann er zu zeichnen. Sein als Kunstschreiner tätiger Vater, Tawel-Tobias Kulvianski (1859–1918), förderte das Talent des Sohnes. Ab 1908 besuchte er die staatliche Malschule in Wilna (heute Vilnius, Litauen) und schloss diese 1911 ab. Sein Lehrer war der Bildhauer Lev Moiseevich Antokolski (1872–1942). Er arbeitete gleichzeitig als freier Mitarbeiter an der jüdischen Handwerksschule ORT. Der Direktor, Fränkl, förderte ihn und vermittelte erste Verkäufe seiner Skulpturen. In dieser Zeit freundete sich Kulvianski mit Chaim Soutine (1893–1943) und Léon Indenbaum (1890–1981) an. Ende 1911 ermöglichte ihm ein Stipendium die Fortsetzung des Studiums in Berlin. Ab 1912 besuchte Kulvianski die Akademie der bildenden Künste bei dem Bildhauer Hugo Kaufmann (1868–1919) und arbeitete ebenfalls in den Ateliers von Max Liebermann (1847–1935) und Hermann Struck (1876–1944). Im Jahr 1913 reiste er nach Paris, wo er sich im Künstlerhaus La Ruche aufhielt. Dort lernte er Marc Chagall (1887–1985) kennen und traf erneut Soutine und Indenbaum. Trotz der vielen Freundschaften kehrte Kulvianski 1914 nach Berlin zurück und stellte in der Galerie von Fritz Gurlitt (1854–1893) aus. Im Ersten Weltkrieg wurde er 1914 statt seines herzkranken Bruders ins russische Heer eingezogen und geriet von 1915 bis 1918 in Brüx (heute Most, Tschechien) in Gefangenschaft. Zum Gedenken an die Opfer des Krieges entwarf er für den jüdischen Friedhof in Souš bei Brüx ein Mahnmal. Nach seiner Rückkehr nach Berlin studierte Kulvianski 1918 an der Akademie der Bildenden Künste bei Leo von König (1871–1944) und kurzzeitig bei Lovis Corinth (1858–1925). 1919 heiratete Kulvianski in Berlin Grete Robitscheck und wurde ab 1920 Mitglied der „Novembergruppe“ sowie 1923 des „Reichsverbandes Bildender Künstler“. Zu den wichtigsten noch erhaltenen Bildern dieser Zeit zählt Meine Eltern I (1925). Im Jahr 1927 nahm er an der Großen Berliner Kunstausstellung im Glaspalast teil. Die erste Einzelausstellung fand 1932 in Kaunas, Litauen, statt. Von Freunden gewarnt, musste Kulvianski 1933 Deutschland verlassen und emigrierte nach Palästina, wobei fast sein gesamtes Werk zurückblieb. Während ihm die Flucht gelang, wurden seine Mutter Riwa und andere Familienmitglieder von der SS erschossen. Im Exil wurde er Mitbegründer der 1934 gebildeten Künstlervereinigung von Israel. 1935 porträtierte Kulvianski Emir Abdallah ibn Husain I. (1882–1951), den späteren König Hussein von Jordanien. In den Jahren 1934/35 gründete Kulvianski mit dem Bildhauer Georg Leschnitzer (1885–1950) eine eigene Kunstschule in Tel Aviv. Für die Weltausstellung in New York entwarf er 1938 einen „Jüdischen Pavillon“. Bis 1949 präsentierte er sein Werk in mehreren Einzelausstellungen in Tel Aviv und in Jerusalem. Nach der Heirat 1940 mit Susi Offenbacher (1910–1996) aus Nürnberg verließ Kulvianski 1949 mit ihr Israel und lebte ab 1950 abwechselnd in England, Holland, Frankreich und Deutschland, wo er 1958 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Die Wintermonate verbrachte er in Nürnberg, die Sommermonate zunächst in Oudeuil in Oise, dann in Val-de-Mercy in Yonne. Für die Ausstellung Berlin – Ort der Freiheit für die Kunst, die der „Novembergruppe“ eine Abteilung widmete, entsendete er das Bild Meine Eltern I. 1969 übersiedelte Kulvianski nach Berlin. LITERATURAUSWAHL: -Steffen Stolz, Kulvianski, Issai, in: Allgemeines Künstler [1]lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Bd. 82: Kretzschmar–Lalique, hg. von Andreas Beyer u. a., Berlin/Boston 2014, S. 254–255 -Issai Kulvianski 1892–1970. Malerei, Arbeiten auf Papier, Skulpturen aus der Sammlung der Berlinischen Galerie, hg. von Berlinische Galerie (Ausst.-Kat. Willy-Brandt-Haus Berlin), Berlin 1999
Werke

Meine Eltern II
Öl auf Leinwand
201 × 180,5 cm