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2021 0378A

Künstler

2021 0378A

Rast im Weinberg

|

1948

Lohmar, Heinz

1900

Troisdorf (DEU)

-

1976

Dresden (DEU)

Geboren im Rheinland, begann Heinz Lohmar schon mit 14 Jahren eine Lehre als Dekorationsmaler in Köln. Zwei Jahre später schrieb er sich dort an der Kunstgewerbeschule ein, musste das Studium aber wegen der Einberufung zum Dienst im Ersten Weltkrieg unterbrechen und konnte es erst nach 1918 abschließen. In den 1920er-Jahren machte er sich als Künstler einen Namen: Zunächst als Atelierchef der Künstlerwerkstätten Jessen und Kutzer „Jeku“ in Köln, ab 1927 als freischaffender Künstler, der sich auch an internationalen Ausstellungen in Mailand sowie in Amsterdam beteiligte.

Doch in den letzten Jahren der Weimarer Republik erlebte Lohmar, wie sich Teile der Gesellschaft aufgrund der ökonomischen Notlage und Massenarbeitslosigkeit politisch zunehmend radikalisierten. Er beobachtete diese Entwicklung nicht untätig, sondern engagierte sich bereits Anfang der 1930er-Jahre im linken Spektrum und trat der KPD (Kommunistischen Partei Deutschlands) bei. Nach dem Verbot der Partei Anfang Februar 1933 wurde Lohmar im Mai in Siegburg von der Gestapo verhaftet. Nur dem Einsatz des örtlichen Bürgermeisters war es zu verdanken, dass er bereits im Juni wieder freikam.

Umgehend begab sich Lohmar in die Schweiz, wo er den ebenfalls exilierten Grafiker Carl Meffert (1903–1988) kennenlernte. Aber auch hier geriet er ins Visier der Behörden: Wegen seiner illegalen Arbeit für die linkspolitische Organisation Rote Hilfe unter den Decknamen „Heinz Mar“ und „Heinz Mahr“ wurde der Künstler verhaftet und schließlich des Landes verwiesen.

Daraufhin reiste er über Mailand nach Paris, wo er sich im Untergrund engagierte und zugleich Kontakt zu den Surrealisten um Max Ernst (1891–1976) aufnahm, den er bereits in den 1920er-Jahren in Köln kennengelernt hatte. In Paris blieb er künstlerisch sehr aktiv, indem er 1936 gemeinsam mit Horst Strempel (S. 294) und anderen Künstlern das Kollektiv deutscher Künstler aufbaute. 1938 zählte er zu den Mitbegründern des Freien Künstlerbunds, einem Zusammenschluss deutscher und österreichischer Künstler und Kunstschriftsteller im Pariser Exil. Darüber hinaus organisierte er mehrere antifaschistische Ausstellungen. Die Kunst war für Lohmar ein Mittel zum Widerstand. Als Paris 1940 von den deutschen Truppen besetzt wurde, stürmte die Gestapo sein Atelier und vernichtete viele seiner Werke. Lohmar floh in den nichtbesetzten Süden Frankreichs und schloss sich der Widerstandsbewegung dort an, die er auch künstlerisch durch Plakate und Flugblätter unterstützte. Nach Kriegsende kehrte Lohmar nach Deutschland zurück, wo er sich zunächst in Ludwigshafen niederließ. In seinen Bildern verarbeitete er hier seine Zeit im französischen Exil. So war vermutlich auch die abgebildete Rast im Weinberg von 1948 eine Rückbesinnung auf die Zeit in der Résistance. 1949 wurde er an die Hochschule für Bildende Künste Dresden berufen. Einer seiner heute bekanntesten Schüler ist Gerhard Richter (*1932).

 

LITERATURAUSWAHL:

-Bernd-Rainer Barth, Lohmar, Heinz, in: Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, hg. von Helmut Müller-Enbergs u.a., 5. Aufl. Berlin 2010, https://t1p.de/Heinz_Lohmar (15.4.2025)

-Manfred Altner, Heinz Lohmar, Dresden 1981

-Widerstand statt Anpassung. Deutsche Kunst im Widerstand gegen den Faschismus 1933–1945, hg. vom Badischen Kunstverein, Karlsruhe (Ausst.-Kat. Badischer Kunstverein Karlsruhe), Berlin 1980, S. 270

Werke

Rast im Weinberg

Öl auf Pappe

55 × 92 cm

Museum Kunst der Verlorenen Generation

Prof. Dr. Heinz R. Böhme gemeinnützige Stiftung
Sigmund-Haffner-Gasse 12/1. Stock
5020 Salzburg, Austria
T +43 662 276231‬
E museum@verlorene-generation.com

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