
Künstler

Dirne
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1950
Meyer, Friedrich Wilhelm
1900
Sybba (POL)
-
1968
Frankfurt am Main (DEU)
Friedrich Wilhelm Meyer absolvierte 1917 in Frankfurt am Main das Abitur, bevor er als Meldereiter in den Ersten Weltkrieg einberufen wurde und in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach seiner Entlassung 1919 begann er ein Physikstudium, das er abbrach, um Künstler zu werden. Ab 1925 war Meyer Meisterschüler bei Johann Vinzenz Cissarz an der Frankfurter Kunstschule, bekannt als Städelschule. Drei Jahre später wechselte er auf Empfehlung des Direktors Fritz Wichert in die Meisterklasse von Max Beckmann. Obwohl dieser großen Einfluss auf den jungen Maler ausübte und Meyer zu Beckmanns engerem Kreis zählte, beendete er 1929 die Meisterklasse und war als freischaffender Künstler tätig. Wahrscheinlich war Meyer von 1925 bis mindestens 1933 Mitglied in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Da er nicht der NSDAP beitreten wollte und den Kriegsdienst verweigerte, war er ab 1933 den Repressalien durch die Nationalsozialist:innen ausgesetzt. Bei der Bücherverbrennung am Römerberg wurde ein Teil seiner frühen Werke neben denen seiner ehemaligen Kommilitonen verbrannt. Im Herbst 1933 wurde er zum ersten Mal von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Darauf schlossen sich in den folgenden Jahren weitere Verhaftungen und Durchsuchungen an. Auch das durch die Reichskulturkammer über Meyer verhängte „Malverbot“ wurde regelmäßig durch Razzien der Gestapo kontrolliert. Im Jahr 1936 heiratete er Aenna Röser, die in diesen Jahren größtenteils für den gemeinsamen Lebensunterhalt sorgte. Eine Emigration aus Deutschland kam 1937 nicht zustande, da seine Frau zu diesem Zeitpunkt hochschwanger war. Im selben Jahr wurde die Tochter Lucie und 1938 der Sohn Lutz geboren. Beide Kinder erkrankten und verstarben 1939 unter ungeklärten Umständen im Frankfurter Clementinen-Krankenhaus. Wahrscheinlich 1940 zogen sich die Meyers nach Niederwasser im Schwarzwald zurück, wo sie bis 1946 in der „inneren Emigration“ lebten. Währenddessen wurden die in der Wohnung zurückgelassenen Werke des Künstlers durch die Bombardierung Frankfurts zerstört. In den 1940er-Jahren änderte sich sein Stil, da er sich zunehmend an französischen Vorbildern orientierte. Daneben entstanden in dieser Zeit Stillleben- und Landschaftsmotive, aber auch kritische Werke, die die Gräueltaten der Nationalsozialisten zum Thema hatten. Die Enttäuschung von der Kunstwelt führte dazu, dass er 1957 aus dem Berufsverband Bildender Künstler austrat. Im Jahr 1961 erlitt Meyer seinen ersten Herzinfarkt, worauf 1966 der erste Suizidversuch folgte. Ein zweiter erfolgloser Versuch schloss sich an. 1968 reiste Meyer gemeinsam mit seiner Frau nach Paris, womit sich ein großer Lebenswunsch erfüllte. Im selben Jahr verstarb er in Frankfurt am Main.
Werke

Dirne
Öl auf Leinwand
75,3 × 55,3 cm

Sitzender Frauenakt
121,5 × 63,7 cm

Kalter Krieger
84,5 × 58,5 cm

Stillleben mit Laute
36,4 × 62,2 cm