
Künstler

Stillleben mit Puppe und Bär
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1934
Ratkowski-Wanger, Anne
1903
Ratkowski-Wanger
-
New York (USA)
Berlin (DEU)
Ratkowski-Wanger startete mit 16 Jahren ihre Ausbildung beim rumänischen Maler Arthur Segal (1875–1944). Zunächst fand der Unterricht in der Privatwohnung des Lehrers statt oder bei Lou Albert-Lasard, einer weiteren Schülerin. In der bald gegründeten Malschule Segals galt sie nach eigenen Aussagen als „talentierteste Schülerin“. Ab den 1920er-Jahren war sie mit ihrem Künstlerkollegen Nikolaus Braun (1900–1950) verlobt; sie heirateten am 31. Oktober 1922. Beide waren seit 1921 Teil der Künstler:innengemeinschaft Novembergruppe, und zusammen mit Max Heimann (1909 – unbekannt) und Gertrud Dreyfuss (1885–1968) gründeten sie die Gruppe Neue Naturalisten, die eine realistische Darstellungsweise vertrat und noch 1937 eine Ausstellung eröffnete. Noch 1931 beteiligte sie sich an der Großen Berliner Kunstausstellung. Zunächst schien die erfolgreiche Künstlerin unbeeindruckt von der „Machtergreifung“ der Nationalsozialist:innen 1933 und widmete sich weiter ihrer Kunst, wofür sie noch bis 1935 beim Händler Leopold Hess in Berlin Malutensilien kaufte. Jedoch wurde ihr die Möglichkeit auszustellen und damit eine sichere Einkommensmöglichkeit entzogen. Aufgrund von Geldmangel scheiterte ein erster Ausreiseversuch zwischen 1933 und 1935 nach Mallorca. Umso dringlicher suchte sie einen Ausweg, nachdem ihr Onkel und dessen Frau deportiert und ermordet worden waren. Da sie aufgrund der strengen Einwanderungsbeschränkungen in die USA nicht dorthin emigrieren konnte, floh die inzwischen geschiedene, alleinerziehende Malerin nach Belgien. Zuvor verbrannte sie ihre Frühwerke, die nicht mitgenommen und nicht in Berlin eingelagert werden konnten. Ihren Sohn Andreas Braun (1930–2013 rettete sie im März 1939 vor der drohenden Verfolgung, indem sie ihn mit einem Kindertransport nach England schickte. In Belgien konnte die Künstlerin ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Bilder an eine unbekannte Kunstmäzenin sichern; 1943 erwarb das belgische Kulturministerium eines ihrer Porträts. In Antwerpen blieb sie jedoch in ihrer Mansardenwohnung versteckt, wo sie Kraft aus dem Malen alltäglicher Motive zog. Trotz der Umstände lernte sie hier ihren zweiten Ehemann Paul Wangenheim (später Wanger) kennen, den sie im April 1940 heiratete. Während Wangenheim verhaftet wurde und später aus dem Internierungslager Camp de Saint Cyprien in Frankreich floh, konnte sie einer Verhaftung als jüdische Künstlerin entgehen. Mit der Unterstützung des Jüdischen Verteidigungskomitees gelang es ihr, unentdeckt zu bleiben. Als das Paar sich in Antwerpen wiederbegegnete, beschlossen sie aus Angst vor der Gestapo, die Adresse zu wechseln und nach Rotterdam zu ziehen. Das Malen im belgischen Exil wurde für die Künstlerin zu einer Form der „überlebenswichtigen“ Ablenkung, um die ständige Bedrohung durch Denunziation zu ertragen. Erst 1948 gelang der Künstlerin die Ausreise in die USA, wo sie zunehmend in Vergessenheit geriet und unter dem Namen Anne Ratkowski-Wanger durch den Verkauf von Kunsthandwerk ihre Existenz sicherte. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten “. Dieser ist HIER erhältlich.
Werke

Stillleben mit Puppe und Bär
1996
34 × 25 cm

Stillleben (Kinderschuhe)
1996
24 × 32 cm