
Künstler

Waldweg
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1919
Reuss-Löwenstein, Harry
1880
Fulda (DEU)
-
1966
Hamburg (DEU)
Nachdem Harry Reuss bereits im frühen Kindesalter Vollwaise geworden war, wuchs er bei seinem Onkel in Hamburg-Altona auf. Dort begann er eine kaufmännische Lehre, brach diese jedoch ab, um zur Marine zu gehen. 1897 fuhr er als Schiffsjunge zur See; später war er als engagierter Matrose der Kaiserlichen Marine einige Zeit in Papua-Neuguinea, das damals unter deutscher Kolonialherrschaft stand. Nach seiner Rückkehr heiratete er 1905 Alma Winck (Lebensdaten unbekannt) und begann parallel zu seiner Arbeit im Handelsstatistischen Büro ein Studium an der Landeskunstschule in Hamburg. Dort besuchte er Kurse in Porträt- und Aktzeichnen sowie Vorlesungen in Kunstgeschichte, Anatomie und Literatur. Während des Ersten Weltkriegs war Reuss als Feldwebel in Flandern stationiert. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialist:innen 1933 wurde sein Leben zunehmend erschwert. Aufgrund der jüdischen Wurzeln seiner Mutter war er vermehrt Anfeindungen ausgesetzt. 1935 verlor er seine Anstellung beim Hamburger Anzeiger, als sein Nachruf auf den deutschen Impressionisten Max Liebermann (1847–1935) auf Kritik der NSDAP stieß. In einer bitteren Reaktion bezeichnete er sich selbst als „Volksschädling“ und zog sich noch im selben Jahr aus Altona in den Stadtteil Bahrenfeld zurück. Während Altona das dicht besiedelte Zentrum mit einer lebhaften Arbeiterkultur und politisch aktiven Gemeinschaften war, die zunehmend unter dem Druck der nationalsozialistischen Gleichschaltung geraten, bot Bahrenfeld mit seinen ruhigeren Wohngebieten einen Rückzugsort. 1936 wurde Reuss-Löwenstein aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, was einem Berufsverbot als Autor gleichkam. Um sich zu finanzieren, nahm er Hilfsarbeiten an, schrieb aber unbeirrt weiter. Unter dem Pseudonym „Karl Klick“ erschienen seine Bücher im Verlag von Axel Springer (1912–1985), der ihn persönlich förderte. Nach 1945 konnte Reuss-Löwenstein rasch an seine schriftstellerische Karriere vor dem Zweiten Weltkrieg anknüpfen. Er wurde mehrfach für sein literarisches Werk ausgezeichnet und unmittelbar nach Kriegsende in den Kulturrat zur Durchführung von Entnazifizierungen berufen. Darüber hinaus gründete er mehrere Autorenverbände und engagierte sich aktiv für den Wiederaufbau der Kulturlandschaft in Deutschland. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten “. Dieser ist HIER erhältlich.
Die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit ließ ein Leben als Maler nicht zu, sodass sich Reuss verstärkt dem Schreiben zuwandte und seine Bücher selbst illustrierte. Ab 1923 arbeitete er als Kunstkritiker für den Hamburger Anzeiger und leitete die Jugendbeilage der Zeitung. Zudem war er eng mit dem literarischen Kabarett Max Friedländers (1867–1958) verbunden. 1928 nahm er auch den Namen seiner Mutter, Franziska Löwenstein (Lebensdaten unbekannt), an.
Werke

Waldweg
Öl auf Karton;Oil on Cardboard
45,5 × 33,6 cm