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2018 0301A

Künstler

2018 0301A

Frauenakt im Atelier

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1911

Bernstein, Martha

1874

Halle/Saale (DEU)

-

1955

Landsberg am Lech (DEU)

Martha Bernstein

Halle/Saale (DEU) 1874 ‒ 1955 Landsberg am Lech (DEU)

Die Schönheit der Farbe in der Kunst und im täglichen Leben – so betitelte Martha Bernstein 1921 ihr Buch über die Beziehung zwischen Farbe, Linie, Fläche und Raum. Doch publizierte sie es nicht unter ihrem vollständigen Namen, sondern verwendete das geschlechtsneutrale Kürzel „M. Bernstein“. Der Grund: Frauen als Autorinnen und Künstlerinnen wurden zu dieser Zeit kaum ernst genommen, ihre Bücher verkauften sich schlecht. Martha Bernstein wuchs in einer wohlhabenden jüdischen Familie in ihrem Geburtsort auf. Ihre Eltern, die Pianistin Sophie Levy (1856–1923) und der Physiologie-Professor Julius Bernstein (1839–1917), förderten ihre künstlerische Begabung. Ihre beiden Brüder, Felix (1878–1956) und Rudolf (1880–1971), emigrierten wie sie selbst während der Zeit des Nationalsozialismus.

Mit 16 Jahren begann Bernstein ihr Kunststudium bei Ludwig Schmid-Reutte (1862–1909), der zusammen mit Friedrich Fehr (1862–1927) eine Spezialschule für künstlerische Anatomie in München leitete. Im Gegensatz zur staatlichen Akademie stand diese Privatschule auch Frauen offen, war allerdings deutlich teurer und daher nur für „höhere Töchter“ eine Option. 1909 setzte Bernstein ihr Studium bei dem schwäbischen Landschaftsmaler Christian Landenberger (1862–1927) in Dießen am Ammersee fort, bevor sie in die pulsierende Kunstmetropole Paris ging. Um 1900 wirkte die Stadt mit ihren modernen Ausbildungsmöglichkeiten und dem Versprechen kreativer Freiheit wie ein Magnet auch auf junge Künstlerinnen. Bis 1912 studierte sie an der privaten Malschule von Henri Matisse (1869–1954), reiste jedoch häufig nach Berlin und wurde freies Mitglied der Berliner Secession, an deren jährlichen Ausstellungen sie teilnahm. Inspiriert vom liberalen Geist des Künstlerviertels Montparnasse, vielleicht sogar im Atelier von Matisse, entstand 1911 der abgebildete Frauenakt im Atelier. Darin kombinierte sie einen plastisch modellierten Frauenkörper mit einem abstrakten, skizzenhaften Hintergrund. In Paris wurde sie mit Käthe Kollwitz (1867–1945), Sabine Lepsius oder Paula Modersohn-Becker (1876–1907) zu den „Malweibern“ gezählt, einer ursprünglich abwertend so benannten Gruppe deutscher Künstlerinnen in der französischen Hauptstadt.

Nach ihrer Rückkehr nach Halle hielt Bernstein ab 1913 an der Städtischen Frauenschule zu Halle Vorträge über die Grundlagen der angewandten Kunst. Im Jahr 1923 heiratete sie den Kapellmeister Max Christian Neuhaus (1874–1935), doch die Scheidung folgte bereits 1927. Neuhaus war später Musikreferent des Völkischen Beobachters, dem Parteiorgan der NSDAP. Ab 1931 lebte Bernstein in Dießen am Ammersee, wo sie in den Tuschezeichnungen der Serie Modernes Malerinnenleben die Situation der oftmals belächelten Künstlerinnen karikierte. Ihr neues Umfeld hielt sie bereits 1921 in ihrem Werk Badestrand fest. Ihr familiärer Hintergrund machte sie unter dem Nationalsozialismus zur Verfolgten. 1941 gelang ihr die Flucht nach Baden in der Schweiz, wo ihr Bruder Rudolf sie aufnahm. Nach Kriegsende kehrte sie nach Bayern zurück, doch an ihre frühere Karriere konnte sie nicht mehr anknüpfen.

LITERATURAUSWAHL:

-Die Malweiber von Paris. Deutsche Künstlerinnen im Aufbruch, hg. v. Helga Gutbrod (Ausst.-Kat. Edwin Scharff Museum Neu-Ulm / Kunsthalle Jesuitenkirche, Museen der Stadt Aschaffenburg / Kunststätte Bossard, Jesteburg), Berlin 2015

-Martha Bernstein (1874–1955), https://st.museum-digital.de/people/7580 (14.1.2025)

-Martha Bernstein, Die Schönheit der Farbe in der Kunst und im täglichen Leben, München 1921

Werke

Frauenakt im Atelier

Öl auf Leinwand

75 × 52 cm

Junge Frau mit Zöpfen

Öl auf Leinwand

60 × 40,7 cm

Badestrand

Öl auf Buchenfurnier

24,8 × 32 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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