
Künstler

Badende
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o.D.
Deicher, Luise
1891
Waiblingen (DEU)
-
1973
Waiblingen (DEU)
Luise Deicher Waiblingen (DEU) 1891 ‒ 1973 Berlin (DEU) Luise Deicher konnte dank ihres aufgeschlossenen Vaters, eines in den USA zu Wohlstand gelangten Privatiers, eine Zeichenschule besuchen. Anders als die staatlichen Kunstakademien, die Frauen zu dieser Zeit noch nicht regulär aufnahmen, standen private Institutionen zahlungskräftigen Studentinnen offen. Mit der Empfehlung ihres Zeichenlehrers erhielt die 17-jährige Deicher 1908 die Möglichkeit, an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart zu studieren. Zunächst wurde sie von Gustav Igler (1842–1938) unterrichtet, später von Adolf Hölzel (1853–1934) und Heinrich Altherr (1878–1947). Damit gehörte Deicher zu den ersten Künstlerinnen in Stuttgart mit einer offiziellen akademischen Ausbildung. Nach dem Studium richtete sie sich ein Atelier in Stuttgart ein, wo sie auch einen Schüler:innenkreis unterrichtete. Durch den Verkauf ihrer Bilder – meist Porträts und Stillleben – sowie ihre Lehrtätigkeit war sie finanziell unabhängig, was für Frauen in der damaligen Kunstwelt eine Ausnahme darstellte. Mit ihrem Freund und Mäzen, dem jüdischen Geschäftsmann Hermann Dreifus (1868–1941), unternahm sie mehrere Studienreisen durch Europa. Sie beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, unter anderem 1923 an der Großen Deutschen Kunstausstellung in Karlsruhe und an den Ausstellungen der Stuttgarter Sezession. 1934 hingen ihre Bilder in der Ausstellung Süddeutsche Kunst in München und 1937 in der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst. Auch wenn ihre Kunst ab 1933 nicht direkt angegriffen wurde, war die Künstlerin stark vom wachsenden Druck des nationalsozialistischen Regimes betroffen. Ihr Bruder Eugen beging 1940 Selbstmord, nachdem seine jüdische Frau verhaftet und nach Theresienstadt deportiert worden war. Ein Jahr später nahm sich auch Dreifus das Leben, um der Deportation zu entgehen. Erschüttert von diesen Ereignissen, zog sich Deicher in ihren Geburtsort Waiblingen zurück. Sie wandte sich vom Ausstellungstrieb ab und malte fortan nur noch unverfängliche Motive wie Landschaften, Stillleben und Familienbildnisse. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog sie gemeinsam mit ihrem Bruder Karl in ein Dorf im Großbottwartal. Dort widmete sie sich vor allem dem Genre, das ihr stets die größte Freude bereitet hatte: der Porträtmalerei. LITERATURAUSWAHL: -Annette Clauß, Frauenkunst aus Waiblingen. Viel zu schade nur für das Depot, in: Stuttgarter Zeitung, 2014, https://t1p.de/Frauenkunst (14.4.2025) -Anne-Kathrin Herber, Frauen an deutschen Kunstakademien im 20. Jahrhundert. Ausbildungsmöglichkeiten für Künstlerinnen ab 1919 unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Kunstakademien, Diss. Universität Heidelberg, 2009 Formularbeginn - Ingrid von der Dollen, Malerinnen im 20. Jahrhundert. Bildkunst der „verschollenen Generation“. Geburtsjahrgänge 1890–1910, München 2000, S. 295
Werke

Blumenstillleben mit Obstschale
Öl auf Leinwand
64 × 90 cm

Badende
Öl auf Leinwand
43 × 58 cm

Badende
Öl auf Karton
24 × 30 cm