Künstler
Hartogh, Rudolf Franz
1889
Hamburg (DEU)
-
1960
Fischerhude (DEU)
Rudolf Franz Hartogh Hamburg (DEU) 1889 – Fischerhude (DEU) 1960 Rudolf Franz Hartogh zählt zu den wenigen Kunstschaffenden der Sammlung, die die Deportation in ein Konzentrationslager überlebt haben. Als jüngstes von drei Geschwistern wurde er in eine wohlhabende evangelische, aus Amsterdam stammende Familie geboren. Im Kindesalter erkrankte er an Meningitis und verlor mit sechs Jahren das Gehör. Durch seine außerordentliche Lernfähigkeit eignete er sich das Lippenlesen an. Nach dem Schulabschluss erhielt er für eineinhalb Jahre privaten Zeichenunterricht bei Hermann Bruck (1873–1951) in Hamburg. Ab 1906 bildete er sich an der renommierten Berliner Lewin Funcke-Schule in Malerei und Plastik weiter. Dort wurde er dank der Fürsprache von Max Liebermann (1847–1935) für fast vier Jahre Schüler von Lovis Corinth (1858–1925). Im Oktober 1910 wechselte Hartogh an die Hochschule für bildende Künste in Weimar. Im darauffolgenden Sommer kam er zum ersten Mal nach Fischerhude, einem kleinen Dorf nahe Worpswede, dem Ort der berühmten, Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Künstlerkolonie. Dort im Teufelsmoor bei Bremen ließen sich Künstler:innen durch die einzigartige Landschaft mit besonderem Licht und melancholischer Atmosphäre inspirieren. Ab 1919 studierte er zunächst Malerei am Bauhaus in Weimar, bevor er dort 1923 eine Schreinerlehre begann. Nachdem er sich 1930 als freischaffender Künstler in Bremen niedergelassen hatte, heiratete er die Journalistin Eva Pfitzner (1893–1974). Gemeinsam kehrten sie bis Kriegsbeginn fast jeden Sommer nach Fischerhude zurück. Der weitere Lebensweg des Künstlers ist weniger gut überliefert: Im Jahr 1937 kam Hartogh in eine ausweglose Situation, denn er konnte keine vollständige „arische Abstammung“ nachweisen. Als sich ein holländischer Neffe bei der SS bewarb, wurde entdeckt, dass die Großeltern Hartoghs jüdischer Herkunft waren. Ihm wurde nahegelegt, den Bremer Künstlerbund zu verlassen. Der Austritt bedeutete, dass er keinen Zugang zu Malutensilien hatte und Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten verlor. Trotzdem erhielt er durch die Bremer Gestapo weiterhin kleinere unentgeltliche Aufträge, etwa zur Gestaltung von Glückwunsch- oder Einladungskarten. Der gehörlose Künstler wurde im April 1943 vom „Sippenamt“ als jüdisch deklariert. 1944 wurde er verhaftet und in das KZ-Arbeits- und Außenlager Farge bei Bremen gebracht. Nachdem er dort zeitweise schwere Zementsäcke tragen musste, erkrankte er an Rheuma. Schwerkrank wurde er schließlich nach Theresienstadt deportiert, wo er in der „Ghetto-Bibliothek“ beschäftigt war und diese später leitete. Da sich Eva einer Scheidung widersetzte, wurde sie als Zwangsarbeiterin ebenfalls dort interniert. Als zwei Jahre später die US-Amerikaner das Lager befreiten, befand sich der Künstler gemeinsam mit seiner Ehefrau unter den Geretteten. Die gesundheitlichen Schäden waren bis in die späte Nachkriegszeit spürbar, dennoch nahm er seine künstlerische Tätigkeit wieder auf. Das Paar bereiste England, Frankreich, die Niederlande und weitere Länder, bevor es sich schließlich in Fischerhude niederließ – einem Ort, den Hartogh noch immer mit tiefem Glück verband. LITERATURAUSWAHL: - Cornelia Schertler, Rudolf Franz Hartogh (1889–1960). Norddeutscher Maler und Graphiker. Monographie und Werkverzeichnis, Diss., Heidelberg 2006 - Jürgen Schultze, Künstler in Fischerhude, Bremen 1984 - Rudolf Franz Hartogh 1889–1960, hg. vom Fischerhuder Kunstkreis e.V., Bremen o. J.
Werke
Bildnis Sophie Barbarino mit Kind
Öl auf Leinwand
77 × 73 cm
Segelboote
Öl auf Leinwand
68,4 × 83,5 cm
Bildnis einer Bauersfrau
Öl auf Leinwand
46 × 46 cm
Bildnis eines Soldaten
Öl auf Leinwand
46 × 46 cm
Selbstporträt
Öl auf Leinwand
70,5 × 37,5 cm