Skip to Content
Museum logo de web
2021 0404D

Künstler

2021 0404D

Untergrundbahn

|

1954

Kern, Theodor

1900

Salzburg (AUT)

-

1969

Hitchin (GER)

Theodor Kern

Salzburg (AUT) 1900 – Hitchin (GER) 1969

Auch der Salzburger Künstler Theodor Kern entschied sich in der Zeit des „Anschlusses“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 für die Flucht ins Exil. Als jüngstes von drei Geschwistern wuchs er in unmittelbarer Nähe des Salzburger Kommunalfriedhofs auf. In Wien studierte er 1918 an der Akademie der bildenden Künste und stellte 1923 erstmals mit der Wiener Secession aus.

Im selben Jahr lernte er den Künstler Anton Faistauer (1887–1930) kennen, dessen Schüler und Mitarbeiter er wurde. Ebenfalls in Salzburg begegnete er der Ungarin Christine Kucera (1900 – unbekannt), die dort auf Besuch bei ihrer Tante war. Die Tochter des Künstlers Josef Engelhardt (1864–1941) verliebte sich trotz der Ablehnung ihres Vaters in den aufstrebenden Künstler. Im März 1927 heirateten die beiden in Preßburg, dem heutigen Bratislava. Im Jahr darauf unterstützte Kern Faistauer bei den Fresken im Foyer des Salzburger Festspielhauses. Beide verstanden sich zudem auf einer persönlichen Ebene, sodass aus der Lehrer-Schüler-Beziehung eine Künstlerfreundschaft wurde. Zu Kerns Bekanntenkreis zählten neben Künstlern auch Literaten wie Stefan Zweig (1881–1942) und Hugo von Hofmannsthal (1874–1929).

Um seine Kenntnisse der Techniken Lithografie und Radierung zu vertiefen, nahm Kern 1930 ein Studium an der Akademie in Breslau auf. 1932/33 folgte sein erster Aufenthalt in England, wo er zeitweise am renommierten Eton College unterrichtete. Nach dem Verlust eines ungeborenen Kindes und der Entfremdung von seiner Ehefrau in den 1930er-Jahren folgte die Scheidung. In dieser Zeit wohnte der Künstler abwechselnd in England, Wien und Salzburg. Zudem bereiste Kern verschiedene Länder, wobei besonders die südlichen Ziele wie Sizilien, Florenz oder die Côte d’Azur einen bleibenden Eindruck hinterließen. In seinem Atelier im Künstlerhaus in Wien führte er außerdem eine Malschule und war Mitglied in Künstler:innengruppen wie dem Hagenbund oder dem Sonderbund Österreichischer Künstler.

Bereits während der Zeit des Austrofaschismus wurde moderne Kunst auch in Österreich zunehmend zensiert. Mit dem „Anschluss“ verschärfte sich die Lage weiter. Liberale und avantgardistische Künstler:innenvereinigungen wurden starker Repression ausgesetzt. Die expressionistischen Fresken im Festspielhaus, in der Presse als „entartet“ bezeichnet, wurden entfernt, offiziell im Rahmen einer Baumaßnahme.

Vor diesem Hintergrund entschied sich Kern, Österreich zu verlassen, und emigrierte über Triest nach Florenz und von dort in die Schweiz. Mit der Hilfe von Freunden gelangte er schließlich nach Großbritannien. Aus Archivunterlagen ließ sich seine Registrierung im Londoner Stadtteil Chelsea 1939 entnehmen, wo zudem ein pelziger Begleiter namens „Katze-Koch“ angeführt war. Zu seinen ersten Werken im britischen Exil zählten Fresken in zwei Kirchen auf der Isle of Man. 1946 heiratete Kern die deutsche Emigrantin Fridoline Frank (1907–unbekannt); sie lebten in der Ortschaft Hitchin, etwa 60 Kilometer nördlich von London. In den umliegenden Kirchen fertigte er weitere Fresken an, gestaltete Glasfenster für Schulen und unterrichtete verletzte britische Soldaten in den Krankenhäusern von Hertfordshire im Malen. Die Modernität seiner neuen Heimat und vor allem Londons hinterließ auch Spuren in seiner Kunst, so etwa die Londoner U-Bahn in seinem gleichnamigen Gemälde von 1954.

 

LITERATURAUSWAHL:

- Salzburger Stadtarchiv 2025, Korrespondenz vom 19.12.2024

- Salzburger Stadtarchiv, Meldekarte Theodor Kern, 19.12.2024

-Karl Heinz Ritschel, Der Maler Theodor Kern (1900– 1969), Monographische Reise zur Salzburger Kunst, Bd. 12, Salzburg 1990

-Tom Devonshire Jones, The Work of Four European Artists in Churches in Britain, in: Theology 90, 1987, S. 373–381

 

Werke

Untergrundbahn

Gouache auf Papier

75,6 × 50,5

Weitere Künstlerinnen und Künstler

Museum of Lost Generation Art

Prof. Dr. Heinz R. Böhme charitable foundation
Sigmund-Haffner-Gasse 12/1. Stock
5020 Salzburg, Austria
T +43 662 276231‬
E museum@verlorene-generation.com

Sign up for our newsletter

crossmenuarrow-right