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2022 0532A

Künstler

2022 0532A

Die Internierten von St-Sauveur im Schnee

|

1941

Kirszenbaum, Jechezkiel David

1900

Straszow (POL)

-

1954

Paris (FRA)

Jechezkiel David Kirszenbaum

Straszow (POL)1900 – Paris (FRA) 1954

Das im französischen Arbeitslager entstandene Gemälde Die Internierten von St.-Sauveur im Schnee sowie die Briefe an seine Frau aus der Haft gewährten einen eindrucksvollen Blick in das Leben des polnischen Künstlers Jechezkiel David Kirszenbaum und seine Erfahrungen zwischen Verfolgung und Lagerhaft. Als Sohn des Rabbiners im Ort Staszów wuchs er im dortigen „Schtetl“ auf. Das Judentum prägte seine künstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und seinen Erlebnissen während des Holocausts; von Kindheit an hielt er das Leben der jüdischen Menschen in der Diaspora in Bildern und Zeichnungen fest.

Schon in der Zeit des Ersten Weltkrieges machte er einschneidende Erfahrungen, als er am Jom-Kippur-Tag 1914 Zeuge eines Pogroms in seiner Heimatstadt wurde. Nach der Unabhängigkeit Polens 1918 drohte ihm bei Ausbruch des Polnisch-Sowjetischen Krieges im Folgejahr die Einberufung zur polnischen Armee. Die Eltern verkauften ihren Besitz, um ihm die Flucht nach Deutschland zu finanzieren. Wie rund eine halbe Million Polen fand auch Kirszenbaum im Ruhrgebiet Arbeit im Bergbau. Im Jahr 1923 konnte er seine künstlerische Ausbildung am Bauhaus in Weimar beginnen. Zwei Jahre später zog er als freier Künstler und Karikaturist nach Berlin und signierte seine Werke mit dem Pseudonym „Duwdiwani“ (hebräisch für „Kirschbaum“). Seine Arbeiten spiegelten ein breites Spektrum von aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen der Weimarer Republik wider und reichten von allgemeiner Gesellschaftskritik bis hin zur Satire auf rechtskonservative und die NSDAP. 1930 heiratete er die Jüdin Helma Helene Joachim (1904–1944).

Als Mitglied der kommunistischen ASSO (Assoziation revolutionärer bildender Künstler) sah er sich 1933 gezwungen, Deutschland zu verlassen. Da es nicht gelang, Ausreisepapiere nach Amsterdam zu organisieren, emigrierte das Paar nach Paris. Dort erfuhren sie noch ein Stück künstlerische Freiheit; so konnte Kirszenbaum 1935 eine Einzelausstellung bestücken. In Deutschland wurden hingegen seine Werke zwei Jahre darauf als „entartet“ beschlagnahmt und zerstört, darunter eine Druckgrafik mit dem Titel Betende Juden aus dem Städtischen Kunst- und Gewerbemuseum in Dortmund.

Noch vor der offiziellen Etablierung des Vichy-Regimes in Frankreich, unter dem wie in Deutschland jüdische Personen verfolgt wurden, wurde das Paar verhaftet und getrennt voneinander deportiert. Kirszenbaum kam zunächst nach Meslay-du-Maine, wo die Häftlinge knöcheltief im Schlamm standen, während sie ihr eigenes provisorisches Lager errichteten. Womöglich nach der Lageraufösung wurde er im Frühjahr 1940 weiter in das Arbeitslager Camp St.-Sauveur bei Bellac gebracht. Von dort sandte er Postkarten an seine Frau, die er im Camp de Gurs in Südfrankreich vermutete. Während seiner Inhaftierung entstand 1941 die abgebildete winterliche Sicht auf Lagerhäftlinge mit dem Titel Die Internierten von St.-Sauveur im Schnee.

Ein Jahr darauf gelang Kirszenbaum die Flucht aus dem Lager, und er konnte sich bis Kriegsende versteckt halten. Seine Frau sah er nicht wieder: Nach kurzzeitiger Entlassung wurde sie 1943 von den „Befehlshabern der Sicherheitspolizei“ verhaftet und über das Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert, wo sie 1944 ermordet wurde.

 

LITERATURAUSWAHL:

-Nathan Diamant u. a., J. D. Kirszenbaum (1900–1954). The Lost Generation/La Génération Perdue, Paris 2013

-Yechezkel Kirszenbaum, Childhood and Youth in Staszów, in: Life Chapters of a Jewish Artist [1955], Tel Aviv 1962, https://t1p.de/Kirszenbaum (8.4.2025)

-Forschungsstelle „Entartete Kunst“, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin: Jesekiel David Kirszenbaum, https://t1p.de/Kirszenbaum_FU (19.4.2025)

Werke

Rabbi am Fenster

Öl auf Leinwand

41 × 33 cm

Die Internierten von St-Sauveur im Schnee

Öl auf Leinwand

55 × 46,2 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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