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2016 0106

Künstler

2016 0106

Damenporträt

|

1930

Lohse, Carl

1895

Hamburg (DEU)

-

1965

Bischofswerda (DEU)

Bereits im Alter von 14 Jahren wurde Carl Lohses künstlerisches Talent bemerkt, als der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark (1852–1914), auf ihn aufmerksam wurde und ihn förderte. Nach dem Besuch der Staatlichen Kunstgewerbeschule Hamburg studierte er bis 1912 an der Malerschule von Arthur Siebelist (1870–1945) und anschließend ein Jahr an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für bildende Kunst in Weimar. Dort lernte er Otto Pankok (1893–1966) kennen, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband. Gemeinsam arbeiteten sie 1913 und 1914 in Dötlingen im Landkreis Oldenburg und unternahmen eine Studienreise nach Holland. Hier entstanden erste Selbstporträts. Von wann genau das Selbstporträt aus der Sammlung Böhme stammt, ist unklar, allerdings zieht sich das Motiv wie ein roter Faden durch das Werk des Künstlers und findet sich in allen Schaffensphasen wieder. 1915 wurde Lohse zum Kriegsdienst an der französischen Front eingezogen. Er überlebte als Einziger seiner Kompanie und geriet in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1919 zurückkehrte. Über einen befreundeten Fabrikanten gelangte Lohse nach Bischofswerda bei Dresden, wo er als Gast der Familie Scheumann eine seiner fruchtbarsten Schaffensphasen erlebte. Zwischen 1919 und 1921 entstanden dort zahlreiche Werke, die auf die politischen Umwälzungen jener Zeit reagierten. Obwohl er in Kontakt mit der Dresdner Sezession stand und sich 1920 an einer Ausstellung in der Galerie Arnold beteiligte, wurde er selbst nicht Mitglied und schloss sich auch sonst keiner Künstler:innengruppe an. Im selben Jahr zeigte die Galerie Emil Richter seine erste Einzelausstellung. Zwar waren die Kritiken enthusiastisch, der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus, keines der Bilder wurde verkauft.

Von Existenzängsten geplagt, kehrte Lohse nach Hamburg zurück und stellte das Malen fast vollständig ein. In dieser schwierigen Zeit verließ er die evangelische Kirche und trat stattdessen den Zeugen Jehovas bei. Er finanzierte sich mit Gelegenheitsjobs und begann erst Ende der 1920er-Jahre wieder zu malen, als er gemeinsam mit seiner Frau nach Bischofswerda zu den Schwiegereltern zog. Um 1930 nahm er vereinzelt an Ausstellungen teil, wie etwa 1931 in der Galerie Kunstausstellung Kühl in Dresden. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wendete sich das Blatt erneut gegen ihn. Als Zeuge Jehovas war er der Verfolgung ausgesetzt und musste gleich 1933 eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen; Bücher wurden beschlagnahmt und er stand unter polizeilicher Beobachtung. Um dieser zu entgehen, reiste er bis 1937 häufiger an die Ostsee oder besuchte seine Mutter in Hamburg. 1939 lehnte er die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer ab – erneut folgte ein künstlerischer Rückzug. 1943 wurden all seine frühen Werke bei Bombardierungen Hamburgs zerstört. Kurz vor Kriegsende wurde er zum Volkssturm eingezogen, kehrte aber nach wenigen Wochen zurück. Erst Jahre später versuchte Lohse erneut, als Künstler Fuß zu fassen, scheiterte jedoch. Im Zuge der „Formalismusdebatte“ wurde in der DDR subjektive und abstrakte Kunst verunglimpft, gewünscht war der Sozialistische Realismus. Lohse hatte wegen seines Malstils mit Anfeindungen zu kämpfen und musste Durchsuchungen erdulden. Er litt außerdem darunter, lange Zeit nicht in seine Geburtsstadt in Westdeutschland reisen zu dürfen. Erst nach seinem Tod wurde sein eigenständiger künstlerischer Weg sowohl in der DDR als auch in der BRD öffentlich gewürdigt.

 

LITERATURAUSWAHL:

-Carl Lohse. Seelenbilder. Porträts und Landschaften 1910–1940, hg. von Ulrike Kremeier (Ausst.-Kat. Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus), Cottbus 2022

-Diether Schmidt: Die Dresdner Künstlerszene 1913–1933 (Ausst.-Kat. Galerie Remmert und Barth Düsseldorf), Düsseldorf 1987

-Carl Lohse, hg. von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden 1980

Werke

Damenporträt

Öl auf Leinwand

99 × 80,5 cm

Selbstporträt

Öl auf Leinwand

81,5 × 69,5 cm

Aktfigur Gussy Hipold Ahnert (1910-2003)

Gips mit Leimfarbe

Höhe 76 cm

Museum of Lost Generation Art

Prof. Dr. Heinz R. Böhme charitable foundation
Sigmund-Haffner-Gasse 12/1. Stock
5020 Salzburg, Austria
T +43 662 276231‬
E museum@verlorene-generation.com

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