
Künstler

Stillleben mit Birnen
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o.D.
Thesing, Paul Wilhelm Franz Maria
1882
Anholt (DEU)
-
1954
Darmstadt (DEU)
Ursprünglich sollte Paul Thesing in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters, einem Ingenieur in der chemischen Industrie, schlüpfen. Vorbildlich begann er daher ein Studium der Chemie an der TH Darmstadt und in Zürich. Aber zugunsten seiner künstlerischen Interessen brach er dieses Studium ab und folgte seiner Leidenschaft. Laut eigenen Aussagen studierte er in Paris an der École des Beaux-Arts, einer nicht staatlichen Atelierschule und besuchte das Privatatelier bei Henri Matisse. Zudem bereiste er mit einem weiteren Künstler aus der Böhme Collection Rudolf Levy Südfrankreich. Die Zeit des Ersten Weltkrieges verlebte Thesing auf Mallorca, bis er 1920 nach Darmstadt zurückkehrte. Dort wurde er Mitglied in unterschiedlichen Künstlervereinigungen, so bei Das Jungen Rheinland und ab 1921 bei der Darmstädter Sezession. Nach seiner Heirat mit Irene Wiskott und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Jan (*1924) verließ die Familie aufgrund wirtschaftlicher Gründe Deutschland und zieht nach Frankreich und Spanien, wo die Familie „einer bäuerlichen Selbstverpflegung“ nachgeht. Die Rückkehr nach Deutschland 1940 gestaltete sich für Thesing einfacher als gedacht. Obwohl er sich zuvor politisch bei der Sozialistischen Partei Deutschlands (SPD) betätigte und regimekritische Karikaturen für den Hessischen Volksfreund anfertigte wurde er in die Reichskulturkammer der Bildenden Künste aufgenommen. Dort entstanden unter anderem auch regimefreundliche Karikaturen für das Kampfblatt Angriff. Diese war neben dem Völkischen Beobachter die einzige große Zeitung der NSDAP in Berlin. Nebenbei wirkte er zwischen 1940 und 1944 als künstlerischer Berater für die Filmgesellschaft TOBIS. Obwohl Thesing aufgrund seiner Anpassung an die Kunstpolitik während des Nationalsozialismus beruflich tätig sein konnte, wurden zuvor 1937 auch seine Werke aus dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt, dem Städtischen Kunst- und Gewerbemuseum Dortmund sowie den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf entfernt und als „entartet“ beschlagnahmt. Viele weitere Werke wurden 1944 bei einem Bombenangriff unwiederbringlich zerstört. Nach 1945 ist er als Karikaturist für linke Zeitungen wie Stimme der Arbeit tätig. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog "Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten". Dieser ist Hier erhältlich.
Werke

Stillleben mit Birnen
Öl auf Leinwand;Oil on canvas
58 × 70 cm