
Künstler

Golgotha
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1923
Zerbe, Karl
1903
Berlin (DEU)
-
1972
Tallahassee (USA)
Der ehemalige Chemiker, Künstler sowie Professor an der University of Florida hat eine außergewöhnlich vielschichtige Biografie. Karl Zerbe wurde in Deutschland geboren, siedelte jedoch bereits in jungen Jahren mit seiner Familie nach Frankreich über, wo er in Paris die Grundschule besuchte. Trotz dieses frühen Auslandsaufenthalts kehrte die Familie nach Deutschland zurück und ließ sich in Frankfurt am Main nieder. Dort strebte der junge Zerbe zunächst eine „brotverdienende“ Ausbildung an und begann ein Studium der Chemie an der Technischen Hochschule in Friedberg. Zerbes Lebensweg wurde maßgeblich durch die politischen Umbrüche seiner Zeit geprägt. Nach seinem Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste sowie an der Debschitz-Schule schloss er sich ab 1923 verschiedenen Ausstellungsgemeinschaften an. Mehrere Studienreisen folgten; ein zweijähriger Aufenthalt in Italien wurde dabei finanziell von der Stadt München unterstützt und erwies sich als prägend für seine künstlerische Entwicklung. Als das nationalsozialistische Regime seine Werke als „entartet“ diffamierte und zerstörte, sah sich Zerbe zur Flucht gezwungen und emigrierte 1934 nach Boston. Die 1931 gegründete Künstlergruppe Sieben Münchner Maler, der Karl Zerbe gemeinsam mit Albert Burkart, Günther Grassmann und Otto Nückel angehörte wurde 1937 aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt leitet er bereits die Malereiabteilung an der School of the Museum of Fine Arts (SFMA) und wurde zu einer zentralen Figur der sogenannten Boston Expressionists. Unzufrieden mit der langen Trocknungszeit von Ölfarben wandte er sich zunächst der Gouache zu und entwickelte parallel ein eigenes technisches Brennverfahren, das ein schnelleres Trocknen der Farben ermöglichte. Dieses Verfahren stellte er seinen Studierenden vor und ermutigte sie konsequent zu experimentellem Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien. Neben seiner künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit engagierte sich Zerbe auch kulturpolitisch. Als Aktivist übernahm er das Amt des Präsidenten der Artists Equity Association, das Ende der 1940er-Jahre gegründet worden war, um die wirtschaftlichen Interessen von Künstlerinnen und Künstlern zu vertreten. Ab 1954 lehrte Zerbe an der University of Tallahassee, wo er bis zu seinem Tod tätig blieb. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich zunehmend der Vogelkunde, ein Interesse, das sich deutlich in seinen späten Werken widerspiegelte. Zahlreiche Werke werden im Beschlagnahmeinventar (Berlin) als „im NS-Inventar als zerstört verzeichnet“ gelistet. Das Museum of Lost Generation Art besitzt ein seltenes Frühwerk von 1923 in seiner Sammlung! Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten “. Dieser ist HIER erhältlich.
Werke

Golgotha
Öl auf Leinwand;Oil on canvas
43 × 46,5 cm (prüfen!)