Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette
Künstler
Heider-Schweinitz, Maria von
1894
Darmstadt (DEU)
-
1974
Frankfurt am Main (DEU)
Johanna Maria Lina Gräfin von Schweinitz und Krain, Freiin von Kauder, wird in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie geboren. Im Anschluss an ihren Schulbesuch erhält sie ihren ersten Kunstunterricht bei dem französisch-deutschen Maler Georg Mosson in Berlin, der Gründungsmitglied der Berliner Secession war. 1915 heiratet sie den aus Ulm stammenden Offizier Karl von Heider und kurz darauf kommt die erste Tochter Godela zur Welt. Nachdem die Familie 1918 nach Frankfurt am Main übersiedelt, werden ihre beiden Söhne Hagen und Horand geboren. Vermutlich war sie aufgrund der familiären Verpflichtungen zum Pausieren ihrer künstlerischen Tätigkeit gezwungen, bis ihre Kinder das schulfähige Alter erreichten. Heider-Schweinitz lässt sich an der Städelschule bei Richard Scheibe in der Bildhauerei ausbilden. Anfang der 30er-Jahre unterhält sie enge Kontakte zu anderen Künstlern ihrer Zeit, durch die sie entscheidend geprägt wird. Die Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff führt sie sich immer mehr der expressionistischen Malerei zu. Beide halten sich regelmäßig bei der Künstlerin und Galeristin Hanna Bekker vom Rath in Hofheim auf. Heider-Schweinitz schließt auch Bekanntschaften mit Gerhard Marcks und Wilhelm Nay und verbringt Sommermonate der folgenden Jahre oft in der Künstlerkolonie am Lebasee in Pommern. Ab 1934 unterhält sie ein eigenes Atelier am Städelschen Kunstinstitut. Aus dieser Zeit stammen die ersten erhaltenen Ölgemälde der Künstlerin. Mit ihrem expressiven Stil widerspricht sie der nationalsozialistischen Kunstdoktrin. Obwohl sie unbehelligt als Künstlerin tätig sein kann, ist ihr aus diesem Grund nur ein Schaffen im Privaten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit möglich. Sie pflegt intensiven Kontakt zu anderen, als „entartet“ verfemten Künstlern. In dieser Zeit entsteht auch das aus dem Jahr 1937 datierte „Erweiterte Selbstbildnis“. Ab 1938 erhält sie Malverbot. In den Kriegsjahren nimmt der Kontrast in ihren Bildern zu, der von der Sinnsuche der Malerin angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung zeigt. Im November 1943 fällt ihr Atelier einem Luftangriff zum Opfer. Nachdem beide Söhne 1941 zum Russlandfeldzug eingezogen werden, erleiden beide schwere Kriegsverletzungen, an denen ihr Sohn Horand 1944 verstirbt. In den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit verliert Heider-Schweinitz circa 300 Gemälde ihres bisherigen Schaffens, darunter auch Frühwerke, die sie nach Sachsen und Pommern ausgelagert hatte. Aufgrund des Materialmangels arbeitet die Künstlerin in dieser entbehrungsreichen Zeit verstärkt mit Feder und Tusche. Sie hat zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ihr Mann wird nach seiner Entlassung aus einer leitenten Position in der I. G. Farben wiederholt inhaftiert. Heider-Schweinitz kann ab 1946 wieder öffentlich ausstellen, wie in der Marburger Galerie Senta Kahl, im September 1947 mit der Zehlendorfer Frauengruppe in Berlin und in Gießen in der Galerie Holderer. Im Juli präsentiert Hanna Bekker vom Rath die erste Einzelausstellung der Künstlerin in ihrem Frankfurter Kunstkabinett. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten“. Dieser ist HIER erhältlich.
Werke
Erweitertes Selbstbild
Öl auf Leinwand
71,5 × 91,5 cm
Mädchenporträt mit grünem Hintergrund
Öl auf Leinwand
105,7 × 75,4 cm
Im Streifenlicht
Öl auf Leinwand
91 × 65,7 cm
Frau mit Kaffeetasse
Öl auf Leinwand
95,5 × 80,5 cm