
Künstler

Blumen in einer Vase
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o.D.
Schalek, Malva
1882
Prague (CZE)
-
1944
Auschwitz (POL)
Die jüdische Malerin Malva Schalek (Malvína Schalková) wurde am 18. Februar 1882 in eine liberale Prager Familie hineingeboren. Neben ihrem Bruder Robert (1877–1957) und ihrer 1881 geborenen Schwester Julia Eckstein war sie das jüngste Kind der Familie. Ihr Vater war Gustav Schalek, ein Prager Buchhändler, und ihre Mutter Baldnina, geborene Simonová, eine äußerst gebildete und mehrsprachige Frau. Schalek studierte an der Frauenakademie in München bei Moritz Heymann und Walter Thor. Bereits nach einem Jahr erhielt sie Privatunterricht in Wien. Um ihre künstlerischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, lernte sie bei der Porträtmalerin Marie Rosenthal-Hatschek. Der Journalist und Kritiker Max Milrath zählte Schalek 1919 an „vorderste Reihe mit den österreichischen Porträtistinnen“. Auch ihre Familie unterstützte ihre künstlerischen Bestrebungen und war stolz auf ihre Arbeit. Besonders eng war sie mit ihrer Tante Emma Richter und ihrem Onkel Carl verbunden, bei denen sie zeitweise wohnte. Ein weiterer Onkel, der Bankier Joseph Simon, finanzierte ihr 1916 eine eigene Atelierwohnung in Wien. Eine enge Beziehung hatte Schalek dadurch auch zur Welt des Theaters, denn das Wohnatelier befand sich im Dachgeschoß des „Theater an der Wien“. Über das wohlhabende Klientel ihres Onkels erhielt Schalek zahlreiche Aufträge. Unter anderem porträtierte sie die langjährige vermeintliche Geliebte Kaiser Franz Joseph I., die Hofschauspielerin Katharina Schratt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 floh Schalek aus Wien. Ihre inzwischen verwitwete Tante Emma und deren Sohn Oswald begleiteten sie. Oswald war als Rechtsanwalt für die Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) tätig. Die Partei war bereits 1934 verboten worden, sodass er aufgrund seiner politischen Tätigkeit verfolgt und letztlich im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde. Schalek und ihre Tante flohen hingegen in die Tschechoslowakei und ließen sich zunächst in Leitmeritz (Litoměřice) nieder. Dort lebte ihr Bruder Robert. 1939 wurde die Künstlerin offiziell als „reichsdeutsche“ Staatsangehörige jüdischen Glaubens registriert. Von der Deutsche Gesandtschaft in Prag registriert, erhielt sie vom zuständigen Landesamt eine Aufenthaltserlaubnis, die bis Mai 1940 gültig war. In einem polizeilichen Untersuchungsbericht vom 26. Juli 1939 wurde sie als „politisch indifferent“ und mit einwandfreiem Leumund vermerkt. Zudem hielt der Bericht fest, dass sie von der finanziellen Unterstützung ihres Bruders lebte und keiner Erwerbstätigkeit nachging. Schalek gab an, nach England auswandern zu wollen. Am 9. August 1939, nur wenige Wochen vor Kriegsbeginn, wurde ihre polizeiliche Erfassungskarte mit dem Vermerk „Evid. karta na GESTAPO“ („Erfassungskarte für die Gestapo“) versehen. Trotz ihrer einflussreichen familiären Beziehungen und der bestehenden Aufenthaltserlaubnis wurde Schalek in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort hielt sie den Alltag heimlich in Zeichnungen und Gemälden fest. Ihre Kunstwerke hatte sie bei ihrer Flucht in ihrem Wiener Atelier zurücklassen müssen. Später wurden sie von ihrer Haushälterin Grete Kohn-Knoll verwahrt. Zahlreiche Werke gingen in der Folge jedoch verloren. Am 18. Mai 1944 wurde Schalek mit einem Transport von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich im September 1944 ermordet. Als möglicher Grund für ihre Deportation wurde ihre Weigerung genannt, ein Porträt eines mit den Nationalsozialisten kollaborierenden Arztes im sogenannten „Vorzeigelager“ Theresienstadt anzufertigen. 2019 wurde in der Nähe ihres ehemaligen Ateliers ein Gemeindebau nach der Künstlerin benannt. Zahlreiche ihrer Werke, darunter Zeichnungen aus dem Ghettoalltag, wurden nach dem Krieg dem Ghetto Fighters’ House Museum in Israel übergeben. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten“. Dieser ist HIER erhältlich.
Werke

Blumen in einer Vase
Öl auf Leinwand
63,3 × 48,2 cm
o. D.
