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2024 0661A

Künstler

2024 0661A

Szene mit Medusa

|

o.D.

Schwarzschild, Alfred

1874

Frankfurt am Main (DEU)

-

1948

London (GBR)

Mit Alfred Schwarzschild begegnet uns ein Künstler, der wiederholt die Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland antritt. Als zweites Kind von Henriette Ottilie (1852–1922) und Moses Schwarzschild (1837–1916) wächst er in einer wohlhabenden jüdischen Familie auf und wird zu einem liberalen Freidenker erzogen. Bereits früh erkennt er sein künstlerisches Interesse und studiert im „Zentrum der Neuen Sachlichkeit“ an der Karlsruher Akademie. Nach ersten Ausstellungen, darunter 1903 in Paris, etabliert sich Schwarzschild als erfolgreicher Porträtmaler. Mit leuchtenden Ölfarben und zeichnerischem Stil inszeniert der Künstler seine Motive abseits einer stilistischen Einordnung. Im Ersten Weltkrieg wird er als Kriegsfotograf und Zeichner eingesetzt, 1924 zieht er nach München und eröffnet dort sein eigenes Atelier. Im selben Jahr heiratet er Theodora Luttner (1901–1999), sie bekommen drei Töchter.  Angesichts der zunehmenden Repressionen gegen jüdische Künstlerinnen und Künstler ab 1933 wird der Verkauf seiner Werke immer schwieriger. Doch mit der Gestaltung von Souvenirpostkarten kann Schwarzschild ein wenig verdienen. Obwohl der Künstler seine Werke ab den späten 1930er-Jahren nicht mehr signiert, lässt er dennoch persönliche Elemente in die Auswahl seiner Bildmotive einfließen: Für die Figur des „Münchner Kindls“ auf der Postkarte Gruß aus München dient seine jüngste Tochter Theodora (*1932) als Modell. So wirbt ausgerechnet ein jüdisches Mädchen für die Stadt – mit einer großen Brezel unter dem Arm und einem Maßkrug in der Hand. Doch ab 1936 wird die finanzielle Lage unhaltbar, und Schwarzschild entscheidet sich, zunächst ohne seine Familie nach London zu emigrieren, um von dort ihren Lebensunterhalt zu sichern. Gerade als in München die Große Deutsche Kunstausstellung 1937 ideologische und propagandistische Standards der nationalsozialistischen Kunst setzt, kehrt Schwarzschild für kurze Zeit in die Stadt zurück. Dort erlebt er die tiefgreifenden Veränderungen Münchens, die massive Umgestaltung zu Propagandazwecken und den aufkommenden „Führerkult“. Da das öffentliche Leben von antisemitischen Gesetzen geprägt ist und Minderheiten zunehmend der Verfolgung ausgesetzt sind, emigriert er umgehend ein weiteres Mal nach England. Diesmal folgen seine Frau und Kinder ihm. Daraufhin wird Schwarzschild bei den NS-Behörden denunziert, sein Bankkonto beschlagnahmt und enteignet. Während des Zweiten Weltkrieges dient die zur britischen Krone gehörende Isle of Man als Internierungslager. Auch Schwarzschild wird dort für kurze Zeit inhaftiert, darf jedoch künstlerisch arbeiten. Zwei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands entsteht das Siegesporträt, das 2022 zusammen mit weiteren Werken von der heute in Neuseeland lebenden Tochter des Künstlers – dem „Münchner Kindl“ von 1935 – an das Museum übergeben wird. Das Werk zeigt den Künstler vor seiner Staffelei, eine große strahlende Sonne malend. Er sitzt auf dem Rücken des am Boden kauernden Hitler, aus dessen Augen blutige Tränen strömen. Die als Klauen dargestellten Hände Hitlers spielen vermutlich auf die von Schwarzschild am eigenen Leib erfahrene Enteignung und den Raub an der jüdischen Bevölkerung an.

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten“. Dieser ist HIER erhältlich.

Werke

Frau mit Rose

Öl auf Holz;Oil on wood

67 × 54 cm

Vier Brüder auf einem schwankenden Boot

Öl auf Leinwand

22,5 × 32,7 cm

Mutter mit Kind

Öl auf Malkarton;Oil on painting cardboard

20 × 11 cm

Rübezahl oder gute Ernte

Öl auf Malkarton;Oil on painting cardboard

31,4 x 38,4 cm

Siegesporträt

Öl auf Malkarton;Oil on painting board

28 x 20 cm

Drei Männer und zwei Phantasievögel

Öl auf Malkarton;Oil on painting board

30,8 x 18,6 cm

Skizze einer üppigen Weiblichkeit

Öl auf Malkarton;Oil on painting cardboard

18 x 35,5 cm

Kinder spielen auf Wiese. Großformatige Komposition

Öl auf Leinwand;Oil on canvas

99,5 × 149,5 cm

Der Traum

Öl auf Karton;Oil on cardboard

24,5 × 29,5 cm

Circe und die Fischer

Öl auf Leinwand;Oil on canvas

111 × 112,8 cm

Allegorie auf das Alter und die Jugend

Öl auf Leinwand;Oil on Canvas

82,1 × 100 cm

Szene mit Medusa aus der griechischen Mythologie

Öl auf Leinwand;Oil on Canvas

75,5 × 70,5 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

Fischerhafen Richter, Klaus

(1887 - 1948)

Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette

Strawinsky, Théodore

(1907 - 1989)

Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette

Lerch, Franz

(1895 - 1977)

Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette

Lehre, Wanda

(Unbekannt - Unbekannt)

Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette

Museum Kunst der Verlorenen Generation

Prof. Dr. Heinz R. Böhme gemeinnützige Stiftung
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