
Künstler

Schlafendes Kind
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1908
Berend-Corinth, Charlotte
1880
Berlin (DEU)
-
1967
New York (USA)
Charlotte Berend-Corinth Berlin (DEU) 1880 ‒ 1967 New York (USA) Charlotte Berend war nicht nur eine vielseitige Künstlerin, sondern auch eine Unterstützerin ihres erfolgreichen Ehemannes, des Impressionisten Lovis Corinth (1858–1925). Geboren als Tochter eines jüdischen Kaufmanns, schien sie aus heutiger Sicht gute Voraussetzungen für eine Karriere als Künstlerin zu haben – doch um 1900 hatten Frauen es deutlich schwerer als ihre männlichen Kollegen. Da sie noch nicht zum regulären Kunststudium an Hochschulen zugelassen wurden, mussten sie sich mit privaten oder kunstgewerblichen Ausbildungsstätten begnügen, deren Prestige nicht an das einer anerkannten staatlichen Akademie heranreichte. So erging es auch Charlotte Berend: Mit der Erlaubnis ihres Vaters bewarb sie sich 1898 an der Königlichen Kunstschule zu Berlin, an der seit 1874 auch Frauen im Zeichenseminar zugelassen waren. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wurde sie als eine von nur zwei Frauen aufgenommen. Später durfte sie an der weiterführenden Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin die Aktzeichenkurse der „Herrenklassen“ besuchen – damals eine Seltenheit für Frauen. Ihre privilegierte Situation veränderte sich jedoch grundlegend, als ihr Vater sein gesamtes Vermögen verlor und sich das Leben nahm. Finanzielle Not zwang Charlotte, an die günstigere, neu eröffnete private „Malschule für Weiber“ von Lovis Corinth zu wechseln, was ihre Karrierechancen zunächst einschränkte. Als Schülerin Corinths wurde sie bald sein Modell und schließlich seine Geliebte. Als die beiden 1904 heirateten, nahm Charlotte als „moderne“ Frau einen Doppelnamen an. Noch im selben Jahr kam ihr Sohn Thomas (1904–1988) zur Welt, 1909 folgte ihre Tochter Wilhelmine (1909–2001). Zwischen häuslichen Pflichten und ihrer Rolle als Mutter sowie als Ehefrau eines erfolgreichen Künstlers fand sie wenig Zeit, selbst künstlerisch zu arbeiten, blieb aber dennoch ambitioniert. Im Jahr 1906 wurde sie in die Berliner Secession aufgenommen, als eine von nur vier Frauen in diesem Jahr. Zudem stand sie ihrem Mann immer wieder Modell – rund neunzigmal in zwanzig Jahren. Als Lovis Corinth 1911 einen Schlaganfall erlitt, pflegte sie ihn bis zu seiner Genesung. 1919 richtete sich die Familie ein Sommerdomizil in Urfeld am Walchensee in Bayern ein, doch Corinth verbot seiner Frau, dort zu malen, da die Landschaftsimpressionen allein von ihm auf Leinwand festgehalten werden sollten. Trotzdem fertigte sie heimlich Skizzen an und stieg 1924 – wie 1911 bereits ihr Mann – zum Vorstandsmitglied der Berliner Secession auf. Als Lovis 1925 verstarb, veröffentlichte sie 1926 seine Autobiografie und organisierte eine Gedächtnisausstellung in der Berliner Nationalgalerie. Gleichzeitig begann sie mit der Erstellung seines Werkverzeichnisses. Daneben eröffnete sie 1927 ihre eigene Malschule in Berlin und stellte ihre Kunst in Deutschland, Italien sowie den USA aus. Während dieser Zeit lebte sie überwiegend in Italien, bis Benito Mussolinis (1883–1945) antijüdische Rassengesetze sie zur Flucht zwangen. Über die Schweiz emigrierte sie 1939 nach New York, wo ihr Sohn bereits seit 1931 lebte. Trotz der politischen Umbrüche blieb sie auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland aktiv: 1934 beteiligte sie sich noch an der Ausstellung „Die Deutsche Frau“ in Münster, doch nur wenige Jahre später wurde eines ihrer Werke als „entartet“ aus der Städtischen Galerie in Nürnberg entfernt. In den USA baute sie sich ein neues Leben auf und eröffnete 1943 ihre zweite Malschule in New York, die sie bis 1955 führte. LITERATURAUSWAHL: -Charlotte Berend-Corinth. Wiederentdeckt! / Re[1]discovered!, hg. von Andrea Jahn (Ausst.-Kat. Saarlandmuseum – Moderne Galerie Saarbrücken), München 2022 -Katja Behling, Charlotte Berend-Corinth. 1880–1967, in: Die Malweiber. Unerschrockene Künstlerinnen um 1900, hg. von Katja Behling und Anke Manigold, 3. Auf[1]lage München 2009, S. 76–7 -Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, hg. von der Berlinischen Galerie (Ausst.Kat. Berlinische Galerie), Berlin 1992
Werke

Schlafendes Kind
Öl auf Leinwand auf Karton
26,5 × 32,5 cm

Traubenstillleben
Öl auf Leinwand
30 × 40,5 cm