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2022 0521D

Künstler

2022 0521D

Landschaft mit Häusern

|

o.D.

Bromberger, Dora

1881

Bremen (DEU)

-

1942

Minsk (BLR)

Dora Bromberger

Bremen (DEU) 1881 ‒ 1942 Minsk (BLR)

Mit Dora Bromberger begegnet uns eine Künstlerin, die sich nicht vor den Nationalsozialist:innen schützen konnte. Als Tochter des jüdischen Komponisten und Pianisten David Bromberger (1853–1930) wuchs sie mit ihren Geschwistern Henriette (1882–1942) und Siegfried (1879 – unbekannt) in einem liberalen bürgerlichen Elternhaus auf. Die drei Kinder wurden am 26. März 1888 im evangelisch-lutherischen Bremer Dom getauft. Die Motivation dazu lässt sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen, doch die Konvertierung zum Christentum war in einzelnen Fällen mit rechtlicher Gleichstellung und gesellschaftlichem Druck zur Anpassung verbunden. Eine künstlerische Laufbahn strebte Bromberger bereits in jungen Jahren an. So besuchte sie mehrere Malschulen, darunter das progressive Institut des späteren Abstrakten Expressionisten Hans Hofmann (1880–1966) in München. Danach setzte sie ihr Studium in Paris fort, der blühenden Kunstmetropole ihrer Zeit, wo sie von avantgardistischen Strömungen inspiriert wurde. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt 1923 etablierte sich Bromberger rasch als Künstlerin: Neben Ausstellungen in der Kunsthalle und dem Graphischen Kabinett war ihr Werk auch außerhalb von Bremen zu sehen, etwa 1927 in Berlin und 1928 auf der Ausstellung Deutsche Kunst der Gegenwart in Nürnberg. Sie malte bevorzugt Landschaften und Stillleben im expressionistischen Stil, vor allem mit Aquarell- oder Ölfarben, aber auch im ruhigeren Stil, wie ihr Werk Landschaft mit Häusern zeigt. Als Mitglied der Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen (GEDOK) ab 1928 organisierte sie mit ihrer Schwester Henriette, einer renommierten Pianistin, die „Lichten Sonntage“, gesellschaftlich-künstlerische Salons in ihrem Elternhaus.

Doch mit der „Machtergreifung“ änderte sich das Leben der Familie Bromberger. Berufliche Ausgrenzung und die „Rassengesetze“ der Nationalsozialist:innen von 1935 führten zur Isolation der beiden Schwestern. Sie verließen nur selten das Haus und nahmen schweren Herzens Abschied von ihrem Bruder, der 1939 nach Kuba emigrierte. Aus gespendetem Porzellan und Stoffresten schuf Bromberger indessen weiterhin künstlerische Arbeiten.

Obwohl Dora und Henriette Bromberger seit über 40 Jahren getauft waren und Grabstätten am nichtjüdischen Riensberger Friedhof besaßen, waren sie ab 1941 Repressionen ausgesetzt. Als eine der Schwestern im Oktober 1941 den Evakuierungsbescheid erhielt, entschieden sie sich, gemeinsam die Reise ins Ungewisse anzutreten. Die Reichsbehörde verkaufte das gemeinsame Haus der Schwestern, in welchem sie einen Großteil ihres Lebens gewohnt hatten. Ein Transport brachte die Frauen in den frühen Morgenstunden vom Bremer Lloyd-Bahnhof in ein Todeslager bei Minsk. Zuvor konnte eine Freundin der Künstlerin ihnen unbemerkt Lebensmittel und eine Wolldecke mitgeben und Abschied nehmen. Dora und Henriette kamen nach einem mehrtägigen Zugtransport im Ghetto von Minsk an und erfuhren die menschenunwürdigen Umstände der Behausungen sowie die lebensgefährliche Kälte im Winter 1941/42. Beide wurden als Zwangsarbeiterinnen im nahegelegenen Wehrmachtslazarett zu Hilfstätigkeiten wie Kartoffelschälen eingesetzt und gelangten zeitweise an Lebensmittel. Das Lazarett wurde im Juni 1942 aufgelöst, und Dora Bromberger wurde im Vernichtungslager Maly Trostinec ermordet.

LITERATURAUSWAHL:

-Bremer Frauen Museum, Bromberger, Dora und Henriette (1881/1882–1942), https://bremer-frauenmuseum.de/2017/03/20/bromberger-dora-und-henriette-gen-henny/ (27.4.2025)

-Tanja Bierkämper, „Es geht uns sehr gut!“ – Dora Bromberger 1881–1942, in: Malerinnen des XX. Jahrhunderts, hg. von Bernd Küster, Bremen 1995, S. 11–29

-Rolf Rübsam, Die Brombergers: Schicksal einer Künstlerfamilie, Bremen 1992

Werke

Landschaft mit Häusern

Öl auf Holz

42 × 52 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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