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2016 0039

Künstler

2016 0039

Stehender weiblicher Akt

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1927

Fiedler, Arnold

1900

Hamburg (DEU)

-

1985

Hamburg (DEU)

Arnold Fiedler

Hamburg (DEU) 1900 – 1985 Hamburg (DEU)

Auf Wunsch seines Vaters begann Arnold Fiedler nach dem Schulabschluss zunächst eine Kaufmannslehre, erkannte jedoch schnell, dass seine Leidenschaft der Kunst galt. Deswegen besuchte er ab 1916 die Kunstgewerbeschule in Hamburg. Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges wurde er für einige Monate eingezogen, danach setzte er sein Studium an der Kunstgewerbeschule fort und knüpfte erste Kontakte als freischaffender Maler. In einem Speichergebäude im Hafen richtete er sich ein Atelier ein, 1922 trat er dem Hamburger Künstlerverein bei und zeigte seine erste Einzelausstellung.

Zwischen 1925 und 1930 war er zunächst Schüler und dann Lehrer in der Malschule von Hans Hofmann (1880–1966) in München. Studienreisen führten ihn in dieser Zeit nach Italien und Paris. 1932 wurde er Mitglied der Hamburgischen Sezession, doch bereits ein Jahr später geriet die Künstlervereinigung ins Visier der Nationalsozialisten: Die Sezessionsausstellung von 1933, auf der auch Fiedler mit sieben Werken vertreten war, wurde wegen angeblicher „Förderung des Kulturbolschewismus“ vorzeitig geschlossen. Die NS-Behörden verlangten den Ausschluss jüdischer Mitglieder, woraufhin der Verein noch im selben Jahr seine Auflösung beschloss. Bei der NS-Aktion „Entartete Kunst“ 1937 wurden 21 Arbeiten Fiedlers aus der Hamburger Kunsthalle entfernt. Nach wiederholten Durchsuchungen seines Ateliers und zunehmenden Schikanen flüchtete er 1938 nach Paris. Ein Jahr später wurde er aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen, seine in Hamburg zurückgelassenen Werke wurden bei Luftangriffen ab 1943 zerstört.

Das französische Exil war eine überaus harte Zeit für ihn. Er verarmte und hielt sich mit der Fertigung von Keramikschmuck und mit Anstreicherarbeiten über Wasser. 1939 und 1940 war er in mehreren französischen Lagern interniert. Dank seiner fließenden Französischkenntnisse wurde er als Dolmetscher eingesetzt und arbeitete sogar an der Ausstattung französischer Schlösser für deutsche Generäle mit. Beim Rückzug der Wehrmacht geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, in der er bis 1946 erneut als Dolmetscher eingesetzt wurde.

1946 kehrte Fiedler nach Hamburg zurück – in eine zerstörte Stadt. „Ich war schon entschlossen, nach Amerika zu gehen, weil hier alles, was ich besaß, verbrannt und vernichtet war“, sagte er rückblickend. Doch er blieb und beteiligte sich am Wiederaufbau der Kunstszene. Als Dozent in der Ateliergemeinschaft mit Lehrbetrieb Der Baukreis, einer der ersten Künstlergruppen nach dem Krieg, entwickelte er seinen Stil weiter.

Es war eine Zeit des künstlerischen Neuanfangs. Künstlerinnen und Künstler suchten neue Ausdrucksformen, wendeten sich explizit von der NS-Ästhetik ab und der Abstraktion als „Weltsprache der Freiheit“ zu – auch in Abgrenzung vom Sozialistischen Realismus im Ostblock. Fiedler experimentierte zunächst mit dem surrealistischen Stil und öffnete sich ab 1950 verstärkt der Abstraktion. Sein Gemälde Großstadt bei Nacht von 1953 spiegelte diese Entwicklung.

Fiedler war einer der wenigen Künstler der Verlorenen Generation, die in der Nachkriegszeit erneut Anerkennung fanden. 1958 und 1967 war er Gast der Villa Massimo in Rom, von 1959 bis 1969 betrieb er ein Atelier im Pariser Künstlerviertel Montparnasse. Für sein Werk wurde er im Alter vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Hamburger Ehrensold und der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille.

 

LITERATURAUSWAHL:

-Expressive Gegenständlichkeit, Schicksale figurativer Malerei und Graphik im 20. Jahrhundert. Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider, hg. von Rolf Jessewitsch u.a., Hamm/Westfalen 2001, S. 532

-Arnold Fiedler. Der Maler 1900–1985. Ein Werkverzeichnis, hg. von Uta Schoob, Neumünster

-Hans Theodor Flemming, Arnold Fiedler (Hamburger Künstler-Monographien 14), hg. von der Lichtwark-Gesellschaft, Hamburg 1980

Werke

Stehender weiblicher Akt

Öl auf Leinwand

62 × 37 cm

Großstadt bei Nacht

Öl auf Hartfaserplatte

67,6 × 79,3 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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