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2023 0564A

Künstler

2023 0564A

Frau von hinten

|

1915

Friedmann, David

1893

Ostrau (CZE)

-

1980

St. Louis (USA)

In einem Bericht zum Thema „Entschädigung für geraubte Gemälde“ im Berliner Tagesspiegel 1961 wird der Künstler David Friedmann erwähnt und die Beschlagnahmung unzähliger seiner Gemälde während der NS-Zeit, die Tragweite seiner Erlebnisse bleibt indessen unerwähnt. Die Zeit des NS-Regimes ist für den Maler mit dem Mord an seiner Familie, Flucht und Kriegselend verbunden. Geboren in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, wächst Friedmann mit drei Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wird er an die russische Front beordert und dort als Kriegsmaler eingesetzt. Auch in seiner Berliner Studienzeit sind Friedmanns künstlerische Fertigkeiten nicht unbemerkt geblieben: Er hat zwei Jahre bei Hermann Struck (1876–1944) studiert, als er 1914 auf Empfehlung des einflussreichen Künstlers Max Liebermann (1847–1935) einen Studienplatz bei Lovis Corinth (1858–1925) erhält. Im selben Wohnhaus, in dem auch der Künstler Felix Nussbaum (1904–1944) lebt, bezieht er Ende 1914 ein eigenes Atelier, wo vermutlich der abgebildete Rückenakt Frau von hinten entsteht. Ab April 1933 erfolgt die Verdrängung von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen. Friedmann kann daher seine Werke nur noch zu einem Bruchteil der bis dahin erzielten Preise verkaufen, seine Gemälde werden aus Galerien entfernt und das Atelier muss er aufgeben. 1937 heiratet er Mathilde Fuchs (1901–1944), ein Jahr später kommt ihre Tochter Mirjam Helene (1938–1944) zur Welt. Im Dezember 1938 flieht die Familie nach Prag. Dort porträtiert Friedmann führende Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde. Zahlreiche Kunstwerke bleiben zudem in Berlin zurück, werden von der Gestapo „beschlagnahmt“ und gehen in den Wirren des „Dritten Reichs“ verloren. Heute gelten diese Kunstwerke unter anderem als „Raubkunst“. Im Rahmen der sogenannten „Endlösung“ wird die Familie 1941 mit dem ersten „Judentransport“ aus Prag nach Lodz in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Die wenigen im Lager entstandenen, erhaltenen Werke sind heute Bestandteil der Jüdischen Zentralbibliothek des Jüdischen Historischen Instituts Warschau. Im Sommer 1944 wird das Ghetto aufgelöst, Friedmanns Frau und Tochter werden getrennt von ihm nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Im Außenlager Auschwitz Gleiwitz I malt Friedmann für den dortigen SS-Offizier. Auf dem Todesmarsch gelangt er mit anderen Häftlingen kurz vor Kriegsende in Richtung Westen.  Im Auschwitz-Nebenlager Blechhammer wird er im Januar 1945 befreit. In der Werkfolge Because They Were Jews („Weil sie Juden waren“) illustriert er nach dem Krieg seine Erinnerungen an die Zeit im Ghetto und im Konzentrationslager. 1949, im ersten vollen Jahr Kommunismus in der Tschechoslowakei, emigriert Friedmann mit seiner zweiten Ehefrau Hildegard Taussig (1921–1989) nach Israel. Mit ihr und seiner ebenfalls Miriam (geb. 1950) genannten Tochter emigriert er schließlich 1954 in die Vereinigten Staaten. Mit der US-Staatsbürgerschaft ändert sich die Schreibweise des Namens in „Friedman“.

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten“. Dieser ist HIER erhältlich.

Werke

Frau von hinten

Öl auf Leinwand

68,5 × 54,5 cm

Früchtestillleben

Öl auf Leinwand

35,5 × 47,5 cm

Landschaft

Öl auf Karton

36 × 41 cm

Blick von der Waisenbrücke - Berlin

Öl auf Holz

32,5 × 41 cm

Bootsszene

Öl auf Karton

33 × 40 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

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(1887 - 1948)

Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette

Strawinsky, Théodore

(1907 - 1989)

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(Unbekannt - Unbekannt)

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