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2020 0357A

Künstler

2020 0357A

Musiker im Stalag XVIII C (317) I- Markt Pongau

|

1942

Gazier, Jean Paul

1905

Orbec (FRA)

-

Unbekannt

Der französische Künstler Jean Paul Gazier hat nur wenige biografische Spuren hinterlassen, jedoch ist seine Zeit im Salzburger Kriegsgefangenenlager Stalag XVIII C gut dokumentiert. 1905 wird er in eine kleine französische Gemeinde namens Orbec in der Normandie geboren, woraus es ihn vermutlich in die Kunstmetropole Paris verschlägt. Vor dem Zweiten Weltkrieg ist Gazier im beliebten Arrondisement Les Batignolles gemeldet. Der Pariser Stadtteil, ist ein kulturell belebtes Viertel von Paris, das bereits im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler anzieht, darunter Édouard Manet (1832–1883) und die sogenannte Groupe des Batignolles, welche sich regelmäßig in den hiesigen Cafés treffen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges tritt Gazier in den administrativen Militärdienst ein. Als Unteroffizier des „Bureau des Ordres et Administrations“ wird er vermutlich gefangen genommen und schließlich in das Stammlager im „Markt Pongau“ (heute Sankt Johann im Pongau) im Nordwesten Österreichs nahe Salzburg gebracht. Das 1941 errichtete Lager für Kriegsgefangene, in der Mehrheit aus Frankreich und der Sowjetunion, leisten Zwangsarbeit in Betrieben der Umgebung und in der Landwirtschaft. Bis Ende des Jahres 1941 steigt die Zahl der Kriegsgefangene auf 30.000, von denen etwa 4.000 im Lager umkommen. Obwohl das Stalag XVIII C überbelegt ist, können die französischen Häftlinge verschiedenen künstlerischen Aktivitäten nachgehen, die unter anderem Gazier als „Intendant der Schönen Künste“ im Lager leitet: Vom 20. bis 30. Januar 1942 findet zum Beispiel eine Kunstausstellung im Theatersaal des Lagers statt; Im Zuge einer Wanderausstellung durch Frankreich werden die Kunstwerke im Februar eingesammelt und im Juli 1942 in der französischen Stadt Lyon gezeigt, der Erlös kommt dabei den Familien der Lagerkünstler zugute. Zudem ist er als Mitglied der „Cercle Pétain“ politisch engagiert und hält am 7. Juli 1942 eine Ansprache zum Thema „Sozialpolitik der Zukunft“. Den Gefangenen wird ein Raum zugewiesen, um zu malen, zu zeichnen, zu schnitzen, Bühnenbilder und Kostüme für Aufführungen anzufertigen, Kurse und Vorträge zu halten sowie Ausstellungen zu organisieren. An den Wänden hängen Zeichnungen, Fotos, Gemälde, Postkarten, in den Regalen stehen Skulpturen und Kunstbücher. Die Künstler stellen sich gegenseitig dar, sie fertigen Porträts von anderen Kameraden an, um sie an ihre Angehörigen zu schicken. Dabei fertigen sie auch verschönerte Bilder ihres Lageralltags, um ihre Angehörigen zu beruhigen. Auch Gazier fertigt 1942 ein solches Porträt eines unbekannten serbisch-orthodoxen Häftlings, der an der typischen Feldmütze zu erkennen ist.

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten“. Dieser ist HIER erhältlich.

Werke

Musiker im Stalag XVIII C (317) I- Markt Pongau

Öl auf Leinwand

80 × 65

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