
Künstler

Cellist
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o.D.
Maillet, Leo
1902
Frankfurt am Main (DEU)
-
1990
Bellinzona (CHE)
Leo Maillet, geboren als Leopold Mayer in Frankfurt am Main, begann seine Karriere in der Mode und Kunst und erlebte im Laufe seines Lebens extreme Herausforderungen. Er wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren. Ab 1918 begann er eine Ausbildung als Bankkaufmann und arbeitete im väterlichen Hutmodengeschäft für Damen. In den frühen 1920er Jahren arbeitete er für eine Modefirma und besuchte die Frankfurter Kunstschule, bekannt als Städelschule, um Modezeichner zu werden. Ab 1925 wurde er in die Grafikklasse bei Franz Karl Delavilla aufgenommen und erlernte moderne Druckgrafiktechniken bei Meister Verchau. Im Jahr 1930 trat Maillet in die Meisterklasse von Max Beckmann ein und erhielt ein eigenes Atelier im Städelinstitut. Er feierte seinen ersten großen Erfolg, als sein Ölgemälde „Uferstraße am Main“ 1931 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt gewann. Leider wurde dasselbe Bild später in der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt und zerstört. Der Tod seines Vaters 1932 führte zu einem Abbruch seines Studiums. Im Mai 1933, nur wenige Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialist:innen, wurden seine Werke bei der Bücherverbrennung auf dem Römerberg zerstört. Er entschloss sich, Deutschland zu verlassen. Begleitet von seiner Verlobten Margarete Höß reiste er nach Luxemburg, Belgien, die Niederlande und Frankreich, erhielt jedoch in keinem dieser Länder eine Arbeitserlaubnis. 1935 kehrte er zwischenzeitlich nach Deutschland zurück, um seine Familie zur Emigration zu bewegen, doch diese war nicht überzeugt und blieb. Tragischerweise wurde Maillets Mutter 1941 nach Riga deportiert. 1935 emigrierte er endgültig, wurde jedoch von Luxemburg ausgewiesen und ging nach Paris. Dort arbeitete er als Drucker und Radierer in der Werkstatt von Roger Lacourière. 1936 erhielt Maillet im Deutschen Reich ein Berufsverbot durch die Reichskulturkammer und verlor seine deutsche Staatsbürgerschaft. 1938 heiratete er Margarete. Zu Beginn des Krieges 1939 meldete er sich freiwillig für die Arbeitskompanie in St-Nazaire, um der Internierung in Paris zu entgehen. 1940 wurde Margarete in das Lager Gurs gebracht, aus dem sie jedoch Maillet befreien konnte. Auf der Flucht durchquerten beide ein halbes Jahr Südfrankreich und ließen sich schließlich in St. Rémy nieder. Im Herbst 1942 wurde ihre sichere Zuflucht beendet, und Maillet wurde nach Aix-en-Provence in das Internierungslager Les Milles transportiert, das zwei Wochen später aufgelöst wurde. Bei der Deportation in Richtung Auschwitz hatte Maillet das Glück, dass er als Kleinster der Gruppe zuletzt in den Zug einstieg. Während einer Nacht öffnete sich beim Schließen der Türen eine versteckte Luke in der Decke des Zuges. Maillet sprang auf die Schienen und verlor beim Aufprall seine oberen Zähne sowie seine Sehkraft auf dem linken Auge. Über mehrere Stationen, stets auf der Flucht vor der Polizei, gelangte er in die Cevennen, wo er für ein Jahr als Hirte arbeitete. Er und seine Frau, die sich unverhofft wiederfanden, erhielten durch die französische Widerstandsgruppe „CIMADE“ einen französischen Pass auf den Namen „Léo Maillet“. 1944 gelang ihm mithilfe der Widerstandsgruppe die Flucht in die Schweiz nach Montreux, wo er in einem Auffanglager lebte. Nach 1945 erhielten Maillet und seine Frau ein Stipendium der jüdischen Flüchtlingshilfe und bildeten sich an der Baseler Gewerbeschule weiter. Es begann ein neues Leben in der Schweiz, jedoch wurde die Ehe mit Margarete Höß in Basel geschieden. 1950 war Maillet gemeinsam mit Adolf Hürlimann Herausgeber der Kunstzeitschrift „matière“ in Zürich. 1956 heiratete er seine zweite Frau Regina Lippl, mit der er die beiden Söhne Daniel 1956 und Nikolaus 1957 bekam. Ab 1964 ließ er sich in Verscio im Tessin nieder und baute dort ein Haus mit Atelier. 1968 erhielt er das Schweizer Bürgerrecht. Leo Maillet schuf zahlreiche Selbstbildnisse, die in verschiedenen Stilen, Lebenslagen und Selbstbetrachtungen verwurzelt waren. Er zeichnete damit eine künstlerisch-biografische Chronik, in der er seine unterschiedlichen Lebenssituationen festhielt. Besonders zwischen 1940 und 1945 hielt Maillet in seinen Kunstwerken eindrucksvoll seine persönlichen Themen fest.
Werke

Cellist
Mischtechnik auf Velin
28,2 × 23,3 cm

"Violon"
Radierung mit Farbaquatinta auf Velin
280 × 230 cm

Bildnis Ludwig Rosenwald (1902–1942) „In memory L. R.‟
Radierung mit Farbaquatinta
310 × 246 mm

Nach Theresienstadt
Kaltnadelradierung
532 × 380 mm

Bildnis Sohn Nikolaus (* 1957)
Kaltnadelradierung
283 × 233 mm

Bildnis Friedrich Hagen (1903–1979)
Kaltnadelradierung
240 × 195 mm

Bildnis Friedrich Hagen (1903–1979)
Kaltnadelradierung
150 × 210 mm

Beppe Chierici (*1937)
Kaltnadelradierung
495 × 240 mm

Bildnis Sohn Daniel (* 1956)
Kaltnadelradierung
270 × 220 mm

Nonno Gobbi
Kaltnadelradierung
150 × 210 mm

Liz
Kaltnadelradierung
320 × 325 mm

Hildegard Krost (1925-2017) als Geesche
Kaltnadelradierung
440 × 245 mm

Barbara mit bösem Ei
Kaltnadelradierung
395 × 297 mm

Doppelporträt Silvie und Silvana
Kaltnadelradierung
280 × 325 mm

Bildnis Sohn Nikolaus (* 1957)
Kaltnadelradierung
283 × 235 mm

Sibylle
Kaltnadelradierung
364 × 305 mm

Annette
Kaltnadelradierung
520 × 245 mm

Mutterschaft
Kaltnadelradierung
445 × 245 mm

Hildegard Krost (1925-2017) als Geesche
Kaltnadelradierung
445 × 245 mm

Die Sirene
Kaltnadelradierung
495 × 245 mm

Sich sonnende Mädchen
Kaltnadelradierung
325 × 477 mm

Doppelakt
Kaltnadelradierung
495 × 245 mm

Bildnis Friedrich Hagen (1903–1979)
Kaltnadelradierung
243 × 195 mm

Zwei weibliche Akte
Radierung auf Büttenpapier
415 × 295 mm

Moi (Selbstbildnis)
393 × 311 mm