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2021 0400A

Künstler

2021 0400A

Selbstbildnis

|

1935

Roederstein, Ottilie W.

1859

Zürich (CHE)

-

1937

Hofheim (DEU)

Ottilie W. Roederstein wurde 1859 in Zürich geboren. Ihre Eltern stammten beide aus dem Rheinland; ihr Vater arbeitete in Zürich als Vertreter einer Textilfirma. Der Maler Eduard Pfyffer porträtierte zwischen 1868 und 1869 die Mitglieder der Familie Roederstein. Ab 1876 nahm sie bei ihm zwei Jahre lang Zeichen- und Malunterricht, obwohl ihre Mutter gegen eine künstlerische Ausbildung war. 1879 folgte sie ihrer Schwester nach Berlin, wo sie das private Damenatelier des Porträtmalers Karl Gussow besuchte. Gemeinsam mit ihrer Freundin und Künstlerkollegin Annie Hopf ging Roederstein 1882 nach Paris. Dort studierte sie im Damenatelier von Émile Auguste Carolus-Duran sowie bei Jean-Jacques Henner und arbeitete zusätzlich nachmittags im Atelier von Luc-Olivier Merson. Gemeinsam mit Annie Hopf und Tola Certowicz bezog sie eine Wohnung in der Rue Notre-Dame-des-Champs 79 und unterhielt in derselben Straße ein Atelier. Im gleichen Jahr konnte sie erstmals in Zürich ausstellen. 1883 zeigte Roederstein ihr erstes Werk in der Société des Artistes Français und stellte bis 1914 jährlich in Paris aus. Im Sommer 1885 lernte sie in Zürich eine junge Medizinstudentin namens Elisabeth Hermine Winterhalter kennen, die später ihre Lebensgefährtin wurde. Winterhalter wurde später eine der ersten Chirurginnen Deutschlands und führte als erste Frau einen Kaiserschnitt durch. Roederstein kehrte 1887 nach Zürich zurück. 1891 ging sie nach Frankfurt am Main und lebte dort gemeinsam mit Elisabeth Winterhalter. Dort hatte sie Kontakte zur Kronberger Malerkolonie, insbesondere zu Hans Thoma. Zwischen 1894 und 1911 mietete Roederstein am Städelschen Kunstinstitut ein Atelier und unterrichtete dort vor allem Frauen. Von 1907 bis 1909 zog sie gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin nach Hofheim; 1911 bauten sie dort auch ein Atelier. 1913 folgte eine Reise nach Nordafrika. Ab 1913 war Hanna Bekker vom Rath ihre Schülerin. Beide blieben auch nach der Ausbildungszeit in regem Kontakt miteinander und unternahmen gemeinsam mehrere Reisen nach Italien und in die Schweiz. Als sich Bekker vom Rath 1928 ebenfalls in Hofheim niederließ, lernte Roederstein durch sie viele neue Künstler kennen, darunter Alexej von Jawlensky, Ludwig Meidner und Karl Schmidt-Rottluff. Im selben Jahr wurde Roederstein, wie so viele Persönlichkeiten aus dem Frankfurter Kreis, von Hanna Bekker vom Rath porträtiert. Als 1920 französische Besatzer in Hofheim waren, nahmen sie Roedersteins Atelier in Beschlag, das sie erst 1929 zurückerhielt. In diesem Jahr zeigte der Frankfurter Kunstverein anlässlich des 70. Geburtstags der Künstlerin eine große Jubiläumsausstellung. Zu dieser wurden ihr sowohl die Ehrenbürgerschaft von Hofheim als auch die Ehrenmitgliedschaft im Frankfurter Künstlerbund und eine Plakette der Stadt Frankfurt zuteil. Als Porträtistin malte sie das Bürgertum, Künstler und Schriftsteller wie Hermann Hesse und Jakob Nussbaum, aber auch Familie und Freund. Auch sie selbst wurde zum Sujet ihrer Gemälde. Einerseits reihte sie sich damit in eine lange künstlerische Tradition der Selbstbildnisse ein, andererseits gewährten diese auch einen Blick in Roedersteins Inneres. Im Selbstporträt von 1936 setzte sie sich wie in anderen Selbstbildnissen aus den 1930er-Jahren mit ihrem eigenen Alterungsprozess auseinander. In dieser Zeit litt sie unter langanhaltenden depressiven Phasen und übersetzte diese in ihre Selbstdarstellungen. Das Werk widmete sie in der Inschrift ihrer Schülerin Hanna Bekker vom Rath und drückte damit ihre tiefe Verbundenheit aus: „Der Lieben Frau vom Rath in Verehrung gewidmet 20. März 1936.“ 1937 reiste sie gemeinsam mit Bekker vom Rath und dem Beckmann-Schüler Theo Garvé zur Weltausstellung nach Paris, wo sie gemeinsam Pablo Picassos Guernica sahen. Kurz nach ihrer Rückkehr verstarb Roederstein im Alter von 78 Jahren in Hofheim.

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Sammlungskatalog „Wir werden euch nicht Vergessen. Die Verlorene Generation. Ihre Kunst. Ihre Geschichten“. Dieser ist HIER erhältlich.

Werke

Selbstbildnis

Öl auf Leinwand;Oil on canvas

46,8 × 38,4 cm

Weitere Künstlerinnen und Künstler

Fischerhafen Richter, Klaus

(1887 - 1948)

Expressives Portrait einer Frau mit Zigarette

Porträt Denise Strawinsky Strawinsky, Théodore

(1907 - 1989)

Porträt Denise Strawinsky

Mädchen mit Violine (zugeschrieben) Lerch, Franz

(1895 - 1977)

Mädchen mit Violine (zugeschrieben)

Lehre, Wanda

(Unbekannt - Unbekannt)

Mädchen mit Violine (zugeschrieben)

Museum of Lost Generation Art

Prof. Dr. Heinz R. Böhme charitable foundation
Sigmund-Haffner-Gasse 12/1. Stock
5020 Salzburg, Austria
T +43 662 276231‬
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